Rickenbach LU

Ein Ehepaar investiert viel Geld in drei grosse Windräder auf dem Stierenberg

«Windräder sind eine gute Sache», sagt Bauer Roland Wismer. Im Hintergrund links steht der Mast für Windmessungen.

«Windräder sind eine gute Sache», sagt Bauer Roland Wismer. Im Hintergrund links steht der Mast für Windmessungen.

Priska und Roland Wismer haben grosse Pläne. Sie wollen oberhalb ihres Bauernhofes auf der luzernischen Seite des Stierenbergs drei Windräder errichten.

Der Windpark an der Grenze zum Kanton Aargau soll Strom für voraussichtlich rund 3000 Haushalte liefern. Das Besondere daran: Die Rickenbacher Bauernfamilie hat weder einen Stromkonzern noch andere Investoren im Rücken. Sie stemmen das Projekt bislang allein. «Es braucht die Energiewende», sagt Priska Wismer, die für die CVP im Luzerner Kantonsrat politisiert. «Wir wollen einen Beitrag dazu leisten.»

Das Projekt ist seriös aufgegleist. Seit Dezember 2015 steht ein 85 Meter hoher Mast am Stierenberg. Sensoren zeichnen seither auf der Höchweid die Windströme auf. «Wir können mit diesen Daten die erwartete Stromproduktion sehr genau abschätzen», sagte Roland Wismer vor einem Jahr beim Aufbau zur az. Die Chancen für gute Winddaten seien gut. «Der Stierenberg ist exponiert, hier weht häufig Westwind.»

Wismer hatte Recht: Der Wind bläst auf Nabenhöhe der geplanten Windräder mit über 5 Metern pro Sekunde über die Höchweid. Das zeigt das Windgutachten, das jetzt vorliegt. Die Windgeschwindigkeit entspricht dem langjährigen Mittel der letzten zehn Jahre. Errechnet wurde dieses mit weiteren Wetterdaten. «Die rund 5 Meter pro Sekunde sind etwas mehr, als wir erwartet haben», sagt Roland Wismer. Er sei zufrieden: «Es gibt genügend Wind für Windräder auf dem Stierenberg.»

120 Meter hohe Windräder

Ganz abgeschlossen sind die Windanalysen damit nicht. In der Zwischenzeit ist eine neue Generation Windräder auf dem Markt gekommen. «Diese liefern den doppelten Stromertrag», sagt Roland Wismer. Der Landwirt und seine Frau möchten deshalb diese Anlagen auf dem Stierenberg aufbauen. Dafür braucht es Nachmessungen in grösserer Höhe, denn die Masten dieser neuen Anlagen sind 120 statt 100 Meter hoch. Die Spannweite eines Rotorblattes beträgt 56 Meter.

Grund für die Höhe von 120 Metern ist auch der Abstand zu den Baumkronen. Priska und Roland Wismer möchten zwei Räder in einem Waldstück installieren, das dritte in Waldnähe. Diese provisorisch festgelegten Standorte seien nicht nur wegen der Windströme ideal: «Dort sieht man die Windräder am wenigsten», sagt Priska Wismer.

Windräder stossen oft auf Widerstand. So etwa in Kirchleerau und Kulmerau, wo sich eine Interessengemeinschaft gegen vier Windkraftanlagen der Centralschweizerischen Kraftwerke CKW formierte. Solch kritische Stimmen hören Priska und Roland Wismer kaum. Im Gegenteil. «Wir machen uns aber keine Illusionen: früher oder später kommen kritische Fragen», sagt Priska Wismer. Man wolle Bedenken ernst nehmen, bezüglich Natur- und Tierschutz etwa. Denn auf dem Stierenberg schwirren nachts Fledermäuse durch die Lüfte. «Wir werden dies analysieren und bei Problemen das Windrad während der Flüge der Fledermäuse abschalten», so Roland Wismer.

Familien- statt Konzernprojekt

Ein möglicher weiterer Grund für die positiven Reaktionen: Anders als in Kirchleerau und Kulmerau steht eine Bauernfamilie aus dem Dorf hinter dem Projekt und kein Stromkonzern. Die Familie Wismer möchte zudem die Bevölkerung am Gewinn des Windparks beteiligen. Die Rede ist von einem Bürgerwindrad: Interessierte können per Darlehen in das Projekt investieren und erhalten dafür einen Zins. «Die Bevölkerung lebt mit den Windrädern und soll deshalb von ihnen profitieren», erklärt Priska Wismer. Beteiligten könne man sich bereits jetzt, dies auch mit kleineren Beträgen ab 500 Franken. «Wir kommen nun in eine Phase, in der wir Geld brauchen.»

Wer jetzt einsteigt und das Risiko eines möglichen Scheiterns des Projekts mitträgt, erhält einen doppelt so hohen Zins. «Wenn wir bauen können, wird es Gewinne geben», sagt Priska Wismer. «Der Businessplan geht auf.»

Auf dem langen Weg zum geplanten Windpark liegt jedoch noch ein grosser Stolperstein: Die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV), über die der Bund alternative Energien fördert. Es gibt mehr Projekte als Geld, die künftige Finanzierung ist noch nicht geklärt. Ohne KEV-Gelder kann die Familie Wismer die Windräder nicht bauen.

Roland und Priska Wismer gehen deshalb ein Risiko ein. Auch finanziell. Das Geld, das sie bislang in ihr Projekt investiert haben, konnten sie jedoch zum grossen Teil selber erwirtschaften: Es stammt vom Gewinn von zwei Photovoltaikanlagen, die Strom ins Netz einspeisen. Zudem ist viel Herzblut dabei. «Ich bin hier aufgewachsen und dachte schon immer: Ein Windrad wäre eine gute Sache», sagt Roland Wismer. Das Projekt sei zudem spannend und eine grosse Herausforderung. Priska Wismer: «Wir staunen manchmal selber ob unserem Mut.»

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