Weder die sanft geschwungenen Hügel noch die gemächlich dahin plätschernde Ruederche sind so bekannt, dass scharenweise Touristen den Weg ins Ruedertal finden. Und auch der Skilift in Walde hat seinen Betrieb längst eingestellt. Im «aargauischen Emmental», wie das Ruedertal auch genannt wird, gibt es weder einen See noch Viertausender. Auch eine einheitliche Vermarktung der touristischen Angebote im Tal existiert nicht, Unterkunftsmöglichkeiten sind ebenfalls rar. Das Ruedertal scheint ein Geheimtipp zu sein.

Und dies, obwohl im Tal touristische Angebote vorhanden sind: In Schlossrued gibt es beispielsweise den Erlebnisweg und ein Schloss, in Schmiedrued den Märliweg. Im Schmiedrueder Weberei- und Heimatmuseum kann man sich gut einen Nachmittag verweilen und Führungen durch die Schloss-Brauerei werden auch angeboten. Das Tal ist zudem Teil der Herzschlaufe, einer E-Bike-Route.

Man will keine Touristen-Scharen

Den Erlebnisweg bezeichnet die Schlossrueder Gemeinderätin Monica Riedo als Erfolgsstory: «Ohne dass wir amtliche Erhebungen durchgeführt haben, kann ich versichern, dass die Routen von vielen auswärtigen Leuten erwandert werden.» Auch Aargau Tourismus preist den Märli- und den Erlebnisweg an. Das Ruedertal wird dort als eigenwillig, markant und unübersehbar bezeichnet. Trotzdem: «Es wäre schön und wünschenswert, wenn noch mehr Leute den Wert unserer Landschaft und die Freizeitaktivitäten entdecken würden», sagt Monica Riedo. Denn das Ruedertal biete ideale Voraussetzungen für verschiedenste Unternehmungen.

Ginge es nach Marliese Loosli, Gemeindeammann von Schmiedrued-Walde, sollten die touristischen Angebote im Tal noch weiter ausgebaut werden: «Ein sanfter Ausbau mit einzelnen Projekten darf sicher gemacht werden, dies jedoch unter Rücksichtnahme auf unsere schützens- und erhaltenswerte Natur und Landschaft.» Ein Konzept brauche es dafür nicht, denn «das Individuelle hat auch seinen Reiz». Ganze Scharen von Touristen wolle man aber nicht ins Tal locken. «Wir möchten, dass sich die Leute angesprochen fühlen, die Ruhe und Natur suchen», sagt sie. «Unser Ziel ist es durch ein gutes und breites Angebot an kulturellen, kulinarischen und erlebnisreichen Anlässen bekannt zu werden.» Erst vor ein paar Monaten wurde deshalb auch in Schmiedrued eine Kulturkommission gegründet.

Der Schmiedrueder Gemeinderat hat schon Ideen, die umgesetzt werden könnten: Wanderrouten zu schönen Aussichtspunkten des Dorfes oder einen Schneeschuhtrail im oberen Ruedertal als Winteraktion. Auch ein Wellness- oder Erholungshotel kann sich Marliese Loosli vorstellen. Denn genau bei den Übernachtungsmöglichkeiten, die bis heute noch kaum vorhanden sind, sieht sie Ausbau-Potenzial: Bed and Breakfast-Angebote oder Pensionen müssten entstehen, um nicht nur Tagestouristen ins Tal zu locken.

Auch Monica Riedo hat ein Projekt im Kopf, mehr möchte sie dazu nicht sagen, nur so viel: «Vielleicht beginnt es mal mit ‹Sehr geehrte Jolanda Urech›.»

Regionalverband unterstützt

Dass das Ruedertal ein «grösseres touristisches Potenzial» hat, ist auch Rolf Buchser, Präsident des Regionalverbandes Suhrental, überzeugt. Der Verband würde die beiden Gemeinden unterstützen, um dieses Potenzial mehr auszuschöpfen – vorausgesetzt, das Finanzielle ist geregelt. Der Aufbau eines regionenspezifischen Marketings und der Ausbau der Zusammenarbeit mit Aargau Tourismus gehören zu den Aufgaben des Verbandes in der laufenden Amtsperiode. Zudem sollen auch durch die Einführung eines Regionalmanagements (Text rechts) Ressourcen im Marketingbereich geschaffen werden. «Ob sich dieses Engagement für die Region lohnt, kann erst in Zukunft beantwortet werden. Mit Bestimmtheit ist heute die Aussage richtig, wenn man sich nicht bewegt, findet auch keine Veränderung des Status quo statt», sagt er.