Er hatte «Burglind» noch in den Haaren, als ihm bereits «Evi» zu schaffen machte. Severin Dommen (24), seit vergangenem Oktober Leiter des Forstbetriebs Kölliken-Safenwil, wurde drei Monate nach Arbeitsantritt mit der Zerstörungskraft des schlimmsten Sturms seit 17 Jahren und dessen Nachhut konfrontiert. Ende Woche wird er gar die Bescherung einer dritten Dame zu bewältigen haben: «Friederike» soll bis Freitagmorgen mit Sturmböen bis 100 Stundenkilometer durchs Flachland jagen.

Doch keine der drei Frauenzimmer scheinen den Jungförster aus der Ruhe bringen zu können. Selbst wenn sie sein Einstandsjahr gleich zum Problemjahr für die Waldwirtschaft machen. Selbst wenn die Strasse Kölliken-Gretzenbach abermals von Bäumen befreit werden musste. «Etwa alle zehn Jahre zieht ein Sturm in diesem Ausmass übers Land, während einer Försterkarriere hat man es also ein paar Mal mit verstürmten Wäldern zu tun», sagt er.

Trotzdem – als er am Tag nach «Burglind» im Wald erstmals das Bild der Verwüstung sah, «habe ich leer geschluckt.» Es sei viel Arbeit und Hingabe, die ein Forstbetrieb in die Bewirtschaftung des Waldes stecke, damit dieser seine Funktionen erfüllen könne. Nun die haufenweise entwurzelten und geknickten Bäume zu sehen, «tut dem Försterherz weh.»

«Evi» war keine Hilfe

Unter den Füssen knacken die Äste, als Dommen zu den Verwüstungs-Schauplätzen in seinem neuen Revier führt. Einen Augenblick hält er inne und beobachtet die schwankenden Wipfel, will erst weitergehen, wenn der nächste Windstoss vorbei ist. «Man dürfte momentan noch nicht im Wald sein – zu gefährlich», sagt er.

Sturm Evi hatte in der Nacht auf Mittwoch Bäume entwurzelt, die durch «Burglind» gelockert wurden. Diese hätte der Forstbetrieb aus Sicherheitsgründen ohnehin fällen müssen. Doch auch wenn «Evi» Dommen und seinen Kollegen damit Arbeit abnahm, als Hilfe kann der Förster den zweiten Sturm nicht bezeichnen: «Ein Sturm macht uns in jedem Fall mehr Arbeit, als er uns abnimmt.»

`Burglind`-Schäden kosten mehr als 24 Millionen Franken

«Burglind»: Schäden kosten mehr als 24 Millionen Franken

So hätten sie die gelockerten Bäume noch länger stehen lassen können, damit nicht alles Holz auf einmal verkauft werden müsse. Ausserdem müssten nach jedem Sturm erneut die Wege zu den Reservoirs freigemacht werden, denn das Wasseramt müsse jederzeit freie Zufahrt haben, um die Wasserqualität zu garantieren.

838 Hektar umfasst das Waldgebiet, das der Teufenthaler Dommen und seine drei Mitarbeiter bewirtschaften. Zu den Wäldern von Kölliken und Safenwil kommt noch jener von Oberentfelden im Auftragsverhältnis.

«Dem Wald selber macht ein solcher Sturm nichts, das ist das Natürlichste, was ihm passieren kann», sagt der Förster. Schaden tue der Sturm aber dem Menschen als Nutzniesser des Waldes. Wie alle Verantwortlichen von Forstgebieten, die von den Stürmen heimgesucht wurden, macht er sich Sorgen, ob das viele Sturmholz, das nun auf einmal auf den Markt kommt, einen vernünftigen Preis erzielen wird.

Geschätzte 80 Prozent des Jahreshiebsatzes hat «Burglind» entwurzelt, dazu kommt das «Evi»-Holz, dessen Bestand der Forstbetrieb noch nicht vollständig aufgenommen hat. Möglich also, dass die dritte Dame im Bunde bis Freitag das entwurzelte Holz nahe an die Menge eines Jahreshiebsatzes von 8800 Kubikmetern bringt. Hinzu kommt jenes Holz, das der Forstbetrieb bereits selber geschlagen hat. Gemäss Dommen etwa ein halber Jahreshiebsatz.

Er habe bereits überlegt, ob er einen Teil des Holzes exportieren soll, er sei von dieser «Notmassnahme» aber wieder abgekommen. «Ich hätte auch ein ungutes Gefühl gehabt, in erster Linie soll ja die hiesige Holzwirtschaft unterstützt werden.»

In den zwei Wochen seit «Burglind» hat sich der Förster reichlich erkundigt und zeigt sich zuversichtlich, dass das meiste Holz zu einem fairen Preis verkauft werden kann. Auch «Friederike» wird ihm da kaum einen Strich durch die Rechnung machen.