Loris Cimino
Dieser Reinacher träumt von einer DJ-Karriere – und zieht dafür nach Amsterdam

Loris Cimino produzierte schon für den holländischen DJ Hardwell, doch das reicht dem 20-Jährigen noch nicht.

Nanja Suter
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Loris Cimino zieht diesen Sommer nach Amsterdam, um weiter an seiner Karriere zu arbeiten.

Loris Cimino zieht diesen Sommer nach Amsterdam, um weiter an seiner Karriere zu arbeiten.

ZVG

Wenn Loris Cimino über Musik spricht, sprüht er vor Elan und Begeisterung. Musik ist die grösste Passion des Schülers der Alten Kantonsschule, der gerade in seinen Abschlussprüfungen für die Matura steckt. «Ich wollte schon immer nur Musik machen, es macht mich glücklich und ist mein grösster Wunsch.»

Im Alter von fünf Jahren begann der Reinacher, Schlagzeug zu spielen; später kam dann noch die Gitarre dazu. Cimino war in der siebten Klasse, als er erstmals eine Software zum Produzieren von Musik für sich entdeckte. «Mein Cousin war DJ, und wie es so ist, wollte ich ihm natürlich nacheifern.» Am Anfang war der heute 20-Jährige mit der komplexen Software total überfordert: «Ich hab einfach irgendetwas probiert und hatte keine Ahnung, was ich da genau mache», erklärt er lachend. Bei der Software handelt es sich um eine «Digital Audio Workstation». Mit dieser stellt man digital einzelne Töne, wie zum Beispiel Klavier- oder Gitarrenklänge, zusammen und bildet daraus einen Song.

Von grossen Künstlern gelernt

Dank Youtube-Anleitungen, in denen Künstler wie der kürzlich verstorbene schwedische Produzent und DJ Avicii erklärt, wie sie ihre Hits produziert haben, lernte Loris, das Programm besser zu bedienen. Nach zwei Jahren tüfteln merkte der damals 15-Jährige, dass er mit dem Produzieren von Songs seine Passion gefunden hatte. «Ich habe mehr Zeit mit meiner Musik verbracht als mit irgendwas Anderem und sass bis spät in die Nacht vor meinem Computer.» Dabei eiferte der Reinacher vor allem einem Idol nach: dem holländischem DJ Hardwell. «Ich habe mich immer an internationalen Künstlern orientiert, weil diese meiner Meinung nach von der Qualität her in einer anderen Liga spielen als die Schweizer.»

Nach weiteren drei Jahren schickte er seine ersten Tracks an das Label, welches auch die Songs von Hardwell veröffentlichte. Doch es kam keine Antwort. «Ich war wahnsinnig enttäuscht und irgendwie auch fast schon beleidigt. Ich habe hart gearbeitet und mir Mühe gegeben. Sie haben sich die Tracks wahrscheinlich nicht einmal angehört.» Irgendwann sah der Nachwuchs-Produzent aber ein, was ihm noch fehlte: Der Wiedererkennungswert «Ich habe immer den Fokus auf die Qualität meiner Songs gelegt, es reicht aber nicht, eine gute Qualität abzuliefern. Die Songs müssen nach mir klingen.»

Loris blieb hartnäckig. «Ich traf den Manager von Hardwell an einem Musikkongress. Das erste Mal sagte er mir, dass er keine Zeit habe. Das nächste Mal gab er mir seine Visitenkarte.» Der 20-Jährige schickte daraufhin einige Songs an den Manager. Im Februar 2018 folgte der Durchbruch. Das Label veröffentlichte einen ersten Track von Loris zusammen mit denen von verschiedenen anderen Künstlern. Eine riesige Ehre für den jungen Reinacher, jedoch noch lange nicht genug: «Eine Veröffentlichung ist grandios – aber sobald du sie hast, kämpfst du für die Nächste.»

Lob vom grössten Idol

Im Oktober 2017 zog es Loris an ein weiteres Event der Szene. «Dort gab es einen Wettbewerb, in dem man innerhalb von 90 Minuten einen neuen Remix eines Liedes von Hardwell produzieren musste.» Das Überraschende: Der Starproduzent selbst hörte sich die Ideen der Teilnehmer direkt im Studio an. Am besten gefiel ihm die von Loris. «Dann sagt dir einfach dein grösstes Idol, dass ihm deine Idee gefällt, das war ein unglaublicher Moment», erinnert sich Loris. Der Produzent lud den Reinacher anschliessend sogar Backstage zu seiner Label-Night ein.

Loris hat weitere Songs produziert, welche er gerne veröffentlichen möchte. Inzwischen hat der 20-Jährige zudem einen Vertrag mit einem italienischen Management unterschrieben. Nach der Matura zieht er für ein Jahr nach Amsterdam und besucht dort eine Musikschule. Loris will weiterhin produzieren und noch mehr lernen. «Nichts macht mich glücklicher, als wenn ich ins Bett gehe, und weiss, dass ich einen geilen Song produziert habe.»