Schmiedrued

Ein ganzes Dorf wird digitalisiert – um den alten Grundplan zu ersetzen

Daniel Weber und Dominik Zbinden bei der Vermessung in Schmiedrued. iss

Daniel Weber und Dominik Zbinden bei der Vermessung in Schmiedrued. iss

1937 vermass man Dörfer mit Fünfmeterlatten – heute mit halb automatischen Geräten. Zurzeit wird das auch in Schmidrued getan. Bis 2016 soll die Katastererneuerung abgeschlossen sein.

«Ziel erfasst», sagt Trimble S6. Danach dreht sein Objektiv und folgt dem anvisierten Prisma. Es geht nur einen kurzen Moment, dann weiss Trimble S6 wie weit weg und in welchem Winkel er zum Objekt steht. «Innerhalb der Toleranz», bemerkt er dann.

Nein, was hier spricht, ist nicht, wie man meinen könnte, eine modernere Version des Roboters R2D2 aus «Starwars» oder eine neuartige Zieleinrichtung für ein Maschinengewehr, sondern ein ganz normaler Tachymeter (Erklärung Geometer-Vokabular im Kasten rechts). «Der motzt ziemlich oft», sagt Geomatiker Daniel Weber leicht genervt. Weber vermisst in diesen Tagen mithilfe des Trimble S6 das neue Fixpunktnetz von Schmiedrued. Zusammen mit Ingenieur-Geometer Dominic Zbinden geht Weber Punkt für Punkt ab. Ziel ist es, bis Februar 2016 mit der Katastererneuerung fertig zu sein. Die Angestellten von Bélat und Partner tun dies im Auftrag des Kantons Aargau.

Nötig ist die Katastererneuerung schon lange: Der Schmiedrueder Grundbuchplan stammt aus dem Jahr 1937. «Auf der digitalen Landkarte ist Schmiedrued zusammen mit Schlossrued quasi ein schwarzer Fleck», sagt Zbinden.

Mit Fünfmeterlatte von Ort zu Ort

Nicht nur, dass die Daten nicht digital vorhanden sind, die grafischen Pläne entsprechen nicht mehr den heutigen Standards, denn: Um 1937 wurden die Grundbuchpläne noch mithilfe von Theodolit, einem antiken Winkelmessgerät, und Fünfmeterlatte ausgemessen. «Immerhin erreichte man damit eine Genauigkeit von zwei bis fünf Zentimetern.» Ein Plan aus dieser Zeit sei lokal betrachtet relativ genau, je grösser aber das betrachtete Gebiet sei, umso grösser die Ungenauigkeiten, sagt Zbinden.

Heute ist das kein Problem mehr. Mit der Hilfe des Global Navigation Satellite System (GNSS) und Tachymeter braucht man nur noch wenige Fixpunkte um die Liegenschaften einer Gemeinde zu erfassen.

Zum Vergleich: Im Schmiedrueder-Katasterwerk von 1937 sind 1150 Fixpunkte verzeichnet. Bei der Katastererneuerung werden nur noch 200 benötigt. Zum Teil werden alte Fixpunkte übernommen, zum Teil neue gesetzt. «Kriterien dabei sind: Die gute Sichtbarkeit und wie dauerhaft der Fixpunkt installiert werden kann. Im Idealfall ist er zudem mit GNSS messbar», sagt Zbinden.

Die Pläne entzerren

Auch ein Teil der bestehenden Fixpunkte werden neu vermessen. Dadurch können die Verbindung zwischen alter und neuer Koordinate hergestellt und Ungenauigkeiten aufgedeckt werden. Stimmt die physische Position eines Fixpunktes nicht mit der grafischen Position auf dem Plan von 1937 überein, führt das zu «Spannungen», wie es im Fach-Jargon heisst.

Das Katasterwerk muss deshalb «entzerrt» werden. Das heisst nichts anderes, als dass die reale Situation im Feld und die Daten im Büro sich decken sollen. Dies ist einer der wichtigsten Arbeitsschritte bei einer Katastererneuerung, denn: «Das Ziel des Ingenieur-Geometers ist es immer, die Wirklichkeit so genau als möglich abzubilden.»

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