In Zetzwil will ein politischer Newcomer ganz nach oben. Polizist Daniel Heggli kandidiert nicht nur als Gemeinderat, er will auch gleich in die Fussstapfen des abtretenden Ammanns Thomas Brändle treten. Von den vier Bisherigen, die wieder antreten, macht ihm das Amt keiner streitig (siehe Text nebenan). «Der Ehrgeiz hat mich gepackt», sagt der 54-Jährige im Gespräch mit der AZ. «Der Zeitpunkt ist perfekt, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen – in beruflicher Hinsicht, wie auch vom Gemeinderatsteam her. Ich habe vier erfahrene Kollegen im Boot, das stimmt mich zuversichtlich.»

An Führungserfahrung mangelt es ihm nicht – und auch nicht an der Fähigkeit, sich blitzschnell auf neue Situationen einzustellen und Entscheidungen zu treffen. Daniel Heggli war 25 Jahre lang bei der SE Argus tätig, jener Sondereinheit der Aargauer Kantonspolizei, die in Situationen mit erhöhter Gefährdung zum Einsatz kommt. Das war zwischen 1989 und 2015. Ab 2007 stand er der Spezialtruppe vor. Dies neben seinem damaligen Amt als Dienstchef Sicherheitspolizei.

Zusammenarbeit statt Unterordnung

Heute leitet er zwar immer noch eine spezielle Polizeieinheit, dennoch ist es etwas ruhiger geworden um den einstigen Interventionsspezialisten. Seit zwei Jahren ist Daniel Heggli Dienstchef Fokus. Dieses sogenannte Brennpunkt-Element bildet die Einsatzreserve der Kantonspolizei. Die Schwerpunkte liegen bei der Bekämpfung der Einbruchkriminalität, der Verhinderung von Gewalt im öffentlichen Raum und der präventiven Kontrolltätigkeit an sogenannten Hotspots im Aargau, etwa um den Bahnhof Aarau.

Müssen sich seine Gemeinderatskollegen künftig warm anziehen, sollte er gewählt werden? Daniel Heggli lacht. «Nein», sagt er. Sicher sei er gewohnt, Entscheidungen zu fällen und zu argumentieren. Wer aber einen militärischen Führungsstil erwarte, habe falsche Vorstellungen. «Bei der Polizei wird Teamarbeit grossgeschrieben. Hierarchien spielen nicht gleich wie im Militär. Bei uns gehts um Zusammenarbeit nicht um Unterordnung.» Und so wolle er es auch im Gemeinderat halten.

Daniel Heggli ist zusammen mit vier Geschwistern auf einem Bauernhof im kleinen Spreitenbacher Weiler Heitersberg aufgewachsen. Seit 17 Jahren lebt er im Wynental. Nachdem er 1999 Postenchef in Unterkulm wurde, zog er im Jahr darauf in den Bezirkshauptort. Seit 2008 wohnt er in Zetzwil, zusammen mit seiner hier aufgewachsenen Frau Magdalena, geborene Roth, und den beiden Töchtern Noemi (23) und Salome (21).

Hier ist es ihm wohl, im ländlichen Dorf am Sonnenhang, «wo man einander noch kennt», wie er sagt. «Das hab ich gern.» Hier, mit der Natur vor der Haustür, könne er gut abschalten. Hier habe er beste Möglichkeiten, seinem Hobby, dem Ausdauersport, nachzugehen. So trifft man ihn denn auch nicht selten im Laufschritt oder auf dem Velo an.

Sein Wunsch, in die Politik einzusteigen, ist nicht neu. Schon als vor zwei Jahren für Jürg Maurer ein Ersatzmitglied in den Gemeinderat gesucht wurde, hatte er sich für das Amt interessiert. Doch standen zeitgleich interne berufliche Veränderungen an, sodass an eine Kandidatur nicht zu denken war. Unterdessen sei er in seiner neuen Aufgabe gefestigt.

«Nach reichlicher Überlegung bin ich zum Schluss gekommen, dass ich das jetzt packen kann.» Seine Motivation? «Ich war noch nie einer, der sich gerne in den hinteren Reihen versteckte. Ich hatte schon immer den Drang, Verantwortung zu übernehmen», sagt er und ergänzt: «Jemand muss das machen, und ich kanns mir in meiner beruflichen Funktion gut einrichten. Da ich gelegentlich auch nachts und an den Wochenenden arbeite, kann ich auch Termine unter der Woche wahrnehmen.» Und da nächstes Jahr ein Dienstaltersgeschenk in Form von zusätzlichen Ferientagen hinzukomme, habe er optimale Startvoraussetzungen.

Kein Typ fürs Parteibuch

Daniel Heggli kandidiert als Parteiloser. Warum? «Ich will mich nicht festlegen», sagt er. «Und schon gar keine Wahlversprechungen machen.» Die Wähler müssten sich halt ein bisschen überraschen lassen – wie auch er sich überraschen lasse. Einem Parteibuch folgen, will er nicht. Da hält er sich lieber an die Sache. Wichtig sei ihm, dass die Finanzen weiterhin im Lot blieben. «Das ist sehr anspruchsvoll. Eine grosse Herausforderung in Zeiten, in denen der Kanton immer mehr Aufgaben auf die Gemeinden abwälzt.» Darauf werde er sicher seinen Fokus legen. «Auch möchte ich mich dafür einsetzen, dass Zetzbu eine attraktive Wohngemeinde bleibt.» Ansonsten habe er sich keine grossartigen Ziele gesteckt – abgesehen davon, ein «stützendes Mitglied des Gemeinderats» zu werden. Nur eins: «Irgendwie muss man es fertig bringen, mehr Leute, vor allem Junge, an die Gemeindeversammlungen zu bringen.» Er wisse zwar noch nicht wie, aber das wolle er schaffen.