Schöftland
Ein guter Tag für den Schirm-Sepp

Reist er den Regenwolken nach? Sepp Koller aus Appenzell verkaufte am regnerischen Schöftler Herbstmarkt nur Schirme.

Peter Weingartner
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Schöftler Herbstmarkt
11 Bilder
Spass auf dem Karussell.
Gartenschmuck am Herbstmarkt in Schöfland.
Sepp Koller verkauft Hedy Fischer einen Schirm mit Musiknoten.
Dauerbrenner Zuckerwatte am Herbstmarkt in Schöftland.
Ein bisschen Musik - das wäre etwas für mich!
Die Ballone gehören einfach zum Herbstmarkt.
Eliane Krähenbühl: "Bis jetzt habe ich mir erst dieses Chnobli-Brot geleistet. Ich hoffe, ich finde auf dem Markt noch eine Kappe oder einen Schal. Der Schal müsste ziemlich dick sein."
Maja Harlacher: "Ich habe für den Gluscht Magenbrot gekauft und zum Zmittag eine Kürbissuppe gegessen. Suppe, das ist eine gute Idee, statt nur Würste. Dann kaufe ich noch Gewürze."
Ryan Huber: "Dieser Glubschi hat mir gefallen. Ich finde ihn lustig, weil er so grosse Augen hat. Mami hat ihn bezahlt; ich darf immer am Markt etwas Kleines kaufen."
Hans Müller: "Magenbrot habe ich gekauft, das gehört dazu. Bei den Turnern haben wir Steak und Frites gegessen. Am Nachmittag bekommen die Grosskinder noch etwas zum Spielen."

Schöftler Herbstmarkt

Peter Weingartner

Es riecht intensiv nach Chnobli-Brot. Mindestens drei Anbieter sind auf dem Platz. Gebrannte Mandeln und Magenbrot versuchen dem Knoblauch Paroli zu bieten.

Das Wetter? Durchzogen. «Es hat trotzdem viele Leute», freut sich der ehemalige Schöftler Gemeindeammann Hans Müller. «Wir sind auch bei schönem Wetter da», sagt Sepp Koller aus Appenzell. Er verkauft Schirme. Hochkonjunktur, angesichts zarter Regentropfen in Intervallen am samstäglichen Herbstmarkt? «Da müsste es schon richtig schütten», meint er und ergänzt, er habe seine Stammkundschaft. Und die wolle einen Schirm von ihm, denn er habe eine Auswahl wie in keinem anderen Laden. Seit über 30 Jahren verkauft er Schirme. Früher habe man noch den Griff wählen können, und es gab Ersatzteile. Tempi passati. Der Schirm degenerierte zum Wegwerfartikel. Qualitätsunterschiede gebe es schon. Sepp Koller öffnet einen Knirps und lässt das Gestänge, einem Sturm nachempfunden, nach hinten knicken. Fiberglas! Das hält! Aber auch das komme aus China.

Regen nach Noten

«Chamer märte?», fragt Hedy Fischer. Ein Knirps mit Musiknoten drauf hat es ihr angetan. «Man kann schon, aber es nützt nichts», meint Sepp Koller. Zumal eine Preisanschreibpflicht bestehe. Sie hat bereits einen Schirm in der Hand, die Normal-Ausführung des Kleinen. Sie kauft den Knirps fürs Handtäschli und setzt ihren Marktrundgang nun mit zwei Schirmen, beide weiss mit schwarzen Musiknoten, fort. «Den grossen habe ich mal in Prag gekauft», sagt sie. Noten müssten drauf sein, schliesslich singe sie und spiele Gitarre.

Essen für alle Generationen

Der Schöftler Markt ist ein Stelldichein aller Generationen. Die kleinen Kinder ziehts zu den Spielwarenständen mit ihren grellen Plastikdingen. Und die Ballone mit neuen Sujets! Das setzts schon mal Tränen ab, wenn von Elternseite ein Nein kommt. Jugendliche habens mehr mit der Mode und ihren Accessoires. Es gibt gestrickte Kinderpullover zu bewundern. Beim Putzmittelhändler, der auch Schuhe putzt, darf man an der Wichse riechen. Gut riechen, das tun auch die Gewürze beim Händler «zum Scharfen Sultan».

Nicht auf bestimmte Generationen ausgerichtet sind die zahlreichen Stände, die Essbares feilbieten. «Mit Fleisch und Gemüse oder mit Gemüse und Fleisch?», lacht der Asiate an seinem Stand. Er geht auf individuelle Wünsche ein. Würste, Glühwein, Schoggifrüchte, Zuckerwatte, Hamburger, Hotdogs, Käse, Oliven, sogar ein Rossmetzger ist für das leibliche Wohl besorgt.