Raiffeisenbank Reitnau-Rued

Ein Jahr nach Fall Vincenz: Der Präsident lacht wieder

Bankleiter Andreas Bieri und Verwaltungsrats-Präsident Hans Ulrich Ziswiler beschenken Lehrlingsausbildnerin Karin Gysel, Rahel Lüthi (Abschluss 2018) und Lino Neeser (2. Lehrjahr, v. l.).

Die Generalversammlung der Raiffeisenbank Reitnau-Rued konnte mit guten Zahlen aufwarten. 859 Genossenschafter gewährten sich zwei Prozent Zins für ihre Anteilscheine.

Was für ein Wandel! Stand dem Präsidenten des Verwaltungsrates der Raiffeisenbank Reitnau-Rued vor einem Jahr an der Generalversammlung ein heiliger Zorn ins Gesicht geschrieben – der Fall Pierin Vincenz hatte ihn «masslos wütend» gemacht –, so strahlt Hans Ulrich Ziswiler Ende April wie ein früher Maikäfer. Die Generalversammlung kann nicht nur mit guten Zahlen aufwarten. Auch auf der Ebene der «Mutter- und Dachgenossenschaft der zurzeit 246 Raiffeisenbanken» sieht er eine positive Entwicklung. «Der Pfad der Tugend wird wieder beschritten», meint er.

Mit einem Umbau soll die Dachgenossenschaft schlanker werden; die Genossenschaftsstruktur sei unverzichtbar. Den einzelnen Banken, so das Ziel, soll wieder grösseres Gewicht zukommen. Die Dienstleistungen von Raiffeisen Schweiz würden überprüft, und Ziswiler zeigt sich überzeugt, dass «Raiffeisen Schweiz und die einzelnen Raiffeisenbanken gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen». Ein Prozess, der in rund zwei Jahren abgeschlossen sein soll.

302 neue Mitglieder

Bankleiter Andreas Bieri kann für die Bank mit 6862 Mitgliedern mehrheitlich positive Zahlen verkünden. Das beginnt bei der Entwicklung der Mitgliederzahl. Die Negativschlagzeilen – Stichwort Vincenz – schlugen nicht auf die Basis durch: «Sage und schreibe 302 neue Mitglieder sind zu uns gestossen.» Netto beträgt die Zunahme 1,8 Prozent. Die Ausleihungen, vorwiegend Hypotheken, nahmen um 3,3 Prozent auf 586 Millionen Franken zu. Die Raiffeisenbank Reitnau-Rued verwaltet neu 500 Millionen Kundengelder, 27 Millionen oder 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

«Unser wichtigstes Geschäft ist die Differenz aus den Zinsen, die wir bekommen, und den Zinsen, die wir zahlen», sagt Bieri. Da liegt der Bruttoertrag mit 7,25 Millionen etwas tiefer als im Vorjahr. Eine Folge des tiefen Zinsumfelds, das an der Rentabilität nagt.

Beim gemütlichen Teil der Generalversammlung steht das Essen im Zentrum.

Beim gemütlichen Teil der Generalversammlung steht das Essen im Zentrum.

Die Raiffeisenbank hat Geschäftsstellen in Schlossrued, Schöftland, Reitnau und Unterkulm und in diesen Gemeinden 410’000 Franken Steuern bezahlt. Die Bank hat ihre freien stillen Reserven um 2,1 Millionen Franken stärken können und weist einen Jahresgewinn von 569'000 Franken (+11,2 Prozent) aus. Daraus ergibt sich eine Verzinsung der Anteilscheine von 2 Prozent. 28 Mitarbeitende, davon 2 Auszubildende, arbeiten bei der Bank.

Die Versammlung verabschiedet Verwaltungsrätin Manuela Hochuli, die 2006 gewählt wurde. Sie wird, entsprechend der Raiffeisenstrategie – Straffung der Verwaltungsräte – nicht ersetzt; der Rat hat neu sechs Mitglieder. Manuela Hochuli, seit einem Jahr Reitnauer Finanzverwalterin, erhält einen Reisegutschein und einen Blumenstrauss.

Beim gemütlichen Teil der Generalversammlung steht das Essen im Zentrum.

Beim gemütlichen Teil der Generalversammlung steht das Essen im Zentrum.

30 Jahre bei Raiffeisen arbeitet Rolf Lüscher. Er hat die Entwicklung der Bank aus der Raiffeisenkasse Schlossrued mit 1,3 Personaleinheiten und 20 Millionen Bilanzsumme zur fusionierten Bank mit 650 Millionen Bilanzsumme mitgemacht. Andreas Bieri überreicht seinem Kollegen ein Geschenk «in flüssiger Form».

Applaus gibts für die Lehrlinge, die in einem Film einen Einblick hinter die Kulissen der Bank gewähren, und deren Ausbildnerin Karin Gysel, die seit zehn Jahren für die Bank arbeitet. Es sind dies Rahel Lüthi (Abschluss 2018), Lino Neeser (2. Lehrjahr) und Florian Langenegger (1. Lehrjahr). Kunstturner Langenegger absolviert die Sportlerlehre und ist, statt in Schöftland, in einem Trainingslager.

Mit der Verlosung von zehn Geschenkkörben beginnt nach gut 50 Minuten, in denen allen Traktanden ohne Gegenstimmen zugestimmt wurde, der gemütliche Teil der Generalversammlung. Und da steht das Essen im Zentrum. Turnerinnen, Turner und Musikanten aus Reitnau und Schmiedrued servieren einen Nüsslisalat mit Sbrinz-Würfeln, Nüssen und Äpfeln, Züri-Gschnätzlets mit Kartoffelstock und Aargauer Rüebli. Zum Dessert gibts Kirschrahmtorte aus der Konditorei Sollberger in Gontenschwil. Die Frage von Verwaltungsrat Reto Hauri, obs geschmeckt hat, schreit nicht nach einem Gegenmehr: Der grosse Applaus sagt alles.

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