Reinach
Dreist: So tricksen die Krippenbetrüger

Dreiste Internetbetrüger schrecken vor nichts zurück. Sie linken alte Leute und knöpfen ihnen das letzte Geld ab oder versuchen es bei gutgläubigen Mitmenschen via Mitleidstour. Der neuste Trick von Internetbetrügern trifft Kinderkrippen.

Aline Wüst
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Alles Betrug: Nie wollte «Judy» im Pink Panther schaukeln.Christoph Voellmy

Alles Betrug: Nie wollte «Judy» im Pink Panther schaukeln.Christoph Voellmy

Sie heisst Celina Henderson, wohnt in England und hat eine dreijährige Tochter – die kleine Judy. Das Mädchen habe keine Allergien und sei immer still. Das alles steht im Mail, das am 23. Juni in der Mailbox der Tagesstruktur «Pink Panther» in Reinach landet. Celina Henderson schreibt weiter, dass sie von Mitte Juli für einen Kunden sechs Wochen beruflich in der Schweiz weile. Ob es möglich wäre, Judy während dieser Zeit in der Tagesstruktur zu betreuen, will sie wissen.

An dieser Nachricht stimmt nichts. Ausser, dass die kleine Judy still ist und keine Allergien hat. Kein Kunststück – dieses Mädchen existiert gar nicht. Das Mail stammt von Internetbetrügern. Ihr einziges Ziel: Geld ergaunern.

Ein Check über 7950 Pfund

Das Mail blieb nicht unbeantwortet. Wie Lea Thoma, Leiterin der Tagesstruktur Pink Panther, erzählt, habe man die Anfrage im Team und mit dem Vorstand diskutiert. «Grundsätzlich übernehmen wir keine Kinder für eine solch kurze Zeit», erklärt Thoma. In diesem speziellen Fall wollte die Tagesstruktur eine Ausnahme machen. Lea Thoma teilte der Mutter in einem Mail mit, dass der Aufenthalt 2805 Franken koste und im Voraus bezahlt werden müsse. 40 Minuten später kam die Antwort: «Der Betrag ist akzeptabel.» Ihr Kunde übernehme die Kosten. Wenige Tage später traf ein Check ein. In geschwungener Handschrift war der Betrag von 7950 Pfund vermerkt.

Umgehend schrieb Lea Thoma zurück, dass der Betrag auf dem Check die Kosten für den Krippenplatz um fast 10'000 Franken übersteige. «Kein Problem», antwortete Celina Henderson. Ihr Kunde habe aus Versehen den gesamten Betrag an die Tagesstruktur überwiesen. Also auch das Geld, mit dem sie Flug und Unterkunft bezahlen müsse. Man solle doch den Betrag für die Kinderbetreuung abziehen und den Rest zurücküberweisen. Es eile, und sie stehe unter Stress, weil ihr Vater einer dreifachen Herzoperation unterzogen wurde. Daraufhin gab die Tagesstruktur die Rückzahlung der 6000 Pfund in Auftrag. «Das ist sehr viel Geld für uns», sagt Lea Thoma, die sich im Nachhinein darüber ärgert, so leichtgläubig gewesen zu sein.

Aufmerksame Bankmitarbeiterin

Glücklicherweise merkte Bernadette Blaser, Kundenberaterin der Valiant Bank Reinach, dass da etwas faul war. Sie erklärt, dass es sich dabei um einen typischen Fall von versuchtem Betrug handle. «Als uns der Check zum Einlösen vorgelegt wurde, bin ich sofort misstrauisch geworden, weil es die Check-Ausstellerin sehr eilig hatte», sagt Blaser.

Ein englischsprachiger Mann rief ein paar Tage später nochmals in der Tagesstruktur Pink Panther an und fragte nach dem Geld. Dann war Funkstille.

Polizei kann nichts tun

Eine Anzeige wollte die Polizei nicht entgegennehmen. Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei, erklärt, dass eine solche nichts bringe. «Die geben vor, in England zu wohnen, versuchen in der Schweiz zu betrügen und leben am anderen Ende der Welt.» Selbst mit aufwendigsten Ermittlungen seien die Chancen gleich null, die Täterschaft zu ermitteln, sagt Graser.

Beim Verband Schweizer Kitas weiss niemand von ähnlichen Fällen in der Schweiz. Ein Kita-Verband in Irland macht auf seiner Homepage allerdings auf diese Art von Betrugsversuch aufmerksam. Dort sind einige Kitas den Betrügern auf den Leim gegangen. Bei seltsamen Anfragen aus dem Ausland können sich Kinderkrippen jederzeit bei der Polizei melden, sagt Bernhard Graser von der Kantonspolizei.