Am Schöftler Weihnachtsmarkt hat Max Hochuli an seinem Instrument gedreht und zusammen mit Werner Boss an der Gitarre zur gemütlichen Stimmung im Schlosshof beigetragen. Doch: Wer ist der Drehorgelmann aus Schöftland, der schon vier Drehorgeln selber gebaut hat?

«Ich wollte etwas machen, was mir Freude macht, an dem ich lange Zeit dran sein kann und das man gebrauchen kann», sagt Max Hochuli. Er ist ein Rentner, der seit zehn Jahren sein Pensionärsleben bewusst lebt. Nun kann er jeden Tag tun, was er vorher neben seiner Arbeit als Mechaniker tun musste: In seiner Werkstatt basteln. «Das ist ein Ständer für die Blockflöten meiner Tochter», sagt der 75-Jährige. Er hat die Zapfen auf dem Brett auf Mass gedrechselt. Darauf steckt man, zum Austrocknen, die Flötenteile.

Hochuli nimmt sich Zeit

Sein aktuellster Spleen, wie er lachend sagt, sind Dampfmaschinen und Stirlingmaschinen. Bei letzteren Wärmekraftmaschinen treibt allein die Hitze die Maschine an, und Hochuli bietet eine Demonstration. Daneben steht ein Gefährt aus Metallteilen, das er zusammen mit dem jüngsten Enkel Cedric entwickelt. Transparente Mechanik. Natürlich verfügt Hochuli über die nötigen Maschinen, auch für den Mississippi-Dampfer oder das Modell des Dampfschiffes Gallia auf der Werkbank.

«Es nimmt mich nicht wunder, wie viele Stunden ich brauche», sagt Max Hochuli, einst ambitionierter Bergsteiger. Denn die ausgefüllte Zeit, die zufrieden verbrachte Zeit, ist Teil des Ziels, nicht das Objekt allein. Die erste Drehorgel sei etwa nach dreiviertel Jahren fertig gewesen, erzählt er. Er hat sie mit einem Freund gebaut. Das Innenleben ist für den Laien reichlich kompliziert: Blasebälge, Ventilkasten, Pfeifen, die Rolle, über die die Lochkartenrolle gezogen wird, wodurch mithilfe der Luft die Töne produziert werden.

Drehorgel spielt auch Rockmusik

Hochuli hat sich an einem Buch mit Bau-Schemata drin orientiert, aber auch bei Restaurationsarbeiten genau hingeschaut. Die Pfeifen hat er aus Fichtenholz hergestellt. «In den Büchern werden edle Hölzer empfohlen, aber du kannst nehmen, was du willst», sagt er. Der Klang seiner beiden grossen Orgeln gibt ihm recht. Die kleine baute er, um etwas Handliches zu haben. Sie klingt noch nicht nach seinem Gusto. Max Hochuli arbeitet dran. Bringen die kleineren Blasbälge zu wenig Luft?

«Das Karussell hat mich fasziniert; ich habe jeweils stundenlang zugehört», erinnert sich der Konstrukteur an seine Kindheit. Er besitzt ein gutes Dutzend Lochrollen mit jeweils etwa vier Liedern drauf. Stil? Querbeet, sagt Hochuli, der dreifacher Vater und sechsfacher Grossvater ist: «Jeder Stil hat seinen Reiz.» Seine jüngste Erwerbung hat Ländlermusik drauf. Aber auch Überschriften wie «Seemannslieder», «Trompetenecho», «Mendocino», «Rock Around The Clock» oder «Über den Wolken» versprechen populäre Unterhaltung.

Werbung macht er keine. Er tritt an Familienfesten oder Hochzeiten auf, auch schon im Altersheim, aber «den Pausenclown» macht er nicht. In guter Erinnerung sind ihm die Drehorgelkonzerte an Bettag in der Kirche Entfelden: die Akustik! Speziell musikalisch müsse man nicht sein, sagt Hochuli, der als Kind Geige gespielt hat. Und es gibt ein Stimmgerät. Aber für seine Orgel mit Register, bei der er durch Ziehen dieser Register verschiedene Klangfarben zumischen kann, ist eine gewisse Musikalität durchaus dienlich. Die Vergleichs-Demonstration zeigt es: Das Klangvolumen ist ein anderes, das Klangbild nuancierter.

Hochulis Drehorgeln sind in Südseeblaugrün gehalten. Ehrensache: Er hat sie selber angemalt. «Ich habe vorher nie Blüemli gemalt», sagt er, und hat es versucht. Mit Erfolg, wie die Orgeln zeigen. Ob er das Talent vom Vater geerbt hat, der den Schrank in der Stube bemalt hat? Uhren aus Holz macht Max Hochuli auch und jeden Morgen einen Marsch in den Wald, während Ehefrau Marlene das Walking bevorzugt. Und später widmet er sich in der Werkstatt wieder mit seinen sich selbst gestellten Aufgaben. Oder er fährt auf die Klewenalp zum Skifahren. Oder schwingt sich im Sommer auf die 600er-Honda seines Sohnes. So sieht ein zufriedener Rentner aus.