Burg
Dorffest: Annäherung zwischen den Kulturen über den Magen

Trotz Platzregen: Das Dorffest in Burg war ein Erfolg. Die verschiedenen Kulturen sind sich dabei näher gekommen – auch kulinarisch. Die unterschiedlichsten Speisen konnten die Besucher kosten. Von afghanischem Kufta, über tibetische Teigtaschen, bis zu kurdischem Kube.

Sibylle Haltiner
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Reza (links) hat das afghanische Gericht selbst gekocht.
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Pejin Majik schöpft ihr kurdisches Essen.
Die Kinder tragen Flammenkronen und singen Feuerwehrlieder.
Dorffest Burg
Die Frauen aus Kurdistan verwöhnen die Festbesucher mit Kube und weiteren kurdischen Spezialitäten.
Auch die jungen Männer aus Eritrea stehen hinter den Kochtöpfen.
Die exotischen Gerichte werden von den Festbesuchern sehr geschätzt.
Roni Muff ist eine der Initiatorinnen des interkulturellen Dorffestes.
Bei der Essensausgabe gibt es auch spannende Gespräche.

Reza (links) hat das afghanische Gericht selbst gekocht.

Sibylle Haltiner

Reza hat gekocht. Ein Gericht aus seiner Heimat Afghanistan: Reis, Rüebli mit Weinbeeren und Kufta, Fleisch mit Kichererbsen in Sauce. Der 16-Jährige, der erst seit acht Monaten in Burg lebt und schon recht gut Deutsch spricht, hat die Mahlzeit für das interkulturelle Dorffest selbst zubereitet. «Ich war nur die Küchenhilfe», erzählte Roni Muff, eine der Initiatorinnen des Begegnungsfestes. Die Leute lobten Rezas Essen. Würzig sei es und überraschend, vor allem die Kombination von Rüebli und Weinbeeren. «Sehr fein», schwärmte eine Besucherin, «das will ich zu Hause auch einmal ausprobieren.»

Nach dem Erfolg des letztjährigen Dorffestes, an welchem einheimische und albanische Folkloretanzgruppen auftraten, wurde der Anlass heuer kulinarisch um mehrere Nationen erweitert. Wiederum gab es albanische Spezialitäten. Fazli Mulaj und seine Kollegen hatten Pide, Cevapcici und verschiedene Süssigkeiten zubereitet. «Wir wohnen ja hier, deshalb wollen wir schauen, dass wir es zusammen gut haben», erklärte Mulaj.

Kreatives Arbeiten macht mutig

Die Kunsttherapeutin Roni Muff hatte sich besonders dafür eingesetzt, dass weitere Nationen das Fest bereicherten. In ihren Malgruppen betreut sie Asylbewerber und konnte einige zur Teilnahme ermutigen. «Die Leute waren anfangs eher zurückhaltend, wollten zwar kochen, nicht aber am Stand stehen und Essen ausgeben», erzählte sie. «Doch das kreative Arbeiten macht die Menschen mutig.» So konnten die Festbesucher neben dem albanischen Essen und Rezas afghanischem Kufta auch tibetische Teigtaschen, sogenannte Momos, kurdische Kube und ein Gericht aus Eritrea versuchen.

Viele Festbesucher liessen sich in Schälchen die Gerichte aus den verschiedenen Ländern schöpfen und degustierten sich durch die unterschiedlichen Küchen hindurch. «Das Essen aus Eritrea ist recht scharf, die tibetischen Momos schmecken ähnlich wie Ravioli und das afghanische Gericht ist sehr gut gewürzt», erklärte Priska Summermatter. «Es lohnt sich, alles zu probieren.» Wie viele andere Festbesucher war sie begeistert von der Idee des Dorffestes. «Integration funktioniert am besten über das Essen.» Auch Chrege Lehmann, Präsidentin der Kulturkommission, freute sich über den Erfolg des exotischen Angebots. «Man kommt schon beim Anstehen ins Gespräch miteinander», meinte sie. Dass das schweizerische Käseplättli kaum gewählt wurde, wertete Lehmann als positives Zeichen der Offenheit der Festbesucher.

Doch nicht nur kulinarisch war das Dorffest ein Erfolg. Trotz gelegentlicher Platzregen genossen die Leute das Fest mit Open-Air-Kino, einem Auftritt der Kinder mit Feuerwehrliedern und der Ausmarchung des schnellsten Burgers. Finanziell ist die nächste Ausgabe bereits gut aufgegleist, denn die Einnahmen der Auktion, an welcher neben Polsterstühlen, Ballettschuhen oder einer antiken Waage sogar ein Hochzeitskleid unter den Hammer kam, werden für die dritte Auflage im nächsten Jahr verwendet.

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