Kölliken/Schöftland

Eigentlich war er Grafiker – Feuerwehrinstruktor aus Aarau gab Gas als Zivilschutzchef

Albin Seiler lässt sich nach 18 Jahren als Zivilschutzkommandant Suhren- und Uerkental frühzeitig pensionieren.

Albin Seiler lässt sich nach 18 Jahren als Zivilschutzkommandant Suhren- und Uerkental frühzeitig pensionieren.

Sein Engagement in der Feuerwehr Aarau diente ihm Sprungbrett zum Zivilschutzkommandanten. Kommandant Albin Seiler geht nach 18 Jahren mit vielen Veränderungen vorzeitig in Rente. Seiner Pensionierung sieht er mit Respekt entgegen.

Die guten ins Kröpfchen, die schlechten – in den Zivilschutz. Während Jahrzehnten galten die Zivilschutzorganisationen als Sammelbecken für untaugliche oder ausgemusterte Militärpflichtige. Dies gehört inzwischen der Vergangenheit an. Zivilschützer sind Profis für Katastropheneinsätze und mit entsprechendem Material ausgestattet.

Wenn die Zivilschützer aus Suhren- und Uerkental heute besser für ihre Einsätze gerüstet sind, dann ist dies vor allem ihm zu verdanken: Kommandant Albin Seiler, 63 (Bild). Nach 18 Jahren an der Spitze übergibt er das Kommandantenkäppli dem Nachfolger und tritt Ende März in den vorzeitigen Ruhestand. Unter seiner Führung erlebten die Zivilschutz-Kurse eine erhebliche Qualitätssteigerung. Er schaffte es, das Nebeneinander von Zivilschutz und Feuerwehr in ein Miteinander zu wandeln. Hatte den Mut, altgewohnte Verhältnisse anzuzweifeln und neu zu ordnen. Am Anfang sei dazu viel Überzeugungsarbeit nötig gewesen, sagt er.

Er begann beim «Tagblatt»

Den Autoritätsmann mit breiter Schulter und strenger Stimme, den man hinter diesen Leistungen erwarten könnte, trifft man im Kommandantenbüro in Kölliken nicht an. Elegant und bedächtig wirkt Seiler beim Gespräch, entschuldigt sich gar für die bescheidene Einrichtung seines Büros.

Bei der Wahl seiner Stifti deutete noch wenig auf den späteren Berufsweg des Aarauers hin. Beim damaligen Aargauer Tagblatt lernte er einen grafischen Beruf. «Das war Mitte der Siebzigerjahre, sozusagen noch zu Gutenbergs Zeiten», sagt er und lacht. «Am Abend hatten wir jeweils Bleispuren an unseren Händen.» Irgendwann habe sich abgezeichnet, dass der Beruf aufgelöst wird. Umdenken war angebracht. Und das tat Seiler im grossen Stil.

Es war sein Engagement in der Feuerwehr Aarau, das ihm als Sprungbrett zum Zivilschutzkommandanten im Jahr 2000 diente. Schon manches Jahr war er dabei, war Feuerwehrinstruktor mit Dienstwohnung im Feuerwehrmagazin an der Erlinsbacherstrasse, als er, bald 45, seinen Milizjob zum Beruf machen wollte. «Mit dem Team in den Einsatz gehen, Menschen helfen, das alles habe ich mit Leidenschaft gemacht. Einfach nur um 8 Uhr ins Büro gehen und um 17 Uhr wieder nach Hause, das wollte ich nicht weiter.»

Rascher alarmieren

So wurde er Kommandant der damaligen Zivilschutzorganisation Uerkental. Gleich nach Amtsantritt festigte er das Verhältnis zwischen Feuerwehr und Zivilschutz – eine Pionierleistung. «Früher pflegte jede Organisation ihr eigenes Gärtchen», sagt Seiler. Er setzte sich zum Ziel, dass die Feuerwehr schneller als früher die Hilfe des Zivilschutzes anforderte. «Niemandem bringt es etwas, wenn die Feuerwehrleute bis zur Erschöpfung gegen die Natur kämpft und die Zivilschützer ahnungslos zu Hause rumsitzen», sagt der ehemalige Feuerwehrmann.

Dazu mussten Seilers Leute entsprechend anspruchsvolleres Training erhalten. «Der Zivilschutz trainiert seine Leute, um für den Ernstfall gerüstet zu sein und nicht zur reinen Beschäftigung», so Seiler. Der Ernstfall, das sind Überschwemmungen, Pandemien, Stürme. «Ausserdem muss die Feuerwehr wissen, innert welchem Zeitrahmen sie wie viele von uns mit welchem Material erwarten können.»

330 Untergebene

2014 musste er den Zusammenschluss der beiden Organisationen Suhrental/Uerkental umsetzen. 330 Zivilschützer aus 16 Gemeinden sind ihm heute unterstellt. Das neue Gebiet ist weitläufig, «aber es ist zu bewältigen», sagt Seiler. Trotzdem, unterschätzen dürfe man die Distanzen nicht: «Von meinem Kölliker Büro fahre ich gute 20 Minuten nach Reitnau oder Schlossrued – fast gleich lange wie nach Zürich.»

Katastrophe wie im Fernsehen

Wie diese Herausforderung gemeistert wird, konnte er zuletzt nach den Unwettern vom Juli 2017 beweisen. Schnell musste das Drehbuch im Kopf abspulen, obwohl die Katastrophenbilder auch ihm zusetzten: «Ich erschrak riesig, als ich am Abend nach der Überschwemmung ins Uerkental kam: Es war ein Katastrophengebiet, wie man es sonst nur im Fernsehen sieht.

Seiner Pensionierung sieht Seiler mit Respekt entgegen. Nicht aus Mangel an Beschäftigungsideen, sondern der symbolischen Bedeutung wegen. «Ich bin dann offiziell im dritten Lebensabschnitt – danach gibt es keine weiteren mehr.»

Ideen für weitere Verbesserungen hat Seiler immer noch auf Lager. Das Alarmierungssystem des Zivilschutzes etwa, «das könnte verbessert werden, um Zivilschützer in noch kürzerer Zeit aufzubieten.»

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