Zetzwil
Dieser Renault aus dem Jahr 1905 fährt noch wie am Schnürchen

Franz Morgenegg aus Zetzwil hat die Restaurierung eines Renault 1905 organisiert und geleitet. Maximal 30 Stundenkilometer kann sein majestätisches «Taxi de la Marne» fahren.

Peter Siegrist
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Beim Traktorensammler Franz Morgenegg in Zetzwil steht gegenwärtig ein wahres Bijou in der Fahrzeughalle: Ein Renault AG mit dem Jahrgang 1905. Zum Starten füllt Morgenegg etwas Benzin in den Vergaser, setzt vorn die Kurbel an die Welle. Zwei Umdrehungen, und der Zweizylindermotor dreht; der Renault springt besser an als manch ein Rasenmäher.

Morgenegg steigt auf (fast wie ein Kutscher auf den Bock), legt den ersten Gang ein und rollt majestätisch aus der Halle. Das Auto ist so sauber geputzt und poliert, dass man damit ohne Sorgen in die gute Stube rollen könnte.

Schweben statt fahren

Der Renault AG bringt mit seinem 1200-er Motor 9 PS auf die Räder. Das Fahrwerk gleicht noch stark dem einer Kutsche, die Karosserieaufbauten auch. «Die Federung ist so weich», sagt Morgenegg, «das man gleichsam über die Strasse schwebt.» Im dritten Gang liegt die Maximalgeschwindigkeit bei rund 30 Stundenkilometer. «Aber nur geradeaus», schmunzelt Morgenegg, «am Böhler bin ich nämlich stehen geblieben.»

Der Renault wurde zwischen 1905 und 1910 gebaut und war vor allem in Paris als Taxi im Einsatz – deshalb der Zähler auf der rechten Seite. 1914 hat die französische Armee die Pariser Taxi eingezogen und rund 6000 Mann an die Front, in die Schlacht an der Marne geführt. Seither tragen die Fahrzeuge den Beinamen «Taxi de la Marne». Morgenegg hat im Auftrag des Besitzers Hans Hunziker die Restauration organisiert und selber am Motor gearbeitet. Die Räder stammen von Wagner Öhrli in Gontenschwil. Heute ist das Taxi in Safenwil an der Oldtimer-Ausstellung zu sehen.

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