Oberkulm

Dieser Aargauer hat ein spezielles Hobby – er handelt mit Ameisen

Marc Erne hält, verkauft und handelt mit verschiedenen Ameisenarten. Seine Freundin musste sich erst an das spezielle Hobby gewöhnen.

Die einen halten einen Hund als Haustier, vielleicht Meerschweinchen oder einen Hasen. Nicht so Marc Erne. Gegen die Haustiere des Oberkulmers würden die meisten anderen Insektenschutzmittel einsetzen. Seit mehr als zehn Jahren besitzt der 35-Jährige Ameisen. Inzwischen rund zwölf verschiedene Kolonien aus Europa, Afrika, Südamerika und Asien. Erne, hauptberuflich Logistiker bei der ABB Lenzburg, hat nun auch einen Ameisen-Shop eröffnet. Er ist zertifizierter Importeur der Insekten, und unter www.swiss-ants.ch verkauft er Ameisenarten und Zubehör zur Haltung. Neben ihm gibt es nur wenige andere Ameisenverkäufer in der Schweiz.

Ein Teil von Marc Ernes Ameisenarten lebt in einem Schrank im Wohnzimmer des Einfamilienhauses. Die Ameisenarbeiterinnen und -königinnen wuseln in Boxen aus Glas oder Plastik, sogenannten Formicarien, Reagenzgläsern und Terrarien umher. In den Deckeln sind kleine Luftlöcher, die Reagenzgläser sind mit Watte verschlossen. Je nach Art sind die Insekten nur wenige Millimeter klein oder einen Zentimeter gross.

Sie variieren in Farbe und Verhalten. Die Verschiedenheit der Tiere ist etwas, das Erne besonders fasziniert: «Schon als Kind sass ich stundenlang vor Ameisenhaufen und habe den Tieren beim Jagen zugeschaut», sagt er. Noch heute beruhigt es ihn sehr, wenn er nach einem strengen Arbeitstag seine Kolonien beobachten kann. «Jede Art kommuniziert, frisst oder verhält sich anders. Die einen sind eher scheu, die anderen sind aggressiver. In jedem Formicarium herrscht eine eigene, kleine Welt», sagt Erne.

Olga, Frida und Tollpatschi

Marc Erne legte sich seine erste Ameisenkolonie vor zehn Jahren zu. Damals lebte er alleine und suchte ein passendes Haustier zur Beschäftigung. Heute hat Erne eine 8-jährige Tochter und lebt mit seiner Freundin Melanie von Arx (25) zusammen. Es gelang ihm, beide mit seiner Faszination anzustecken – jedoch mit Startschwierigkeiten. Von Arx erzählt: «Als ich frisch mit ihm zusammen war, habe ich in den Kühlschrank geschaut und dort eine Ameisenkolonie entdeckt. Das war schon komisch.»

Im Kühlschrank lebte die Kolonie zur Überwinterung – Erne probiert, die Tiere möglichst an die Natur angepasst zu halten. Laut von Arx sind ein paar Ameisen auch schon ausgebrochen: «Dann haben die Katzen mit ihnen gespielt.» Inzwischen hat sich Melanie von Arx aber ans spezielle Hobby ihres Freundes gewöhnt. Sie gibt den Insekten sogar Namen wie Olga oder Frida. Manchmal benennt sie die Tiere auch nach ihren Charakterzügen – zum Beispiel «Tollpatschi». «Das war eine Ameise, die immer irgendwo hineingefallen ist», sagt sie.

Während zehn Jahren las Erne mehrere Fachbücher zum Thema Ameisen und vernetzte sich mit anderen Ameisenfans. Der Plan, einen eigenen Ameisenshop zu eröffnen, entstand jedoch spontan in einer Mittagspause bei der Arbeit. Erne regte sich bei einem Kollegen darüber auf, dass ihm eine fehlerhafte Kolonie verkauft wurde und die Tiere starben. «Mein Kollege riet mir, doch einfach selbst welche zu importieren und zu verkaufen.» Gesagt, getan. Innerhalb eines Jahres holte sich Erne alle nötigen Zertifikate und baute die Website auf. Im Februar folgte der Eintrag ins Handelsregister.

«Shop soll mein Hobby bleiben»

Nur – wer kauft ausgerechnet Ameisen, um sie als Haustiere zu halten? «Da gibt es keine spezielle Zielgruppe», sagt Erne. «Es sind Familien mit Kindern, ältere Ehepaare oder durchtrainierte Rocker.» Laut Erne gibt es aber auch einige zwielichtige Personen im Ameisenhandel. «Ich habe schon Anfragen bekommen, bedrohte oder invasive Arten zu importieren. Aber da ist mir die Gefahr für Tier und Natur zu gross.» Erne verschickt seine Ameisen nur dann, wenn es Wetter und Zustand der Kolonie zulassen und er den Käufern vertraut. Auch importiert er ausschliesslich Ameisenkolonien, die nicht aus dem Boden ausgegraben wurden. «Dort fehlen sie dann an dieser Stelle dem Ökosystem. Deswegen importiere ich nur Ameisen, die im Schwarmflug gefangen wurden, also während der Paarungszeit.»

Inzwischen hat sich Marc Erne eine Stammkundschaft aufgebaut, referiert in Schulen über Ameisen und stellt sie an Messen aus. Sein Pensum als Logistiker will er aber nicht reduzieren. «Der Ameisenshop soll mein Hobby bleiben. Ich möchte nicht in wirtschaftlichen Druck kommen und den Tieren nicht mehr die bestmöglichen Lebensumstände bieten können.»

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