Es ist ein Shooting für die Ewigkeit, eines, das auch Fotografin Laura Kissling aus Schöftland nie vergessen wird. Die Fotografin ist auf der Intensivstation in einem Spital und hält mit ihrer Kamera Momente und Emotionen fest.

Die Bilder sollen das nur wenige Stunden alte Mädchen zusammen mit der Familie festhalten. Wegen Komplikationen bei der Geburt standen die Überlebenschancen des Mädchens sehr schlecht. Zwei Wochen später hört ihr Herzchen auf zu schlagen.

Dieser Einsatz war für Laura Kissling aus Schöftland der erste für das Projekt Herzensbilder.

Die Fotografen sind sogenannte Fotoengel, die ehrenamtlich arbeiten und Familien von schwer kranken, behinderten oder viel zu früh geborenen Kindern kostenlos ein Fotoshooting schenken.

Erst zu Hause, beim Bearbeiten der Fotos, kämen die Emotionen hoch. «Beim Einsatz funktioniert man einfach, aber zu Hause kann es sein, dass vor dem Bildschirm die Tränen fliessen», sagt die 32-Jährige.

Einsätze brauchen viel Kraft

Den Boden unter den Füssen weggezogen habe ihr das Schicksal eines kleinen Jungen. Er kam viel zu früh mit einer Lungenkrankheit zur Welt. Er kämpfte und es ging ihm immer besser. «Das Shooting war sehr schön», sagt Laura Kissling heute.

Mit vielen positiven Erinnerungen bearbeitete sie zu Hause die Bilder. Zwei Monate später erreichte sie die traurige Nachricht, dass der kleine Junge den Kampf verloren hatte. «Ich bin davon ausgegangen, dass ich ihn wiedersehe», sagt sie mit traurigen Augen.

«Es braucht schon Überwindung, an solche Einsätze zu gehen», sagt sie. Doch sie hat bewusst nach einem solchen Projekt in der Schweiz gesucht.

Sie kannte bereits die amerikanische Version, genannt «now i lay me down to sleep». «Die Idee überzeugt mich einfach und berührt tausende von Menschen in der ganzen Schweiz», sagt Laura Kissling.

Gibt es irgendwo einen Einsatz, verschickt die Gründerin von «Herzensbilder», Kerstin Birkeland, die Anfrage an die Fotoengel.

Laura Kissling war nun bei vier Einsätzen, bei Kindern, die viel zu früh gestorben und nun sogenannte Sternenkinder sind. «Die Eltern sind für die Bilder jeweils sehr dankbar», sagt Kissling.

Kleines Studio in der Wohnung

Die Fotografin aus Schöftland, die vor acht Jahren ihre erste Spiegelreflexkamera gekauft hat, ist nun seit zwei Jahren auch professionelle Neugeborenen- und Baby-Fotografin. Ihr Unternehmen heisst «Little Dreams».

Sie arbeitet in einem Teilzeitpensum im Online-Marketing, ihre restliche Zeit braucht sie für die Fotografie.

Die Grundlagen dieser speziellen Fotografie hat sie in Kursen erlernt, auch in Amerika und England. «Viel ist jedoch learning by doing», sagt sie. Laura Kissling fotografiert nicht nur Neugeborene, sondern auch schwangere Frauen und Babys.

In ihrer Wohnung hat sie ein kleines Studio mit diversen Accessoires wie geflochtenen Körben, kleinen Kinderwägen oder Decken für das perfekte Shooting aufgebaut. «Am besten ist es, wenn das Baby frisch gefüttert und schläfrig ist», sagt sie.

Im Zimmer soll es wohlig warm sein, dafür heizt sie den Raum auf rund 28 Grad. Ein Shooting kann dann auch schnell vier Stunden dauern.

Denn ein kleines Missgeschick passiere immer wieder. «Das muss man mit Humor nehmen und man muss daran denken, dass man eine Waschmaschine hat», sagt sie mit einem Augenzwinkern.