Schlossrued

Dieser Sägerei-Patron sitzt mit 75 noch auf dem Gabelstapler

Hat eine kleine Sägerei wie die Ruedersäge eine Zukunft? Ja, sagt Patron Arthur Schneider bei einem Besuch, es brauche dafür aber neue Ideen.

Arthur Schneider kann es nicht lassen. Kurz bevor hoher Besuch bei der Ruedersäge in Schlossrued eintrifft, setzt sich der 75-jährige Patron auf den Gabelstapler. Holzpaletten, die soeben angeliefert wurde, müssen ins Lager.

Hoher Besuch in Schlossrued: Arthur Schneider führt durch seine Sägerei.

Hoher Besuch in Schlossrued: Arthur Schneider führt durch die seine Sägerei.

«Es ist Znüni-Zeit, da springe ich gerne für unsere Mitarbeiter ein», sagt Schneider, der kurz darauf mit gewaschenen Händen viele Hände schütteln darf: Vertreter aus Politik und Holzbranche haben die Einladung des Familienunternehmens für einen Rundgang durch die Sägerei angenommen, darunter Regierungsrat Urs Hofmann, der regelmässig Firmen im Kanton besucht.

«Unsere Sägerei gibt es seit 46 Jahren, was nicht selbstverständlich ist», sagt Arthur Schneider in seiner Begrüssung, und zupft ein Papier aus der Tasche. Der Handelsregister-Eintrag von 1970, als Holzhändler Schneider die Sägerei von einem Bauern gekauft hatte und vor dem Konkurs rettete.

«Damals gab es fünf Sägereien im Ruedertal, heute sind nur noch wir da.» Die Sägereibranche habe schwere Zeiten hinter sich und bleibe gefordert. «Eine Sägerei allein rentiert nicht, es braucht mehr.» Mehr bedeutet in der Ruedersäge zum Beispiel ein Roboter, der Paletten zusammenbaut – eine Premiere in der Schweiz.

Der Palettenroboter in Aktion.

Ein lila Schwede baut Paletten zusammen

Die Ruedersäge AG hat sich einen schweizweit einzigarten Mitarbeiter: einen Palettenroboter. Das Video vom Februar 2016 zeigt ihn in Aktion. 

Die Sägerei kann weiter wachsen

Dann übergibt Verwaltungsratspräsident Arthur Schneider das Wort an Geschäftsführer Pascal Schneider. «Mein Sohn ist kompetenter, ich bin nur noch im Hintergrund», verrät der Patron später einem Besucher.

Pascal Schneider führt die Gäste zwei Stunden durch die Sägerei, wo es surrt, rumpelt, und knackt. Trotz hohem Lärmpegel kommen die Teilnehmer ins Gespräch, darunter Vreni Friker, Präsidentin vom Aargauischen Waldwirtschaftsverband, und Daniel Wehrli, Präsident von Pro Holz Aargau. Eines der Themen: Kann eine kleinere Sägerei wie jene im Ruedertal überleben?

Gäste aus Politik und Holzbranche lassen sich die Ruedersäge zeigen.

Gäste aus Politik und Holzbranche lassen sich die Ruedersäge zeigen.

Die Schneiders blicken optimistisch in die Zukunft. Man habe sich Nischenprodukte gesucht, unter anderem hochwertige Absperrlatten für Baustellen, die mit dem Hightech Zentrum Aargau entwickelt wurden. Vor wenigen Jahren hat das Familienunternehmen zudem rund 8000 Quadratmeter Land neben der Sägerei gekauft.

«Wir können unsere Fläche damit bei Bedarf verdoppelt», sagt Arthur Schneider. «Wir wollen und werden weiter bestehen.» Und der Patron selbst will noch lange auf dem Gabelstapler sitzen. Eine Anekdote am Randes des Rundgangs lässt daran keinen Zweifel: «Als ich den 70. Geburtstag feierte, sagte ich den Gästen: bleibt gesund, schaut zu Euch – ich will Euch zum 100. wieder sehen!»

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