Schöftland

Dieser Künstler lebt und arbeitet eine Woche lang in der Schöftler Natur – nackt

Bruno Schlatter begrüsst Martin Gut, der sich seiner Kunstaktion mit Haut und Haaren verschrieben hat.

Bruno Schlatter begrüsst Martin Gut, der sich seiner Kunstaktion mit Haut und Haaren verschrieben hat.

Künstler Martin Gut wird eine Woche lang in der Natur leben und arbeiten. Das Überleben ist bereits gesichert: Freunde und Fremde haben zu Beginn des Kunstprojektes einen ganzen Stapel an Notwendigem gespendet.

Der Nebel hängt tief und unwirtlich im Wald über Schöftland. Martin Gut geniesst seine letzte Suppe vom Herdfeuer. Dann entledigt er sich seiner Kleider, seiner Schuhe und schreitet, wie Gott ihn geschaffen hat, einen Hügel hinan zu einem Stückchen Land. Dieses wird ihm während der nächsten sechs Tage Heimstätte sein.

Auf Einladung von Bruno Schlatter, Querkopf und seines Zeichens König der kulturellen Mikronation Noseland, widmet sich der Luzerner Künstler während einer Woche dem Projekt «Überleben». Er wird in der Natur hausen und aus ihren Erzeugnissen ein Kunstwerk schaffen. Daneben hält er seine Gedanken in einem Blog fest. Täglich darf er dafür kurz das Internet in einem benachbarten Haus nutzen.

Künstler Martin Gut wird eine Woche lang in der Natur leben und arbeiten

Künstler Martin Gut wird eine Woche lang in der Natur leben und arbeiten

Den Wetterbericht für die aktuelle Woche habe er vorgängig nicht studiert, sagt Martin Gut. Über drohende Unwetter macht er sich keine Gedanken. «Das entspricht ein wenig auch meinem Lebens- und Arbeitsstil. Es gibt Dinge, die man nicht planen kann, auf die man reagieren muss.»

Bruno Schlatter begrüsst den Künstler, der sich seiner Aktion wortwörtlich mit Haut und Haaren verschrieben hat, am Montagnachmittag mit einem Badetuch und führt ihn zu den vielen Gegenständen, die im Voraus von fremden und befreundeten Leuten gespendet wurden und die Martin Gut das Leben erleichtern werden.

Mit Besuchern unterhalten

«Ich bin überrascht über die vielen Spenden. Ich denke, ich habe alles, was ich für die Woche benötige», sagt Martin Gut.

Er greift sich eine Thermounterhose aus dem Stapel an Gegenständen, der am Rande des Landstückes entstanden ist. Allerdings passt die Unterhose nicht. «Das ist halt eine der Schwierigkeiten, die sich bei gespendeter Wäsche ergeben kann», sagt er und findet schnell passende Stiefel, eine Hose und eine Jacke.

Nun wird er die zwei Zelte aufstellen, die ebenfalls gespendet wurden. Mit der Arbeit am Kunstwerk, das seinen Entstehungsbedingungen entsprechend als «Landart» bezeichnet wird, will er am nächsten Tag beginnen.

Über seine spezielle Kunstaktion hat die Presse schon im Vorfeld berichtet. Dabei habe er vor allem polarisierte Reaktionen erhalten, sagt Martin Gut.

«Das Projekt ist auch wegen der laufenden Berichterstattung ein spannendes. Denn das bedeutet, dass man die Kontrolle darüber ein Stück weit verliert. Allerdings meinen die Leute scheinbar, entweder müsse man etwas gut oder schlecht finden. Das hat mich schon etwas erstaunt. Man kann den Eindruck gewinnen, als dürfe man keine neutrale Haltung mehr einnehmen bezüglich einer solchen Aktion.»

Gerne will sich Gut mit Besuchern, die sich während der Woche ein eigenes Bild machen wollen, über seine Kunst unterhalten. Für ihn von besonderem Interesse seien zunehmend Kunstprojekte, die erst über Interaktion funktionieren. Auch das «Überleben»-Projekt falle in gewissem Sinne in diese Kategorie. Schliesslich hätte es ohne die vielen Spenden kaum stattfinden können.

Künstler Martin Gut.

Künstler Martin Gut.

Blog mit Gedanken über die Kultur

Welcher Art das Kunstwerk sein wird, das nun im Verlaufe einer Woche entsteht, über dessen Grösse oder das verwendete Material, darüber kann Martin Gut am Montagnachmittag noch nichts sagen: «Das Kunstwerk entwickelt sich mit und in seinem Prozess und ist von meinen Intuitionen bestimmt.»

Wichtig ist Martin Gut auch die digitale Begleitung seines Kunstprojektes. In seinem Blog wird er sich Gedanken machen über die Kultur, über die Zivilisation, über die Natur und das Vorhaben der Flucht.

Für Veranstalter Bruno Schlatter ist es naheliegend, die Wiese in Schöftland, die er als Noseland zu einem eigenen Land und zu Kunst erklärt hat, mit einer Aktion, wie sie Martin Gut durchführt, zu bereichern. «Bei diesem Projekt spielen soziale und ökonomische Faktoren eine Rolle. Ausserdem wird eine gute künstlerische Grundhaltung widergespiegelt: Der Künstler muss mit dem auskommen, was ihm zur Verfügung steht.»

Das von Martin Gut geschaffene «Landart»-Kunstwerk wird am kommenden Sonntag vorgestellt. Der begleitende Blog kann auf www.gut.ch gelesen werden.

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