Unterkulm
Ein 8-Tonnen-Dach zur Geisterstunde: Sogar die Bahn stand still

In der Nacht auf heute Freitag haben Metallbauer ein Dach für die Haltestelle Zentrumsplatz in Unterkulm angeliefert und mit grösster Präzision montiert. Trotz dem immensen Gewicht und der Grösse der Teile passte alles wie ein Puzzle.

Peter Siegrist
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Um den Bahnverkehr nicht zu behindern, wurde bei Nacht gearbeitet.

Um den Bahnverkehr nicht zu behindern, wurde bei Nacht gearbeitet.

Zur Verfügung gestellt
Nachtarbeiten an der WSB-Haltestelle in Unterkulm

Nachtarbeiten an der WSB-Haltestelle in Unterkulm

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Wenn die Bahn baut, ist das häufig während der Nacht. Jüngstes Beispiel ist der Antransport des Perrondachs für die neue Haltestelle der WSB beim Zentrumsgebäude in Unterkulm. «Solche grossen Bauarbeiten in Geleisenähe können wir aus Betriebs- und aus Sicherheitsgründen nur nachts ausführen», erklärt Projektleiter Infrastruktur Thomas Steffen.

Kurz vor 23 Uhr trifft der von der Kantonspolizei begleitete Schwertransporter aus Oberentfelden in Unterkulm ein. Auf dem Tieflader festgezurrt ist das neue Perrondach mit den stattlichen Massen von 14,7 Metern Länge und 4,7 Metern Breite.

Als der Chauffeur das grosse Gefährt dann problemlos rückwärts um das Bezirksgebäude zur Baustelle manövrierte, staunen die wenigen Zuschauer auf dem Platz ein erstes Mal.

Lösen und an den Kran hängen

Die Mitarbeiter der Firma Hunkeler und Hediger Metallbau AG lösen unmittelbar nach der Ankunft die Leinen. Der bereits fest positionierte Pneukran senkt seinen Haken und die Männer können die vier Kettenenden an den dafür vorgesehenen Stellen festmachen.

Sachte hebt der Kran die acht Tonnen schwere Last an. Der Chauffeur kann mit seinem Gefährt wegfahren, er hat seine Aufgabe mit Bravour gelöst.

Das nun schwebende Dach wird mit Leinen seitlich festgemacht, damit es sich nicht drehen kann. Jetzt gilt es, abzuwarten.

«Sobald der letzte Zug um 0.40 Uhr die Baustelle passiert hat», erklärt Steffen, «wird die Fahrleitung in diesem Abschnitt ausgeschaltet und geerdet.» Man habe zwar genügend Abstand von dem Geleise, aber bei Arbeiten in Fahrleitungsnähe werde diese aus Sicherheitsgründen immer stromlos geschaltet. «Die Last könnte ja ins Schwingen kommen, und schon würde es kritisch», sagt Steffen. Kaum hat der letzte Zug passiert, meldet die Leitstelle, dass kein Strom mehr fliesst.

Die Spannung auf dem Platz steigt. Für die Metallbauer kommt jetzt die Stunde der Wahrheit. In wenigen Minuten wissen sie, ob das Dach auf der Ostseite genau auf die bereits einbetonierten Pfosten passt.

Präzisionsarbeit, es passt perfekt

Langsam hebt der Kranführer die Last an und schwenkt in Richtung Perron. Mit langen Leinen drehen die Metallbauer das Dach um 90 Grad. Dann erhält der Mann im Kran das Zeichen zum Absenken. Da staunen viele auf dem Platz zum zweiten Mal.

Langsam und präzise senkt sich das Dach auf die Pfosten zu. Das Ganze ist vergleichbar mit einer Schranktür, die über drei Scharniere eingehängt wird. «Noch ein bisschen absenken», ruft einer, und dann das erlösende «es passt perfekt!». Die Monteure schrauben das Dach sofort fest.

In den nächsten Wochen werden die bahntechnischen Installationen montiert, die Umgebung wird angepasst, der Platz geteert. Im April wird alles fertig sein. «Wir sind froh, den Kunden endlich ein Dach über dem Kopf anbieten zu können», sagt Direktor Mathias Grünenfelder.