Reitnau
Ein Dorf in den Startlöchern für das Bergrennen

Am Sonntag, 30. Juni, findet das 48. Bergrennen Reitnau statt – es ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Nirgends sind die Rennwagen für die Zuschauer so zum Greifen nahe wie hier. Und Reitnauer stellen ihre Garagen als Rennställe zur Verfügung.

Nina Amann
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An der Startlinie wird vor jedem Lauf die Schweizer Fahne geschwungen: OK-Leiter Thomas Kohler ist bereit für das Bergrennen Reitnau.Annika Bütschi

An der Startlinie wird vor jedem Lauf die Schweizer Fahne geschwungen: OK-Leiter Thomas Kohler ist bereit für das Bergrennen Reitnau.Annika Bütschi

Noch ist die Idylle im 1200-Seelendorf Reitnau intakt. Die Kühe grasen auf den Wiesen, die Kirchenglocken läuten, es riecht nach Bergluft.

Doch am Sonntag 30. Juni wird sich Reitnau in einen Schauplatz für schnelle Autos, adrenalinsüchtige Rennfahrer und Anziehungsmagnet von 12 000 Zuschauern verwandeln: Das 48. Bergrennen Reitnau steht vor der Tür.

«Wir sind startklar», sagt OK-Leiter und Geschäftsführer der Sektion Mitte vom Automobil Club der Schweiz (ACS) Thomas Kohler. Er betrachtet die Gummispuren am Start der 1,6 Kilometer langen Rennstrecke.

Zwischen zwei Bauernhäusern hat die Startlinie einen permanenten Platz auf der Bergstrasse und muss so nicht jedes Jahr neu gemalt werden – das zeige, wie bedeutungsvoll das Rennen für die Reitnauer ist. «Es ist eine grosse Belastung für das Dorf, aber die Reitnauer sind stolz auf ‹ihr› Bergrennen», sagt Kohler.

Rennen direkt im Dorf

Das Bergrennen Reitnau des ACS Mitte ist in vielerlei Hinsicht speziell: Nirgends sind die Rennwagen für die Zuschauer so zum Greifen nahe wie hier. «Es ist einzigartig, dass ein Bergrennen direkt im Dorf und nicht ausserhalb stattfindet», sagt Kohler.

Reitnauer stellen ihre Garagen und Hausplätze als Rennställe für die Fahrer zur Verfügung. Ein weiteres Merkmal des Rennens sei die ausserordentlich kurze Strecke. Die hat es aber in sich: Wenige Meter nach dem Start kommt schon die erste Kurve. «Nur wem die gelingt, der hat eine Chance zu gewinnen», erklärt Kohler.

Danach jagen die Rennfahrer mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde den Berg hoch, vorbei an Zuschauerwiesen. Zu einem echten Bergrennen gehören anspruchsvolle Kurven, die dem Fahrer alles abverlangen.

Nach halber Strecke schiessen die Boliden wie aus dem nichts raus in Richtung Schützenhaus. Leitplanken verhindern, dass nicht – wie auch schon – Fahrer hineinrasen. Gleich nach dem Schützenhaus kommt die Schikane.

«Wir müssen die Fahrer hier bremsen, sonst werden sie zu schnell», sagt Kohler. Nach der Schikane beschleunigen die Fahrer wieder und passieren ein Waldstück: «Hier muss man wegen des Wechsels von Licht zu Schatten konzentriert fahren.»

Noch eine Kurve, dann sind sie im Ziel beim Grüterhof. Die Schnellsten brauchen für die gesamte Strecke rund 50 Sekunden.

230 Fahrer, 850 Rennläufe

Am 30. Juni wird alle zehn bis zwölf Sekunden einer der 230 Fahrer starten (siehe Box), mit den Trainingsrunden wird so 850 Mal die Schweizerfahne geschwungen – das typische Zeichen für den Start eines Laufes an Bergrennen. Nach jeweils 50 Läufen wenden die Fahrer und kehren im Konvoi ins Dorf zurück.

48. Bergrennen Reitnau

06.45-11.00 Uhr:
Training für alle Fahrer
08.30 Uhr: 1. Lauf für Rennfeld 5
10.20 Uhr: 2. Lauf für Rennfeld 5
11.00-11.45 Uhr:
Gottesdienst auf der Rennstrecke
12.00-12.40 Uhr:
Training für Rennfelder 3 und 4
12.40-16.55 Uhr:
1. und 2. Rennlauf für Felder 1-4
Ca. 18 Uhr:
Siegerehrung im Festzelt

Das Bergrennen Reitnau zieht schon lange Rennsportbegeisterte aus der ganzen Schweiz an. Seit 2006 wird auch um Punkte in der Schweizer Meisterschaft gekämpft. Erneut sind dieses Jahr auch internationale Fahrer am Start.

In Reitnau will man den Tag im Jahr, an welchem in Reitnau Benzingeruch in der Luft liegt, soll für Zuschauer und Fahrer unvergesslich machen. Kohler freuts: «Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass wir jährlich einen derart grossen Anlass in einem ruhigen Dorf wie Reitnau durchführen dürfen.»