Dorforiginal für tot erklärt

Der Menziker Francesco «Franz» Stampfli gilt offiziell als verschollen.

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Mit diesem Bild suchte die Polizei 2020 nach Francesco Stampfli.

Mit diesem Bild suchte die Polizei 2020 nach Francesco Stampfli.

Das Bezirksgericht Kulm hat letzte Woche eine Verschollenenerklärung für Francesco Stampfli, geboren am 17. Juli 1959, publiziert. Damit hat es faktisch ein Menziker Dorforiginal für tot erklärt: «Franz» war zwar ein Eigenbrötler gewesen, man kannte ihn jedoch im oberen Wynental.

Eine Verschollenenerklärung setzt voraus, dass «der Tod einer Person höchstwahrscheinlich ist, weil sie in hoher Lebensgefahr verschwunden oder seit langem nachrichtenlos abwesend ist». So steht es im Zivilgesetzbuch. Stampfli ist also tot vor dem Gesetz. Aber ist er wirklich gestorben? Genau weiss man es nicht. Er tauchte schon öfter ab.

Kantonspolizei suchte öffentlich nach ihm

Am 5. Januar 2012 hatte die Polizei eine Suchmeldung verschickt: «Vermisst: Stampfli Francesco, 51-jährig.» Darin war zu lesen, dass der Vermisste zuletzt am 24. Dezember 2011 um 10 Uhr bei der Migros in Menziken gesehen worden war. Er sei 175 cm gross, schlank und trage seine grau melierten Haare zu einem Rossschwanz zusammengebunden. Auf dem Foto der Vermisstenanzeige war der Gesuchte mit wild wucherndem Bart zu sehen. «Der Grund für sein Verschwinden ist unklar. Suizidabsichten können nicht ausgeschlossen werden», schrieb die Polizei.

Eine AZ-Reporterin machte sich in Menziken auf Spurensuche. Im Artikel vom 5. März 2012 («Wo ist Franz») beschreiben die Einheimischen Stampfli als Einzelgänger, der am Rand der Gesellschaft lebe. Er sei früher Seemann gewesen und viel herumgekommen, davon würden seine Tätowierungen zeugen. Offenbar lebte er von Sozialhilfe und war psychisch angeschlagen, oft habe er wirre Sachen geredet. Er besass einen Hund, «Mancho». Diesen habe er vor seinem Verschwinden Bekannten anvertraut, hiess es.

Auch schilderte ein Nachbar, wie Stampfli vor seinem Verschwinden seinen Haushalt aufgelöst habe: Er stellte angeblich den Computer in den Gang, liess Handy und Portemonnaie zurück, schloss die Wohnung nicht ab. Die Gerüchteküche brodelte, man vermutete einen Suizid, oder dass sich Franz ins Ausland abgesetzt habe.

Das Menziker Dorforiginal ist nach seinem aufsehenerregenden Verschwinden an Heiligabend 2011 noch zweimal aufgetaucht. Im Antrag auf Einleitung des Verfahrens zur Verschollenenerklärung, eingereicht vom Regionalen Sozialdienst Oberwynental, hiess es, Franz Stampfli sei zuletzt am 6. Februar 2012 auf dem Polizeiposten Reinach gesehen worden. Danach sei die Suche nach ihm erfolglos verlaufen.

Ganz stimmt das allerdings nicht: Stampfli wurde am 12. April 2012 von einer Patrouille der Grenzwache in einem Zug bei Aarau angetroffen. Körperlich unversehrt, wurde er in eine psychiatrische Einrichtung gebracht. Was danach mit dem Mann passiert ist, «entzieht sich unserer Kenntnisse gänzlich», sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei.

Drei öffentliche Aufrufe des Bezirksgerichts Kulm im kantonalen Amtsblatt – man möge sich melden, wenn man Hinweise auf Stampflis Aufenthalt habe – führten ins Nichts. Deshalb wurde er nun als verschollen erklärt; und zwar rückwirkend auf den 6. Februar 2012.

Der zuständige Regionale Sozialdienst Oberwynental möchte sich aus Rücksicht auf Stampfli nicht öffentlich zum Fall äussern. Deshalb ist unklar, ob allenfalls noch Wertgegenstände aus dem Nachlass des für tot Erklärten in den Besitz der Gemeinde übergehen. Da er von der Sozialhilfe abhängig war, ist nicht davon auszugehen, dass grössere Vermögenswerte vorhanden sind. (nro)

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