Schöftland

«Ein guter Kompromissvorschlag»: Der langjährige Kampf um die «Hegmatte»

Für René Kühni wären Bauten der Bahn auf dem Mühleareal (Hintergrund) ein Fehler.

Für René Kühni wären Bauten der Bahn auf dem Mühleareal (Hintergrund) ein Fehler.

Zum Beispiel René Kühni: Weshalb er die «Hegmatte»-Pläne des Gemeinderats Schöftland und der WSB unterstützt. Er sagt man soll sich darauf konzentrieren, wie sich Schöftland dank der «Hegmatte»-Kompromisslösung in der Zukunft positionieren kann.

Am nächsten Samstag, 5. September, findet die grosse Orientierungsveranstaltung des Gemeinderats Schöftland zum Thema «Hegmatte» und «Mühleareal» statt. Es geht um die von der Gemeindeversammlung 2018 beschlossene Teiländerung der Nutzungsordnung, die Anfang Jahr zur Mitwirkung aufgelegen war. Sie beinhal- tet die Überlagerung der «Hegmatte» mit einer Landschaftsschutzzone und sieht den etappenweisen Bau von Depot und Werkstatt für die WSB (heute AVA) vor, inklusive Gleisschlaufe von der Endstation her.

Über die Teiländerung entscheiden die Schöftler voraussichtlich im März 2021 an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung. Vorgängig, möglicherweise bereits an der Wintergmeind 2020, wird über die beiden Volksinitiativen entschieden, mit denen die ganze «Hegmatte» vor der Überbauung geschützt werden soll.

Aktuelle Vorlage sei guter Kompromissvorschlag

Der Kampf um die «Hegmatte» dauert nun schon Jahre. Es liegt in der Natur der Sache, dass in der Diskussion die Gegner der «Hegmatte»-Überbauung, die Kämpfer für die Rettung der 10 Hektaren Landwirtschaftsland, lauter waren und mehr gehört wurden.

Es gibt in Schöftland aber auch andere, die allerdings an den Versammlungen bisher in der Minderheit waren. Einer, der als Befürworter der «Hegmatte»-Überbauung durch seine versöhnlichen Töne auffällt, ist René Kühni, ehemaliger langjähriger FDP-Ortsparteipräsident. Er erklärt der AZ, warum er findet, man könne der Teiländerung zustimmen.

«Einen Plan, Kulturland zu überbauen, muss man immer hinterfragen», sagt René Kühni beim Treffen in Schöftland. Dass der 67-Jährige, dessen Firma Führungskräfte für Unternehmen sucht, eine grüne Ader hat, verraten auch seine Familienmitglieder: Seine Frau ist Doris Aebi, ehemalige GLP-Regierungsratskandidatin, sein Sohn Philippe Kühni ist GLP-Grossratskandidat und Wahlkampfleiter. Wenn es um Verlust von Kulturland gehe, müsse man abwägen, so Kühni. «Wenn ich die Karte von Schöftland ansehe, dann sticht die ‹Hegmatte› als das geeignetste Landstück für die AVA-Anlagen hervor. Sie ist im Norden und Süden bereits durch Siedlungsstreifen eingerahmt, und auf den anderen Seiten durch Suhre und Suhrentalstrasse begrenzt.»

Dass auf den 10 Hektaren im «Hegmatte»-Gebiet jetzt nur noch 2 Hektaren von der Bahn überbaut und entlang der Suhre eine Naturschutzzone gebildet werden sollen, findet Kühni einen guten Kompromissvorschlag des Gemeinderats – entstanden auch dank des Widerstands des Vereins «Pro Landschaftsschutzzone Hegmatte» gegen die gänzliche Umwandlung in ein Siedlungsgebiet. «Ob die kommenden Generationen das Land dann doch noch zu Siedlungsland machen wollen, müssen wir ihnen überlassen.»

«Ein Depot auf dem Mühleareal wäre ein Fehler»

Einen Ausbau des Depots am heutigen Standort (das dann bis ins Mühleareal reichen würde), lehnt Kühni ab. Er ist überzeugt: «Es wäre ein Fehler, das Depot dahin zu bauen.» Zuzüger kämen deshalb gerne nach Schöftland, weil der Ort gut gelegen und verkehrsmässig ordentlich erschlossen sei. Und weil er trotz des Wachstums ein attraktives Dorf mit Dorfkern und Einkaufsmöglichkeiten geblieben sei. «Wenn Schöftland attraktiv bleiben möchte, dürfen wir kein Bahndepot mitten ins Dorf bauen – so nahe der denkmalgeschützten Kirche. Stattdessen müssen wird das Mühleareal für Wohnraum und stilles Gewerbe nutzen. So könnten neue Wohnungen in nächster Nähe zum Dorfkern und Bahnhof entstehen.» Das hat René Kühni auch in seinem Betrag im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens geschrieben.

Was sagt Kühni zum Argument der Überbauungsgegner, mit der neuen BNO und den darin enthaltenen Verdichtungsmöglichkeiten stünde genügend potenzieller Wohnraum zur Verfügung? «Auf diese Baumöglichkeiten wird bereits und soll weiter zurückgegriffen werden», so Kühni, «aber wir wollen auch in Zukunft ein attraktives Dorf bleiben. Deshalb müssen wir das Mühleareal sinnvoll nutzen und die Möglichkeit für massvolles Wachstum langfristig erhalten.»

Auf die sachliche Ebene finden

Das Wichtigste bei der ganzen «Hegmatte»-Diskussion ist für den FDP-Mann aber ein sachlicher Umgang miteinander. Es sei gut, wenn man in einem demokratischen Prozess den eigenen Standpunkt verteidige, doch als im vergangenen November an einer Infoveranstaltung der Gemeinderat die Teiländerung vorgestellt habe, seien die Emotionen übergekocht. Überbauungsgegner hätten etwa den Gemeinderat als Lügner bezeichnet, weil dieser zwar die Überlagerung mit Landschaftsschutzzone erfüllte, aber immer noch die Bahnanlagen (zusammen mit AVA und Kanton) auf der «Hegmatte» bauen lassen wolle.

Er könne die Wut der Überbauungsgegner zwar einerseits nachvollziehen, «aber mit ewig dauernden Diskussionen auf der emotionalen Ebene kommen wir nicht weiter». Eher findet Kühni, dass man lassen solle, was in der Vergangenheit passiert sei, und sich darauf konzentriere, wie sich Schöftland dank der «Hegmatte»-Kompromisslösung in der Zukunft positionieren könne.

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