Kölliken
Ein «Freitags-Kafi», das sauer aufstösst

Der reformierte Kirchenpflegepräsident hat genug von den Beiträgen einer Atheistin im «bref».

Beat Kirchhofer
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Nein, Freude hat Matthias P. Müller, Präsident der Kölliker Reformierten, am Magazin «bref» der Landeskirche nicht. bkr

Nein, Freude hat Matthias P. Müller, Präsident der Kölliker Reformierten, am Magazin «bref» der Landeskirche nicht. bkr

«Bin ich in der reformierten Kirche richtig, wenn mir eine Atheistin in der neuen, sehr teuren Hochglanzpublikation der Landeskirche, sagt, was deren Kultur ist?» Fragt sich der Kölliker Kirchenpflege-Präsident Matthias P. Müller. Gemeint ist «Kafi Freitag». So heisst die Kolumne einer bekennenden Atheistin in dem seit Jahresbeginn zweiwöchentlich erscheinenden Hochglanz- magazin der Reformierten Aargau, das für 98 Franken im Jahr unter dem Titel «bref» abonniert werden kann.

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat beim für die Finanzen der Kirchgemeinde Kölliken zuständigen Müller ein Interview mit Kafi Freitag. So heisst nicht nur die Kolumne im «bref», sondern auch die Autorin. So steht ihr Name im Pass. Das Interview wurde letzten Samstag in der Sendung «Zwischenhalt» von Radio SRF ausgestrahlt. Das ist ein halbstündiges Format, welches sich Themen rund um die christliche Religion widmet und seinen Abschluss in den «Glocken der Heimat», diesmal mit jenen der christkatholischen Augustinerkirche in Zürich, findet.

«Frau der Stunde»

Begeistert sagte die Moderatorin: «Das reformierte Magazin bref geht neue Wege» und lädt die bekannte Bloggerin Kafi Freitag als Gastkommentatorin ein. Freitag sei die Frau der Stunde. Die mehrfach geschiedene Mutter sei «überzeugtes Nicht-Kirchenmitglied» und Atheistin. Was reformiert ist, davon habe sie keine Ahnung, dafür viel Lebenserfahrung und nehme «kein Blatt vor den Mund», sagt Freitag, die eine Kolumne bei «Watson» (einem Internetportal der AZ Medien) hat und dort beispielsweise erkläre, wie man Sex von Liebe trennen kann.

Im «bref» hat sich Kafi Freitag zur Ausschaffungsinitiative geäussert und den Reformierten als Atheistin im Wir-Ton die Leviten (Genesis 29,34) gelesen. «Unser Verständnis von Egalität kommt nur dort zum Tragen, wo es zu unserem Vorteil ist. Unsere angebliche Gleichheit vor Gott kann so lange bestehen, wie wir keinen Verlust erleiden, nicht teilen müssen und keinen Nachteil daraus erleben. Die Nächstenliebe verkommt zu einem Schwur, den man gern bei sonnigem Wetter ablegt und der die restlichen Tage im Kellerabteil lagert. Wie können wir unseren christlichen Werten gerecht werden und gleichzeitig fehlbare Mitmenschen ausschaffen lassen? Wer am Sonntag ein Ja in die Urne legt, sagt damit Nein zu den Werten der Schweizer Demokratie und des Christentums.»

Matthias P. Müller, ETH-Ingenieur mit Doktortitel und selbstständiger Unternehmensberater, sieht sich als liberalen Menschen, aber auch als reformierten Christen. «Die Wahrheit müsst ihr in Euch finden und nicht bei Gott oder in der Kirche», lässt sich Freitag zitieren. Dass eine solche Aussage und Grundhaltung in eine offizielle Publikation der reformierten Kirche einfliesse, sei nicht nur befremdlich, sondern gefährlich, stellt Müller fest. «Andere religiöse Organisationen sind sehr erfolgreich beim Fischen junger Leute. Dies, weil sie ihnen ein Fundament anbieten, ihnen klare Leitlinien liefern.» Nein, Fundamentalismus liege ihm fern. Aber er empfinde es als falsch, wenn die reformierte Kirche kein klares Bild mehr von sich selbst abgebe. Mühe hat er auch mit dem Beschluss der Synode (dem reformierten Kirchenparlament), den «Verkündigungsauftrag» zu streichen. Müller geht es nicht um «Missionieren.» Aber: «Wollen wir uns nicht mehr getrauen, unseren Glauben nach aussen kundzutun?»

Die Kirche vor Ort

Im Anschluss zum gehörten Interview griff Müller in die PC-Tastatur und erinnerte die Mitglieder der Kölliker Kirchenpflege daran, was eine Kirche vor Ort leistet: «Wir kümmern uns um die Senioren, spenden fürs HEKS, begraben unsere Mitbürger in allen Ehren ... laden alle zum Mittagessen nach der Kirchgemeindeversammlung ein ... besuchen Kranke im Spital ... Wollen wir unseren «Verein» aufrechterhalten oder diesen bachab gehen lassen?» Wolle man nicht zum Verein werden, «dann müssen wir klare Linien verfolgen, Grenzen setzen und uns positionieren».