Viel zu lesen habe man als Grossrat, sagt Uriel Seibert. Der 24-jährige Schlossrueder muss es wissen: Seit dem 1. Dezember sitzt er für die EVP im Grossen Rat und hat seither schon eine rechte Beige Akten studiert. «Man muss sich informieren, wenn man es gut machen will», erklärt er. Auch das Zuhören gehöre dazu. «Andere Meinungen zulassen und durchdenken, auch wenn man sie zuerst nicht gut findet.»

Am Neujahrsmorgen stellte Gemeindeammann Martin Goldenberger beim traditionellen Apéro den jungen Grossrat vor – allerdings kennen ihn die meisten Schlossrueder bereits, ist Uriel Seibert doch im Dorf aufgewachsen, zusammen mit sieben Geschwistern. In der Grossfamilie hat er die Sozialkompetenz erworben, die ihm bei seiner Ausbildung zum Lehrer der Stufe Sek 1 gute Dienste leistet. Dieser Beruf stand nicht von vornherein fest, in der Kanti favorisierte Seibert zuerst ein Studium im Bereich Wirtschaft oder Finanzen.

Musiker und Schiedsrichter

Wegen seiner Liebe zur Musik entschied er sich allerdings für den Lehrerberuf, da dieser ihm die Verbindung von Beruf und Hobby ermöglicht. In seiner Freizeit spielt der junge Grossrat Gitarre, insbesondere in einer Band der Minoritätsgemeinde Aarau. Auch als Fussballschiedsrichter ist er im Einsatz. In gut einem Jahr wird er seine Ausbildung abschliessen, bereits jetzt unterrichtet Seibert in einem Teilzeitpensum an der Schule Gränichen und wird später nach Aarau wechseln. Um genug Zeit für das Grossratsmandat aufbringen zu können, will er seine musikalischen und sportlichen Engagements einschränken.

Geprägt hat den jungen Mann unter anderem ein sechsmonatiger Schüleraustausch, den er in Chile verbrachte. «Es war spannend, eine neue Kultur kennen zu lernen, aber ich habe gemerkt, wie stark ich in der Schweiz verankert bin», erklärt er. Sein Heimatland hat er in Südamerika erst recht schätzen gelernt: die Pünktlichkeit der öffentlichen Verkehrsmittel, das saubere Trinkwasser.

Erste politische Erfahrung hat Seibert in der Jugendkommission Schlossrued und Schmiedrued sowie in der Kulturkommission Schlossrued gesammelt, diese Tätigkeiten bei Studienanfang jedoch aufgegeben.

Bauern unterstützen

Das Grossratsmandat bedeutet für den jungen Schlossrueder auch ein grosses Bekenntnis zur Region und zum Bezirk. Deshalb will er sich besonders für die kleinen Landgemeinden starkmachen, zum Beispiel beim Finanz- und Lastenausgleich. Daneben sollen Bauern und der Industriesektor seiner Ansicht nach stärker unterstützt werden, zum Beispiel mit Importzöllen, auch wenn dies mehr Isolationismus bedeute, sagt Uriel Seibert. Als zukünftigem Lehrer steht er natürlich die Bildungspolitik besonders nahe. Hier fordert er mehr Eigenverantwortung der Eltern. «Wenn immer mehr Erziehungsaufgaben an die Lehrer delegiert werden, leidet die Bildung», erklärt er. Ausserdem möchte er sich für die Anliegen der Christen einsetzen, zum Beispiel dafür, dass Freikirchen für ihre Jugendarbeit Bundesgelder erhalten.

An der Fraktion der EVP, die er im ersten Monat seiner Grossratstätigkeit kennen gelernt hat, schätzt Seibert vor allem die Offenheit. «Es werden verschiedene Meinungen zugelassen», erzählt er. Bei der Entscheidungsfindung will er als Erstes seine eigene Meinung berücksichtigen, dann überlegen, was dem Bezirk Kulm nützt und schliesslich die Argumente der Partei berücksichtigen. Als kleine Fraktion könne die EVP bei Entscheidungen oft das Zünglein an der Waage spielen, findet Seibert.