Schöftland
Dieser Zug ist abgefahren: keine Schneise für Geleise

Eine Bahnverbindung zwischen Triengen und Schöftland steht auch nach fast 100 Jahren nicht zur Diskussion. Der Zug ist für die Verbindung zwischen der Sursee-Triengen-Bahn und der Wynental-Suhrentalbahn schon lange abgefahren.

Peter Weingartner
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In der Bildmitte führt die Eisenbahnlinie durchs Tal auf Triengen zu. Im Hintergrund ist der Jura zu sehen.Peter Siegrist

In der Bildmitte führt die Eisenbahnlinie durchs Tal auf Triengen zu. Im Hintergrund ist der Jura zu sehen.Peter Siegrist

Peter Siegrist

Es ist ein trostloses Bild: Geleise, die an Prellböcken enden (az vom 12. August). In Triengen endet die Sursee-Triengen-Bahn; in Schöftland beginnt die Wynental-Suhrentalbahn, und dazwischen fehlen die Geleise. Bedauernswert? Sollte die Bahnlücke geschlossen werden?

Für Josef Fischer, Trienger Gemeinderat und da für den öffentlichen Verkehr zuständig, ist der Zug im übertragenen Sinne vor gut 100 Jahren abgefahren. Die beiden Kantone Luzern und Aargau konnten sich damals nicht einigen: Der Kanton Luzern baute daraufhin eine Normalspurbahn bis Triengen, der Aargau eine Schmalspurbahn bis Schöftland. Doch wie sieht es heute aus?

«Bis vor etwa 20, 30 Jahren wurde in Triengen eine Schneise für eine eventuelle Weiterführung der Geleise freigehalten», sagt Fischer. Später habe man das Land zur Überbauung freigegeben. Gleiches gelte für Schöftland. Trotzdem kommt die Idee, diese Lücke zu schliessen, immer wieder auf. An der Kanti Sursee schrieb ein Schüler eine Matura-Arbeit zum Thema. Ausserdem gab es in den letzten Jahren Vorstösse in beiden Kantonsparlamenten und die Sursee-Triengen-Bahn gab eine Vorstudie in Auftrag, die das Institut für Verkehrsplanung und Transportsystem der ETH Zürich 2009 erarbeitete.

Der Titel der Arbeit von Markus Rieder: «Wiedereinführung des Personenverkehrs auf der Sursee-Triengen-Bahn (ST) und eine allfällige Verlängerung». Mit der Verlängerung ist die fehlende Strecke bis Schöftland gemeint. Die «schwächere und verstreute Besiedlung zwischen Triengen und Schöftland» wird von der Studie als Problem gesehen. Dazu kommen «die grossen technischen Unterschiede zwischen den beiden Stichstrecken» – Normalspur und Schmalspur.

Während die Luzerner Gemeinden Geuensee, Büron und Triengen auf den bestehenden Geleisen mit der Bahn einigermassen gut erschlossen würden (Möglichkeit der Integration als Stichstrecke der S-Bahn Luzern bis Triengen), sieht es weiter nördlich anders aus. «Wir haben im Dorf Triengen vier Bushaltestellen», sagt Josef Fischer. Also werden die Busbenutzer besser abgeholt als beim talseitigen Bahnhof am Rande des Siedlungsgebiets. Zumal die Ortsplanungen die Wohngebiete bergseits favorisieren.

Diesbezüglich stehts um Winikon und die Aargauer Gemeinden zwischen Triengen und Schöftland – Reitnau, Attelwil, Moosleerau, Kirchleerau und Staffelbach – noch prekärer: Würde eine Zugverbindung die Dörfer in einem Zickzackkurs anfahren? Oder wäre die Station auf einer Talseite, während die andere abgehängt bleibt? «Jenseits von Gut und Böse», ist Josef Fischers persönliche Meinung dazu. Weiter kämen die Kosten und der Verlust von Kulturland dazu. Fischer verweist auf die regelmässigen Zusammenkünfte der Gemeindebehörden beider Kantone im Su(h)rental, wo die Meinungen jeweils «relativ klar» den Busbetrieb bevorzugen.

Von Triengen nach Schöftland benötigt der Bus, der alle Gemeinden des oberen Suhrentals anfährt, 24 Minuten – so viel, wie man per Velo ohne zu pressieren auf direktem Weg braucht. Seit Kurzem ist zu Zeiten des Berufsverkehrs ein Schnellbus unterwegs, der von Triengen direkt über Leerau nach Schöftland fährt und 10 Minuten schneller ist. Er sei zwar nicht der grosse Renner, doch die Nachfrage bestehe.

Josef Fischer gibt aus eigener Erfahrung – Kinder, die in Zürich studieren – zu bedenken, dass auch die Fortsetzung von Schöftland nach Aarau mehr Strassenbahn als S-Bahn sei: 27 Minuten dauert die Fahrzeit; zwölf Haltestellen liegen zwischen Schöftland und Aarau.

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