Schöftland
Dieser Mann baut das Landkino der Superlativen

«Cinema 8»-Betreiber Rolf Häfeli wagt die Flucht nach vorne. Er baut in Schöftland einen Kinokomplex: Fünf Kinosäle sollen es sein, plus ein Hotel, eine Bowlinganlage, ein Restaurant und eine VIP-Zone mit separatem Eingang.

Aline Wüst
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Solothurner Zeitung

Das «Cinema 8» in Schöftland hat einen Kinosaal, aber nicht mehr lange. 16 Millionen will Landkino-Betreiber Rolf Häfeli investieren. Fünf Kinosäle will er bauen, plus ein Hotel, eine Bowlinganlage, ein Restaurant und eine VIP-Zone mit separatem Eingang. «Wenn alles klappt, starten wir im Frühling mit dem Bau», sagt Häfeli. Drei Einsprachen sind gegen das Projekt eingegangen.

Eine Nasenlänge voraus war Rolf Häfeli der Schweizer Kinowelt schon einmal. Als Erster in der Schweiz zeigte er in seinem Kino 3-D-Filme. Im neuen Kino-Komplex soll nun entstehen, was in Europa noch nie jemand gesehen hat. Seine Vision: Nach einer heissen Dusche in einem «Cinema 8»-Hotelzimmer hüllt man sich in den Bademantel, bestellt sich ein Glas Prosecco und tritt auf den Balkon des Zimmers. Der gibt die Sicht frei auf einen riesigen Kinosaal. Man macht es sich auf dem Sessel bequem und auf der Leinwand verliebt sich die neuste Hollywoodschönheit in den armen Schlucker aus der Bronx.

«Die Leute wollen heute nicht ins Kino und gleich wieder nach Hause», erklärt Häfeli. «Heute muss man eine Traumwelt schaffen, die Leute verzaubern und sie den Alltag vergessen lassen.» Genau das plant Häfeli. Und das muss er auch, wenn sein Landkino in Zukunft gegen die Konkurrenz bestehen will. Sein grösstes Problem sind heute die Kompromisse.

Vorgabe des Verleihers ist es, einen Film mindestens zwei Wochen lang zu zeigen. «Pro Jahr kann ich inklusive Kinder- und Sonntagsvorstellungen höchstens 80 Filme abspielen. 320 mehr werden in der Schweiz jährlich angeboten. «Setze ich einmal aufs falsche Pferd», verliere ich Geld und Stammkunden – die sich ihren Lieblingsfilm dann woanders ansehen. Wenn der neue Kinokomplex steht, kann Häfeli alles zeigen, was er möchte.

Ist das nicht zu viel des Guten? Häfeli ist überzeugt, dass er nur so überleben kann. Ein erster Anlauf, das Kino der Zukunft zu bauen, ist vor ein paar Jahren gescheitert – nun soll es klappen. Dass es klappt, davon ist auch sein Architekt, der Rheintaler André Loretan, überzeugt. Er hat schon einige Kinos gebaut. In drei Jahren wird Loretan pensioniert. «Eigentlich wollte ich kein Kino mehr bauen», sagt er. Aber zwischen Häfeli und Loretan hat es gefunkt. «Ich habe gesehen, dass Rolf Kino mit Leidenschaft macht, darum hat das Architekturbüro ‹ATM3› den Auftrag angenommen.»

Die Liebe zum Kino entflammte bei Häfeli schon im Kindesalter. Seine Grosstante führte das letzte Kino in Schöftland, das vor bald 30 Jahren den letzten Film zeigte. Häfeli war oft dort anzutreffen. Mit einer Super 8 drehte er als 16-Jähriger seinen ersten Film – einen Anti-Kriegsfilm. 1999 baute er das «Cinema 8», das auch dank der integrierten Bar zu einem Treffpunkt in Dorf geworden ist.

Häfeli ist ein sympathischer Typ. Er ist auf dem Boden geblieben trotz cineastischem Höhenflug. Denn ein Höhenflug wird sein neues Kino: Wirklich sehr viele Menschen können gleichzeitig verschiedene Filme schauen, fast eine beträchtliche Anzahl kann gleichzeitig sitzend etwas trinken oder essen. Zum Beispiel mexikanisch – und zwar auf zwei Stockwerken. 32 Leute können auf acht Bahnen bowlen. Und wer gar nicht mehr nach Hause will, der schläft in einem der 20 Zimmer. Damit das Kino tagsüber nicht brachliegt, können die Kinosäle für Konferenzen gemietet werden. Dies offenbaren die grossen Baupläne. Auf Häfeli kommt eine strenge Zeit zu.

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