Triengen
Dieser Volleyballer ist unverhofft ganz oben angekommen

Der Volleyballer Marcel Häfliger gehört beim NLA-Club Volley Top Luzern zur Stammsechs.

Achim Günter
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Erst mit 18 Jahren wechselte Marcel Häfliger zum Volleyballclub – nun mischt er mit Luzern die Nationalliga A auf.agu

Erst mit 18 Jahren wechselte Marcel Häfliger zum Volleyballclub – nun mischt er mit Luzern die Nationalliga A auf.agu

Wollte man einem Jugendlichen die idealtypische Sportkarriere aufzeigen, man würde ihm nicht den Weg von Marcel Häfliger empfehlen. Aber der Volleyballer spielt heute, im Alter von 28 Jahren, seine zweite Nationalliga-A-Saison – und zwar als Stammspieler bei Volley Top Luzern, dem Überraschungsteam der laufenden Spielzeit. So viel hat der gebürtige Trienger also bestimmt nicht falsch gemacht. Kennt man allerdings Häfligers Werdegang, ist das dennoch erstaunlich. Erst mit 18 Jahren wechselt er vom Turnverein zu den Junioren des Volleyballclubs Triengen – weil er beim Beobachten des Volleyballtrainings findet, dieser Sport sei doch eigentlich «noch glatt». Während spätere Teamkollegen in diesem Alter dem Junioren-Nationalteam angehören, spielt er während einer Saison als Mittelblocker im 5.-Liga-Team des VBC Triengen. Auf einer anderen Position als dieser hat er bis heute nie gespielt. Der 1,99 Meter grosse Trienger, der mittlerweile in Sursee wohnt, sagt schmunzelnd: «Wenn man so spät mit dem Sport anfängt, wird man in die Mitte gestellt.»

Die Defizite bei den technischen Grundlagen lassen sich deshalb kaum mehr wettmachen. Heute bedauert er seinen späten Karrierestart denn auch ein wenig. «Würde ich heute nochmals anfangen, würde ich Aussenangreifer werden. Aber dafür bin ich jetzt zu alt.»

Immer in der Zentralschweiz

2008 wechselt Marcel Häfliger nach Sursee in die 2. Liga, zieht nach zwei Jahren weiter zum NLB-Team Emmen-Nord und geht schliesslich 2011 nach Luzern, zum damaligen VBC. Er habe immer in der Zentralschweiz Volleyball gespielt, weil er daneben stets in einem Vollpensum gearbeitet habe. Anfragen von weiter entfernten Klubs gab es zwar. Dem Beruf als Gebäudetechnikplaner mit Fachrichtung Heizung habe er jedoch immer Priorität eingeräumt. «Damit verdiene ich letztlich mein Geld, nicht mit dem Sport. Er ist für mich einfach eine gute Abwechslung.»

Derzeit bestreitet Marcel Häfliger mit Volley Top Luzern die fünfte Saison. Nach Platz acht im NLA-Premierenjahr mischen die Stadtluzerner nun die höchste Schweizer Liga auf. Mit einem der bescheidensten Budgets überhaupt belegen sie nach knapp der Hälfte der Qualifikation den vierten Rang – hinter den beiden Schwergewichten Amriswil und Lausanne und punktgleich mit Schönenwerd. Marcel Häfliger, der bisher stets zur Stammsechs zählte, führt den gegenwärtigen Höhenflug auf den Teamspirit zurück. «Herausragende Einzelspieler haben wir nicht. Aber das Kollektiv funktioniert bei uns, das ist der Schlüssel zum Erfolg.»

Eine Frau ist Trainerin

Der Grossteil des Kaders stammt aus der Zentralschweiz. Mit dem auf diese Saison hin verpflichteten australisch-tschechischen Aussenangreifer Gerrard Lipscombe steht bloss ein Ausländer im Kader. Ungewöhnlich bei Volley Top Luzern ist auch die Besetzung des Trainerpostens: Die Männer werden von einer Frau trainiert, der 31-jährigen Australierin Lauren Bertolacci.

Der Höhenflug mit Volley Top Luzern soll noch lange nicht enden. Marcel Häfliger verrät, dass das Team die Cupfinalteilnahme und einen Top-3-Platz in der Meisterschaft anstrebe. «Man muss doch auf etwas hinarbeiten», begründet Häfliger. Vielleicht weiss gerade er, der es unverhofft in die NLA geschafft hat, dass mit dem entsprechenden Willen scheinbar Unerreichbares durchaus erreicht werden kann.

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