Der Unterkulmer Bölerknoten entwickelt sich zum brisanten Thema – das längst über die Gemeindegrenze hinaus debattiert wird. Das 22 Millionen Franken teure WSB-Eigentrassierungsprojekt mit Kreisel sorgt für rote Köpfe. Stein des Anstosses sind vor allem die Barrieren und Ampeln, die rund um den Kreisel auf Rot stehen, wenn ein Zug naht (wir berichteten).

Auch an der Unterkulmer Gmeind am Donnerstagabend gingen die Wogen hoch. Bereits während der Budgetdebatte war das geplante Grossprojekt im Dorfzentrum Thema. Mit einem Antrag zur Streichung des Gemeindebeitrages für das Jahr 2018 an die WSB-Eigentrassierung wollten Anwesende ein Zeichen setzen. Gemeindeammann Roger Müller hatte in seiner letzten Gemeindeversammlung zum ersten Mal einen Stichentscheid zu fällen. Er sprach sich für die Beibehaltung des Investitionsbeitrages aus.

Im Anschluss an die traktandierten Geschäfte entbrannte die Kreisel-Diskussion. Vizeammann Emil Huber informierte noch einmal eingehend über das Projekt. Abermals betonte er, dass auch die Gemeinde nur «betroffene Partei» und alles andere als glücklich über das vorliegende Projekt sei. Lange Barriere-Schliesszeiten und daraus folgende lange Rückstaus auf alle Seiten machten auch der Gemeinde Sorgen.

Er versprach, dass sich Gemeinde im laufenden Verfahren einbringen und den Daumen auf die kritischen Punkte halten werde. Gemeindeammann Roger Müller sagt auf Anfrage: «Wir wollen vom Kanton noch einmal eine Berechnung, die aufzeigt, dass das geplante Projekt funktioniert, ohne dass Unterkulm zum Staudorf wird.»

Dass die Unterkulmer das Thema ernst nehmen, beweist auch die Tatsache, dass die unrealistische Petition für eine U-Bahn nicht genug Unterstützer fand. Der auf petitio.ch lancierte Vorstoss verlangte, die WSB in den Untergrund zu verlegen. Ein solches Projekt würde jedoch im günstigsten Fall um die 40 Millionen Franken kosten, wie die Gemeinde in Erfahrung gebracht hat.

Gemeindeverband interveniert

Das Kreiselprojekt gab auch an der Abgeordnetenversammlung des Gemeindeverbands aargauSüd impuls, die gleichentags in Rickenbach stattfand, zu reden. Der Vorstand hatte sich dem Thema bereits im Vorfeld angenommen und entschieden, «dazu nicht zu schweigen», wie Verbandspräsident Martin Widmer sagte. Das Projektziel ‹Verflüssigen des Verkehrs› werde mit Barrieren und Ampeln im Kreisel zu einer Illusion. Der Gemeindeverband wird eine entsprechende Stellungnahme zuhanden des Kantons ausarbeiten – mit dem Ziel, «im Rahmen der Vernehmlassung der Gemeinde Unterkulm den Rücken zu stärken», wie Geschäftsführer Herbert Huber ergänzend sagte.

Der Böhlerknoten ist nicht die einzige künftige Grossbaustelle, die dem Verband Sorgen bereitet. Sind doch im Wynental nicht weniger als sechs Verkehrsprojekte in der Pipeline (Ostumfahrung Suhr, je ein Kreisel in Gränichen, Teufenthal und Unterkulm, der Neubau Bahnhof Oberkulm, Ortsverbindung Zetzwil-Gontenschwil). Werden diese Baustellen gut koordiniert? Wenn nicht, gebe es Probleme für die ganze Talschaft, so Widmer. «Wir befürchten im Wynental ein zehnjähriges Verkehrschaos.» Mit einem Vorstoss zuhanden des Regierungsrats will man darum auf die Thematik aufmerksam machen. Ausserdem fordert der Verband Informationen betreffend Zeitplan, Koordinations- und Verkehrlenkungsmassnahmen.