Bottenwil

Diese Wasserbüffel dürfen die Hörner behalten

Ursula Keist aus dem luzernischen Hintermoos an der aargauischen Grenze bei Bottenwil züchtet Wasserbüffel. Und ihre Tiere dürfen die Hörner behalten. «Das macht das Urtier aus».

Im luzernischen Hintermoos an der aargauischen Grenze bei Bottenwil liegt der Hof von Ursula Keist. Anfang April hat die Landwirtin das Gut von ihrem Vater übernommen. Wie schon ihr Vater hat sich auch Ursula Keist der Viehzucht verschrieben. Genauer: der Wasserbüffelzucht.

Büffelzucht als zweites Standbein

Der Wasserbüffel kommt aus dem asiatischen Raum. Im Jahr 2003 importierte Eduard Keist die ersten vier Wasserbüffel aus Italien.

«Damals gab es in der Schweiz zwei Büffelzüchter im Westschweizer Val de Travers und in Schangnau im Emmental», erzählt Ursula Keist. Die Berufskollegen halfen Ursula Keists Vater, die Tiere in die Schweiz zu holen.

Ein Jahr zuvor hatte die Bauernfamilie ihren Stall durch einen Brand verloren und war gezwungen, die Zukunft neu zu planen.

«Aufgrund der sinkenden Milchpreise wollten wir uns neben der Holstein-Zucht ein zweites Standbein schaffen», so Keist. Zum Vergleich: für einen Liter Kuhmilch erhält der Landwirt heute rund 70 Rappen, für Büffelmilch gibts im Schnitt 2.80 Franken. Heute kann der Hof so besser finanziert werden.

In der Haltung der Tiere änderte sich für die Familie im Vergleich zur Holstein-Rasse nicht viel. Die Tierschutzvorschriften sind gleich, einzig der Stall muss etwas massiver gebaut sein.

Im Gegensatz zu den Holstein-Kühen dürfen die Büffel nicht enthornt werden. «Was ich gut finde», meint Ursula Keist. «Denn die Hörner machen für mich noch ein bisschen das Urtier aus.»

Wasserbüffel brauchen auch kein Kraftfutter wie ihre Artgenossen. «Allerdings sind sie manchmal etwas stur und der natürliche Instinkt ist ausgeprägter», so die Züchterin.

Neben ihren Holsteinkühen besitzt Ursula Keist mittlerweile 25 Wasserbüffel: davon 18 Kühe, 6 Jungtiere und einen Stier, alle aus eigener Aufzucht. Bis zur Geschlechtsreife werden die Kälber beider Rassen im gleichen Gehege aufgezogen.

Rund die Hälfte der neugeborenen Büffel sind Milchkühe. Die andere Hälfte, die männlichen Tiere, werden nach etwa einem Jahr geschlachtet.

Bis in ein paar Jahren möchte Ursula Keist nur noch auf die Büffelzucht setzen. «Mein Ziel ist eine Herde mit etwa 40 Tieren», so Keist. Allerdings sei dies auch eine finanzielle Frage.

Im Aargau verbreitet

Inzwischen sind Wasserbüffel häufiger geworden: Im Aargau weiden sie in Klingnau, im Wasserschloss der Region Brugg, im Reusstal und Freiämter Sins (Projekte von Pro Natura), ausserdem in Olsberg im Fricktal. Das Fleisch wird von der Metzgerei «Prima Buffalo» in Schlossrued verarbeitet.

Die Büffelmilch aus dem Hintermoos wird zurzeit in der Westschweiz weiterverarbeitet. «Jetzt suche ich aber die Zusammenarbeit mit einer innovativen Käserei in der Region», sagt Keist.

Aus der Milch wird der in der italienischen Küche weitverbreitete «Mozzarella di bufala» hergestellt. «Dieser ist nicht zu vergleichen mit dem gewöhnlichen Mozzarella aus Kuhmilch», betont sie.

Es sind aber auch Halbhart- oder Weichkäsesorten möglich. Auch für Joghurt eignet sich die Milch bestens. «Als Nächstes möchte ich versuchen einen Brie aus der Büffelmilch herzustellen», verrät Ursula Keist.

In der Region weiterverarbeitet wird das Büffelfleisch. Die Prime Buffalo AG in Schlossrued stellt daraus Frisch- und Trockenfleischprodukte, etwa Salami, Mostbröckli oder Landjäger, her.

Der Wasserbüffel wird dabei genau gleich verwertet, wie dies beim gewöhnlichen Rind der Fall ist. Das Frischfleisch verkauft Ursula Keist auf persönliche Bestellung. Das kann jeweils auch ein paar Monate dauern. «Je nachdem wann ein Jungtier schlachtreif ist», so Keist.

Das Büffelfleisch ist dunkelrot und enthält leichte Wild-Aromen. Es ist zart und beissfest und eignet sich gut für Voressen oder Ragout und auch die Edelstücke gelten als Delikatesse.

Alle anderen Wasserbüffel-Spezialitäten verkauft die Züchterin mithilfe der Familie entweder in ihrem Hofladen im Hintermoos oder jeden zweiten Donnerstag im Monat am Zofinger Monatsmarkt.

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