Schöftland

Diese zwei sind mit dem Fehlmann-Areal verbunden

Giovanni Vidali (80) und seine Ehefrau Magda (75) im Fehlmann-Areal, wo sie sich kennen lernten. Aline Wüst

Giovanni Vidali (80) und seine Ehefrau Magda (75) im Fehlmann-Areal, wo sie sich kennen lernten. Aline Wüst

Giovanni Vidali arbeitete bei der Firma Fehlmann in Schöftland. Auch seine Frau ist mit dem Textilien-Imperium verknüpft: Magda ist verwandtschaftlich mit den Fabrikanten verbunden.

Als Jakob Fehlmann 1830 in Reitnau geboren wurde, legte er den Grundstein für eine grosse Liebe. Denn dieser Reitnauer Bauernbub, der wahrscheinlich mehr Initiative, mehr Ideen und vielleicht auch ein wenig mehr Glück hatten als andere – so ist es zumindest in einer Chronik festgehalten, begründete das Textilien-Imperium Fehlmann.

Und auf dem Areal dieses Textilimperiums lernte Giovanni Vidali fast 130 Jahre später seine Ehefrau kennen. Die Beiden verbindet heute die Liebe. Aber beide sind auch noch mit der Fehlmann AG verbunden: Giovanni Vidali hat den grössten Teil seines Lebens bei der Firma Fehlmann gearbeiteten und seine Frau Magda ist verwandtschaftlich verbunden mit den Fabrikanten.

Und diese Fehlmann-Fabrikanten geschäfteten gut. 1863 begann Jakob Fehlmann mit der Produktion von Arbeitskleidern. Mit Erfolg. Die Firma wuchs und wuchs. Jakob Fehlmann übergab die Firma an seinen Sohn und dieser übergab sie an seine Nachkommen. Zu den besten Zeiten beschäftigte die Fehlmann AG über 1000 Mitarbeiter und hatte Niederlassungen in der ganzen Schweiz und im Ausland.

Liebe durch Englisch-Kurs

Sechs Jahre nachdem die dritte Fehlmann-Generation das Ruder übernahm, kam der 26-jährige Schneider Giovanni Vidali als italienischer Gastarbeiter in die Schweiz. Bei seinem Grossvater lernte er das Handwerk. Er plante, nur ein paar Jahre hierzubleiben und dann in seine Heimat zurückzukehren. Aber es kam anders. Da gab es nämlich die schöne, intelligente Tochter aus dem Hause Fehlmann – Magda.

Sie sprach besser Italienisch als der Italiener Giovanni und dazu noch Englisch. Das Italienisch hatte die sprachbegabte Magda von Gastarbeiterkindern gelernt und Englisch als Au-pair in England. Und so fragte Vidali die Magda, ob sie ihm nicht Englisch beibringen könne. «Vielleicht war es ein Trick, um mit ihr zusammen zu sein», sagt er heute. Denn Englisch spricht Vidali heute nur ein paar Brocken. Wie auch immer: die beiden haben kurze Zeit später geheiratet. Giovanni Vidali sagt heute: «Ich hatte Glück. Hier in Schöftland fand ich Arbeit und meine Frau Magda.»

Bei Kontrollgang begleitet

Giovanni Vidali arbeitete 25 Jahre in Gränichen bei McGregor – einem amerikanischer Freizeitbekleider, der damals zu Fehlmann gehörte. Vidali macht die Schablonen für Prototypen von Jacken. «Das war eine schöne Zeit», erinnert er sich. Doch der Textilindustrie in der Schweiz ging es schlecht. 1986 schloss der McGregor Betrieb in Gränichen. Bis zu seiner Pensionierung arbeitete Vidali dann in Schöftland. Und 1997, ein Jahr nach seiner Pensionierung, stellten die Fehlmann ihre Produktion ganz ein. Alle Gebäude auf dem Areal wurden veräussert.

Welche Erinnerung haben die Vidalis ans Areal? Magda Vidali erzählt, wie sie früher ihren Vater am Abend bei seinem Kontrollgang im Areal begleitete. Sie wuchs auf dem Gelände auf. «Das Areal war unser Spielplatz», sagt sie. Und heute, da sehe das Fehlmann-Areal ganz anders aus. «Es ist ein himmelweiter Unterschied zu früher.» Aber sie sei nicht gegen das Neue. «Trotzdem reizt es mich nicht, die Gebäude von innen zu sehen», sagt sie bestimmt. Ihr Mann erzählt, dass viele, die bei Fehlmann arbeiten, es traurig fanden, als der Betrieb eingestellt wurde. Vidali selber findet es gut, dass es heute wieder Leben im Areal gibt.

Der Schneider Giovanni Vidali hat nach seiner Pensionierung nicht aufgehört zu schneidern. Seine Frau Magda verrät, dass er jedes Kleidungsstück, das er trägt, vorher noch abändere. Und für seine Kinder und Enkelkinder die Kleider selber mache. Nach Italien zurückgekehrt ist Vidali nie. Warum? «Italien ist schön für Ferien, aber nicht zum Wohnen», sagt Magda Vidali an seiner Stelle.

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