Gontenschwil

Ehemalige Alu-Giesserei wird zur legalen Hanf-Farm

Rund ein Viertel der total 31550 Quadratmeter ehemalige Fabrikationsfläche ist bereits wieder vermietet. Rahel Plüss

Rund ein Viertel der total 31550 Quadratmeter ehemalige Fabrikationsfläche ist bereits wieder vermietet. Rahel Plüss

Mindestens drei neue Mieter in den AMG-Hallen produzieren CBD-Hanfware. Kaum eine andere Branche wächst derzeit so schnell wie das Geschäft mit dem legalen Hanf. Die Konkurrenz ist gross.

Die neue Nutzung der ehemaligen Alugussfabrik in Gontenschwil schreitet voran. Neben einem Fitnessstudio, IT-Dienstleistern, einem Schlafsystem-Anbieter oder einem Garten- und Metallbauer ziehen in die stillgelegten Hallen der Alu Metall Guss AG (AMG) jetzt Mieter ein, wie man sie im oberen Wynental so noch nicht kennt.

Anja Vaas (28), Tochter des Inhabers Georg Vaas und seit Mai Geschäftsführerin der AMG-Immo AG, hat mit mindestens drei Parteien Verträge abgeschlossen, die in der Produktion von Hanfwaren tätig sind. Und das ganz legal. Denn das Gras, das hier gezüchtet wird, enthält weniger als ein Prozent THC (Tetrahydrocannabinol). Darum macht es nicht high. Und darum ist es erlaubt.

Am meisten bekannt ist über zwei Trienger, die gerade eine Firma zur Herstellung und Handel von Cannabisprodukten gegründet haben. Auf Anfrage der AZ erklären die beiden, was sie planen. Kaum eine andere Branche wächst derzeit so schnell wie das Geschäft mit dem legalen Hanf. Die Konkurrenz ist gross, das ist den beiden Newcomern, die sonst in der Pflege beziehungsweise als Handwerker tätig sind, sehr wohl bewusst. Darum wollen sie auf Qualität setzen, auf konsequent biologischen Anbau und stetige unabhängige Kontrollen ihrer Hanfblüten.

Noch ein Feierabendgeschäft

Ihr Unternehmen steckt noch in den Kinderschuhen. «Ein Start-up eben», wie sie sagen. Vorderhand ist die Hanf-Farm für die zwei Trienger ein Feierabendgeschäft, verbunden mit viel Handarbeit. Es gibt zwar Erntemaschinen, doch davon sind die beiden noch weit entfernt. Im Moment sind sie dabei, von den Mutterpflanzen Stecklinge zu ziehen. Wann sie ein erstes Mal mit einer Ernte rechnen können, ist noch offen. Zuerst müssen die Jungpflanzen gedeihen. Je nach Sorte dauere es danach acht bis zwölf Wochen, bis die Hanfblüten pflückbereit seien, erklären die Hanfzüchter.

Cannabisprodukte mit einem tiefen THC-Gehalt werden wegen des Stoffs Cannabidiol (CBD) konsumiert – eines nicht psychoaktiven Wirkstoffs, der Krämpfe lösen, Schmerzen lindern oder allgemein beruhigen soll. Die Wirkungsweise ist aber noch wenig erforscht. Trotzdem: Der Verkauf des legalen Hanfs boomt.

Industriehallen wiederbeleben

Bekommt ihr Business Fahrt, wollen die zwei Trienger ganz dick einsteigen: «Es ist schon unser Ziel, einmal davon leben zu können.» Platz zum Expandieren ist in Gontenschwil jedenfalls genug vorhanden. Die ehemaligen Fabrikationshallen der AMG umfassen rund 31 550 Quadratmeter. Bis jetzt hat Anja Vaas rund einen Viertel der Fläche vermietet. Das grosse Ziel der AMG-Geschäftsführerin ist, die Hallen wieder mit Leben zu füllen und Arbeitsplätze ins Dorf zurückzuholen, wie sie gegenüber der AZ schon früher sagte.

Die AMG war einst der grösste Arbeitgeber in der Gemeinde. Bis vor gut einem Jahr sind hier Metallgussteile produziert worden. Bereits im Mai 2015 wurde bekannt, dass die Firma ihr Werk in Gontenschwil nach über 100 Jahren schliessen und aus Kostengründen nur noch auf seinen Standort in Rumänien setzen wird. Betroffen waren rund 60 Mitarbeiter. Am 21. Oktober 2016 schloss dann der Betrieb für immer seine Tore.

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