Reinach
Drogist werden – Drogist sein: Das war immer sein Wunsch

Peter Baggenstos hat seine Drogerie im Dorfzentrum während 33 Jahren geführt. Jetzt hat er das Geschäft seiner Nachfolgerin Monika Sidler verkauft.

Peter Siegrist
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Peter Baggenstos: «Hier gleicht kein Tag dem andern.» Peter Siegrist

Peter Baggenstos: «Hier gleicht kein Tag dem andern.» Peter Siegrist

Peter Baggenstos, 59, ist Reinach aufgewachsen, seine Eltern führten an der Tunaustrasse eine Drogerie. Er ist inmitten von Kräuterdosen, Heilmitteln, Chemikalien, Salbentöpfen und Parfümfläschchen gross geworden. «Ich habe als Junge bereits viel im elterlichen Geschäft mitgeholfen», sagt Baggenstos, «da wurde mein Interesse für Biologie, Chemie und für Pflanzenheilkunde geweckt.» Die Berufswahl ist Baggenstos leicht gefallen, «ich wollte Drogist werden, und zwar aus freien Stücken, die Eltern übten nicht den geringsten Druck aus.

Die Tätigkeiten eines Drogisten seien äusserst vielfältig, erklärt Baggenstos, «kein Tag gleicht dem andern.» Besonders schätzte er den Kundenkontakt.

Baggenstos hat den Wandel und die Veränderungen in seinem Beruf hautnah erlebt. Kaum 20 Jahre seien es her, seit Homöopathie und Spagyrik so im Aufwind seien. Dafür sei es heute wegen der grossen Auflagen kaum mehr möglich, eigene Heilmittel zu kreieren und zu produzieren. «Die Vorschriften sind so umfangreich, dass es sich nicht mehr rechnet», erklärt der Drogist.

Der Sprung in den Bärenmarkt

Baggenstos hat 1978 als 26-jähriger die Drogerie seiner Eltern gekauft und weitergeführt. Mit 80 Quadratmetern hatte die Drogerie beim Cityplatz einst zu den grössten im Kanton gehört. 1987 wagte Baggenstos den grossen Sprung über die Hauptstrasse und verlegte seinen Laden in den neuen Bärenmarkt. Der Entscheid habe ihn manche schlaflose Nacht gekostet, sagt er heute. Hohe Mietkosten, Verdoppelung der Ladenfläche und Ausweitung der Ladenöffnungszeiten. «Wir mussten uns mit dem Coop gleichschalten, das war im Mietvertrag festgelegt.»

Heute sagt Baggenstos, der damalige Entscheid sei richtig gewesen. Der neue Standort in der Mall des Coop-Centers brachte ihm mehr Kundschaft, mehr Umsatz. Baggenstos ist immer selbstständig geblieben, hat sich lediglich der Einkaufsgruppe Swidro angeschlossen, «auch zum Austausch des Know-how.» Er verschweigt nicht, dass Grossverteiler, die heute ebenfalls Drogerieprodukte anbieten zur Konkurrenz geworden sind. «Unsere Stärke liegt eindeutig in der Beratung, da bieten wir den Kunden einen Mehrwert.»

Peter Baggenstos ist nicht von Schicksalsschlägen verschont geblieben. In jungen Jahren erlitt er als Folge einer Krankheit einen Hörsturz. Eine Hörbehinderung und Gleichgewichtsprobleme sind zurückgeblieben. Als vor vier Jahren seine Ehefrau schwer erkrankte und verstarb, sei es für ihn schwieriger geworden, allein das Geschäft zu führen. Zum Glück konnte auf die Loyalität seiner langjährigen Mitarbeiterinnen zählen. «Wir haben uns ergänzt und die Synergien genutzt.» Jetzt will sich Baggenstos unter anderem vermehrt seinem Garten und weiteren Hobbys widmen. Langweilig werde es ihm bestimmt nicht. Ab und zu werde er seine Nachfolgerin im Laden vertreten. «Ich würde wieder Drogist», sagt er heute, «der Beruf hat mich erfüllt.»