Alles, was noch verwendet werden kann, benutzen wir weiterhin. Ersetzt wird nur das Nötigste.» Nach diesem Grundgedanken wurde in Staffelbach in den vergangenen zwei Jahren ein 466 Jahre altes Hochstudhaus saniert. Der Kernbau des Gebäudes stammt aus dem Jahre 1552, der jüngere Umbau aus dem Jahre 1744. Im Herbst 2015 hat die Bauherrschaft das Haus am Mühleweg 22 erworben, diesen Mai war nach einer längeren Planungszeit und einjähriger Bauzeit der Einzug.

Entstanden ist ein Bijou, das Erinnerungen an alte Zeiten wachhält: Der Sandsteinboden in der Küche wurde im Rahmen der Sanierung ausgebaut und originalgetreu wieder verlegt, das Täfer in der «guten Stube» stammt von 1744 und im Obergeschoss verleihen die rauchgeschwärzten Balken und Bolenwände dem Haus Charakter. Stehen geblieben ist die Zeit im Haus deswegen aber nicht. Seit der Sanierung hat das Haus eine Innendämmung aus Schafwolle und Isoflock. Isolierverglaste Sprossenfenster mit gezogenem, sogenanntem Goete-Glas reflektieren das Licht, sodass sie silbern glänzen. So wird mit einer alten Holzkonstruktion fast Minergiestandard erreicht. «Das Schöne ist, dass dieses Haus als Wohnhaus genutzt wird und nicht als Museum», sagt Kantonsarchäologe Georg Matter, der das Objekt, das von der Denkmalpflege des Kantons Aargau betreut wird, begleitet.

Stabil für weitere Jahrhunderte

Geheizt wird im Hochstudhaus mit einem Kachelofen. Im Winter zieht die Wärme aus dem Wohnzimmer über einen Schieber ins darüber liegende Schlafzimmer. Der Kachelofen stammt nicht original aus dem Haus in Staffelbach, sondern aus einem vergleichbaren Haus, das aber abgerissen worden ist. «Das gehört leider zu unserem Tagesgeschäft», sagt Georg Matter, «wir untersuchen und dokumentieren unter anderem alte Häuser. Meist müssen wir dann aber zusehen, wie sie einem Neubau Platz machen.» Umso mehr freut ihn, dass in Staffelbach das Hochstudhaus von «s’Mööslis» gerettet werden konnte. Zuletzt wohnte Jakob Hürzeler in diesem Haus, in dem er auch geboren worden ist.

«Für uns ist es wichtig, dass die Bausubstanz wieder stabil ist, damit das Haus die nächsten Jahrhunderte stehen bleiben kann», sagt die Bauherrschaft. Dafür wurden die originalen Bauteile möglichst belassen, mit vorhandenem Altholz saniert und nur wo unbedingt nötig das Original mit neuem Weisstannenholz rekonstruiert. Beispielsweise beim Haupt-Hochstud. Auf diesem ruht das Dach. Der Holzpfeiler war unten faul und von Ameisen zersetzt. Ein spezialisiertes Handwerksunternehmen aus dem Emmental hat das verfaulte Holz abgesägt und ersetzt. Wo der Schnitt durchgeht, ist sehr schön im Tenn, dem heutigen Atelier, zu sehen: oben das dunkle, 466 Jahre alte Holz, unten das helle, eingefügte Holz. Auch im Wohnraum wechseln sich helle und dunkle Hölzer ab. Gar nicht dunkel ist hingegen die Wohnstube selbst. Die Räume sind lichtdurchflutet und mit einem Mix aus modernen und traditionellen Möbeln eingerichtet.

Mit lokalen Handwerkern

Das Hochstudhaus stand beim Kauf im Jahr 2015 lediglich unter Ortsbildschutz. Der Denkmalschutz wurde von der Bauherrschaft beantragt. Dadurch steht das Haus nun unter dem Schutz des Kantons Aargau. Als Kulturerbe werden für das Haus die beantragten Fördermittel gesprochen. Sie decken einen Teil der Mehrkosten, beispielsweise bei den rekonstruierten Sprossenfenstern im Wohnzimmer. Die Aargauische Denkmalpflege beteiligt sich mit 20 Prozent daran. Es seien auch innovative Lösungen möglich, betont Georg Matter. So sei der Vorschlag, auf der Nordseite grosse Glasfenster einzubauen und mit Holzjalousien zu verkleiden, von der Denkmalpflege gekommen. «Das Haus soll ja auch sinnvoll bewohnbar sein», so Matter. Im Umbauprozess achtet die Bauherrschaft darauf, dass sie, wenn möglich, lokale Handwerker berücksichtigen kann. Und auch auf die Unterstützung des bewirtschaftenden Bauernbetriebes kann gezählt werden: Vater Bernhard Hunziker und Sohn Martin sind immer hilfsbereit zur Stelle.

Das Ziel war, die Renovation und den Umbau des Hochstudhauses im Kostenrahmen eines konventionellen Einfamilienhauses mit der Unterstützung einer lokalen Bank zu realisieren. «Mit den richtigen Projektpartnern an der Seite, Eigenleistung und der nötigen Portion Glück sollte dies gelingen», ergänzt Kantonsarchäologe Georg Matter. Die Unterstützung der Denkmalpflege, eine gute Architektin und gute, situativ handelnde Handwerker haben das Ihre zu diesem Projekt beigetragen.