Erinnerungen

Dieser Schöftler fuhr fast 40 Jahre lang den Güselwagen – und hat dabei Einiges erlebt

Ruedi Hunziker hat in den 40 Jahren sieben Fahrzeuggenerationen erlebt.

Ruedi Hunziker hat in den 40 Jahren sieben Fahrzeuggenerationen erlebt.

Fast 40 Jahre lang lenkte Ruedi Hunziker den Kehrichtwagen durchs Suhren- und Ruedertal und erlebte dabei sieben Fahrzeuggenerationen. Nun wurde er pensioniert. Für die az erinnert er sich an die vielen Veränderungen seiner langen Karriere zurück.

Eigentlich wäre Ruedi Hunziker gerne Landwirt geworden. Der Bauernsohn wuchs in Schmiedrued auf. «Bei fünf Geschwistern kann halt nur eines den Hof übernehmen», sagt er. Deshalb machte Ruedi Hunziker die Chauffeur-Prüfung. Bei einem Job lernte er Ernst Hofmann kennen, Seniorchef der Transportfirma E. Hofmann AG in Schöftland.

Diese Firma hatte seit Mitte der 60er-Jahre den ersten Kehrichtwagen in der Region und erledigte die Abfuhr für 14 Suhren- und Ruedertaler Gemeinden. Ein Glücksfall, wie sich herausstellen sollte: Am 1. März 1978 trat Ruedi Hunziker bei der E. Hofmann AG die Festanstellung als Chauffeur an. Bis zu seiner Pensionierung Ende Februar 2017 sollte er die Firma nicht mehr verlassen.

Wenige Jahre nach Ruedi Hunzikers Stellenantritt wurde der Posten des Kehrichtwagen-Chauffeurs frei. «Das wollte zu der Zeit niemand machen», so Ruedi Hunziker. «Aber mir hat es gefallen.» Er sei zwar eher ein stiller Typ, doch er möge den Kontakt mit den Menschen. Und als junger Vater von zwei Söhnen war er froh um die «ziemlich geregelten Arbeitszeiten».

Als er die Routen und «all die Leute» kannte, wollte Ruedi Hunziker nicht mehr weg. Nicht zuletzt wegen der familiären Atmosphäre in der kleinen Firma: «Bei Grossunternehmen ist der Chauffeur nur eine Nummer. Hier werden die Mitarbeiter nach ihrer Meinung gefragt, und die Arbeit wird immer wertgeschätzt.» Wenn es ihm nicht gefallen hätte, wäre er kaum so lange geblieben, fügt Ruedi Hunziker an.

Gruben, KVA und Waagen

Ruedi Hunziker war immer wieder mit grossen Änderungen konfrontiert. Als er anfing, hatten viele Gemeinden noch Gruben («Schutti»), in die sie den Abfall kippen liessen. Die Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Buchs gab es zwar damals schon, aber noch nicht in der heutigen Grösse.

Sieben Fahrzeuggenerationen hat Hunziker erlebt, immer modernere Modelle. Eine eingebaute Waage, Kameras und Gegensprechanlage gehören heutzutage zum Standard. In manchen Dörfern aber scheint die Zeit abfalltechnisch stehen geblieben zu sein: Statt Plastiksäcken stehen dort immer noch Futtersäcke an der Strasse.

Ruedi Hunziker, der 40 Jahre lang Kehrichtwagen-Chauffeur im Suhren- und Ruedertal war, erzählt eine lustige Anekdote von einer Spezialabfuhr in Safenwil.

Ruedi Hunziker, der 40 Jahre lang Kehrichtwagen-Chauffeur im Suhren- und Ruedertal war, erzählt eine lustige Anekdote von einer Spezialabfuhr in Safenwil.

Auch die Verkehrszunahme hat Ruedi Hunziker hautnah miterlebt. Mehrmals täglich fuhr er in die KVA Buchs. Seit den Anfängen hat sich die Fahrzeit verdreifacht. Früher hatte er Zeit, sich auf einen Kaffee einladen zu lassen; heute liegt das kaum mehr drin.

Er sieht und schweigt

Von seinem erhöhten Sitz aus, von dem «man über die Zäune in die Gärten hineinsehen kann», hat Ruedi Hunziker vieles gesehen. Auch viel Privates. Darüber bewahrt er Stillschweigen. Dafür erzählt er, wie ihm mal einer der Belader hinten vom Wagen heruntergefallen ist: «Er wollte den Handschuh anziehen und hat sich nicht gut festgehalten. Plötzlich sah ich einen Hut heranrollen und hinterher den Belader.» Nur zweimal in seiner Karriere sei einer heruntergefallen, sagt Hunziker. «Zum Glück ist nie etwas Ernstes passiert.»

Manchmal sprudeln die Worte nur so aus Ruedi Hunziker heraus – etwa, als er von den drei Enkelkindern spricht. Er freut sich darauf, nach der Pensionierung mehr Zeit für sie zu haben. «Und für lange Spaziergänge im Wald.»

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