Herr Haller, überraschend wurden Sie in den Grossen Rat gewählt. Wem verdanken Sie Ihren Wahlerfolg?

Rolf Haller: Gott und natürlich den zahlreichen Wählern innerhalb und ausserhalb der EDU.

Sie sind Bezirksrichter, davon müssen Sie nun Abschied nehmen, weil diese Tätigkeit nicht vereinbar ist mit Ihrem neuen Amt. Traurig?

Wir haben ein sehr gutes Einvernehmen am Bezirksgericht, da schmerzt es schon. Nach zwölf Jahren im Gericht werde ich sicher eine Lücke hinterlassen.

Warum der Sprung in die Politik?

Ich will in Aarau ein Licht sein. Anders sein als gewisse andere Politiker. Bei mir sollen die Leute wissen, woran sie sind.

Was heisst «ein Licht sein»?

Gott sagt, wir Christen sollen Salz und Licht sein in dieser Welt. Ehrlich sein, hart und klar in der Sache, nicht aber gegen die Menschen, diese sollen wir achten.

Nehmen Sie die Bibel mit ins Parlament?

Wenn sie Platz hat schon. Sicher trage ich sie stets im Herzen.

Bei Ihrer Wahl zum Bezirksrichter sind Sie mit Aussagen über den Islam schweizweit als religiöser Fundamentalist in die Schlagzeilen geraten.

Ich war damals unerfahren im Umgang mit der Presse und auch noch jung. Ich habe aus meinen Fehlern gelernt.

Wofür wollen Sie sich als Politiker einsetzen?

Familien-, Ausländer-, Energiepolitik und für den Bezirk.

Sie vertreten ein konservatives Familienbild.

Kinder sollen möglichst nicht auswärts betreut werden. Sie sollen Mutter und Vater um sich haben. Das soll der Staat unterstützen.

In der Bibel steht auch, dass vor Gott alle Menschen gleich sind. Wie lässt sich das mit der ausländerfeindlichen Migrationspolitik der EDU vereinen?

Wir sind nicht ausländerfeindlich. Wir wollen den Missbrauch bekämpfen. Ausländer, die sich integrieren, sind willkommen. In unserer Firma arbeiten viele Ausländer, die ich gern habe. Auch um sie zu schützen, müssen die Kriminellen ausgeschafft werden.

Was tun Sie für den Bezirk?

Wir werden als Randregion immer mehr abgedrängt. Wenn ich höre, dass die WSB durch einen Bus ersetzt werden soll, sträuben sich mir die Nackenhaare.

Wird der Bezirk Kulm nicht ernst genommen?

Ja, beispielsweise in der Ausländerpolitik. Unsere Gemeindevertreter wissen, wovon sie reden, wenn sie über Probleme mit Ausländern sprechen. Ernst genommen werden sie an höheren Stellen aber nicht wirklich.