Das Konzert ist eine Sache, die Verabschiedung der beiden Chor-Dirigenten nach 30 Jahren und damit das (vorläufige?) Ende der Formation eine andere. Beides geht ans Herz. Zumindest beim Konzert in der Kirche ist aber keine Trauerstimmung auszumachen.

Der Chor begeistert mit Highlights aus den vergangenen 30 Jahren. Hansjörg Heule und Hansueli Biderbost, die den Chor 30 Jahre unentgeltlich geführt haben, bieten mit den Sängerinnen und Sängern Ohrwürmer, aber auch Unbekannteres wie das Bündner Lied «Es hed es Schneeli gschniet».

Unterschiedliche Temperamente

Die beiden Dirigenten sind auch Sänger: Wenn der eine dirigiert, singt der andere im Chor mit. Sie bringen auch unterschiedliche Stücke mit und sorgen damit für ein breites Repertoire.

Das wird von Publikum und Sängern geschätzt. Heule begleitet am weissen Klavier, derweil Biderbost stehend dirigiert. So bringt der Chor denn zarte und melancholische Lieder zu Gehör, aber auch wuchtige, ja pompöse wie «Conquest of Paradise». Oder das süffige «Mary’s Boychild», eines von vier Liedern, die in 30 Jahren viermal im Programm figurierten.

Flöte und Akkordeon

Barbara Heule (Querflöte) und Angela Cuda (Akkordeon) bereicherten bereits zum 10. Mal das Konzert des Ad-hoc-Chors Suhrental. Sie spielten vornehmlich lüpfige Weisen, darunter eine Tarantella, und als Zugabe gabs noch einen Tango. Den letzten für den Chor? Der Chor hat in seiner Geschichte über 250 Lieder einstudiert und in sieben Sprachen gesungen. «Uno spirito nuovo» sang er am Sonntagabend. Ein neuer Geist für einen neuen Chor unter neuer Leitung? Hansjörg Heule stülpte sich für ein ironisches Lied über den Genuss von «Zimt und Zuckerguss» eine Samichlausenmütze über den Kopf und verteilte Süssigkeiten.

Standing Ovations

Was ist ein Weihnachtskonzert ohne «Stille Nacht»? Der Chor liess das Publikum die Hauptmelodie singen und setzte mit einer Gegenmelodie ein. Eine überaus stimmungsvolle Sache. Biderbost zeigte sich berührt von der Standing Ovation in der Kirche. Der Lohn: Das Publikum kann die Zugabe wünschen. «Halleluja», tönts aus der Menge, und zur zweiten Zugabe, dem Gospelsong «This little light of mine», musste niemand zum Mitklatschen aufgefordert werden. Die Zuhörer hatten nicht genug, und mit dem meteorologisch passenden «Es hed es Schneeli gschniet» entliess der Chor sie auf den Heimweg.

Grosse Dankbarkeit

Im Restaurant Bahnhof, dem Stammlokal des Chors, wirds nach dem Essen samt Vacherin-Torte zum Dessert ernst. Heidy Lüthy bedankt sich bei den beiden abtretenden Dirigenten für ihre gewaltige Arbeit mit einem reich (auch mit Barem) geschmückten Tännchen: ein bleibendes Geschenk. Die beiden zum Weitermachen zu überzeugen, hätten sie probiert, doch nütze alles nichts. Und eigentlich ist allen klar: Man muss aufhören, wenns am schönsten ist. Biderbost beschwört nochmals Präsenz und Volumen am heutigen Konzert. Standing Ovations im Säli des «Bahnhöfli» erneut, auch für Heidy Lüthy, de-facto-Präsidentin, Organisatorin und guter Geist einer Vereinigung, die kein Verein ist. Esther Steffens launiger Rückblick in teils gereimter Form weckt Erinnerungen und treibt das Wasser in etliche Augen. Man erinnert sich an spontane nächtliche Gesangseinlagen ohne Reklamationen.

Hoffnung nicht aufgeben

Am einzigen reinen Männertisch im Säli des Bahnhöflis will man die Hoffnung auf ein Weiterleben des Vereins nicht aufgeben. Zumal die Frau eines Sängers selber Chöre leitet. Dieser Chor, meint einer, bringe Regionen an einen Tisch. In der Tat: Die aktuell rund 40 Sängerinnen und Sänger kommen aus dem Suhrental, aus dem Wynental, ja aus dem Bezirk Lenzburg, und auch schon Fricktaler hätten mitgemacht. Und jetzt soll alles fertig sein? Noch ist nicht aller Tage Abend: Heidy Lüthy lädt mit handgeschriebener Karte und Schoggiherz auf dem Couvert auf den 28. März ab 19.30 Uhr ins Bahnhöfli Muhen ein, «wenn du magst».