Werner Herger öffnet den Kasten, und schon fliegen sie in die Freiheit: fünf eben geschlüpfte Schwalbenschwänze. «Das ist der schönste Moment», strahlt der Schreiner und blickt ihnen fast wehmütig nach, wie sie entschwinden. Nur einer will nicht recht, lässt sich auf den Margeriten nieder. «Der kommt schon noch», sagt Herger und nimmt den Schmetterling auf die Hand. Im Naturgarten von Corinne und Werner Herger stehen in Töpfen Fenchelstöcke. Nicht zum Essen für Menschen, vielmehr Mahlzeit für die Raupen der Schwalbenschwänze. «Siehst du da, ein Ei», sagt er und zeigt auf ein winziges Kügelchen an einem Fenchelzweig.

Jeder Schmetterling hat seine eigene Futterpflanze. Das Brennnesselfeld ist für die Raupen des Kleinen Fuchses und des Tagpfauenauges ein gefundenes Fressen. Für die Raupe des Schwalbenschwanzes ist es der Fenchel. Sie mag aber auch Rüeblikraut. Im Herbst geht Herger auf die Rüeblifelder und sammelt dort Raupen ein, die sich dann im Spätherbst in seinem Garten verpuppen und im Frühling als prächtige Falter das Auge der Naturfreunde entzücken. «Sobald die Rüebli gespritzt werden, hats keine Raupen mehr dran, ausser beim Biobauern», sagt er aus Erfahrung. In seinem Garten und in den Raupenkasten stellt er ihnen Fenchel zur Verfügung. «Sie müssen sich umgewöhnen», schmunzelt er, und seine Frau ergänzt: «Sie fressen rechte Mengen.»

Gegen Feinde gesichert

Die Raupenkasten, in denen sich die Raupen verpuppen und schliesslich als Schmetterlinge ihr letztes Lebensstadium von nur wenigen Wochen in Angriff nehmen, hat Werner Herger selber konstruiert. «Die Gitter müssen luftdurchlässig sein, dürfen aber keine Schlupfwespen durchlassen», sagt er. Auch Spinnen mag es nicht leiden. Deshalb hat er ein Insektenschutzgitter mit einem Vlies verstärkt. Ein Thermometer zeigt die Temperatur an. «Er hat auch schon einen Sonnenschirm hingestellt, wenns heiss war», sagt Corinne Herger lachend über das grosse Engagement ihres Mannes.

Fuchs auf dem Kirschbaum

Am Anfang von Hergers Leidenschaft für die Schmetterlinge stand der Grosse Fuchs. «Ein Ast des Kirschbaums war voller Raupen», erinnert er sich. 2007 sei das gewesen. Er hat sich an den Natur- und Vogelschutzverein gewendet und dort Tipps geholt: einpacken in ein Vlies, um die Raupen vor den Vögeln zu schützen. Dann kamen die Raupen in den Kasten von Niklaus Huber vom Verein. «Wir haben die Entwicklung verfolgt und wussten nicht, was da schlüpfen würde», erinnert sich Herger. Die Überraschung sei gross gewesen, als 70 Grosse Füchse, eine seltenere Art, geschlüpft seien. «Dieses Schauspiel wollte ich wieder erleben», sagt Werner Herger, und seither zieht er Schwalbenschwänze auf. Im Raupenkasten, dem eben fünf Schmetterlinge entflogen sind, warten weitere aufs Schlüpfen. «Bis im Sommer werden wohl an die 70 schlüpfen», sagt Herger. Pro Jahr könnten sich bis zu drei Generationen entwickeln.

Man weiss in Schöftland um Hergers Interesse an Schmetterlingen: Leute bringen ihm Raupen vorbei. Und einmal habe ihn jemand gefragt, ob er an der Hochzeit statt Tauben Schwalbenschwänze freilassen würde. «Es war gerade einer geschlüpft; so machte ich dem Brautpaar halt die kleine Freude», sagt er. Extra zu diesem Zweck zu züchten, wie das gemacht werde, komme für ihn freilich nicht infrage.

Als Werner Herger einmal in einem Kindergarten in Kulm mit Raupen und Puppen zu Besuch war, konnte er einen «Erfolg» verbuchen: «Nach anfänglicher Skepsis wanderte eine Raupe von Kinderhand zu Kinderhand, und alle waren fasziniert.» Die Leidenschaft des Schmetterlingsmanns ist ansteckend. Im Frühling brachte er einen Kasten vorbei, und die Kinder durften die Schmetterlinge loslassen. Schöftler Erstklässlern bot er schon die Gelegenheit, einen Schwalbenschwanz in der Hand zu halten. «Es gab lustige Fotos und war ein Erlebnis», erinnert er sich. Seine Freude anderen weitergeben, das macht Werner Herger Freude.