Bereits um acht Uhr besammeln sich die ersten Kinder vor dem Kindergarten. Ihre Stimmen dringen in den Gang, wo die Kindergärtnerin Bettina Jakob mit einem Draht eine Scheibe Lehm vom Block schneidet. Eine gefüllte Plastikkiste auf einem zweirädrigen Gestell muss für das Unterrichtsmaterial reichen. In den letzten Minuten vor Beginn sorgt Jakob dafür, alles dabei zu haben.

«Grüezi Geburtstagskind,» sagt die Kindergärtnerin Bettina Jakob zu einem blonden Jungen. Ein Kind nach dem andern tritt ein, grüsst die Kindergärtnerin und hängt den orangen Leuchtstreifen an die Garderobe. Im Wald brauchen sie ihn nicht.

Das steile Wegstück durchs Quartier kommt den Kindern weit vor. Einige baumeln wie die Stofftiere, welche an ihren Rucksäcklein hängen. Im Wald, wo es mehr zu entdecken gibt, bewegen sie sich leichter. Am heutigen Morgen sucht die Klasse einen Platz am Waldrand auf.

Ausser bei Sturm im Freien

Die Kindergärtnerinnen Bettina Jakob und Conny Bossard liessen sich in Naturpädagogik ausbilden. Sie verfassten ein Konzept zu Natur- und Bewegungskindergärten und passten es der Situation in der Gemeinde an. Schulleitung und Schulpflege liessen sich sofort begeistern und unterstützten das Projekt. An drei Halbtagen unterrichten Bossard und Jakob nun in der Natur. Ausser wenn Gefahr drohe, zum Beispiel bei Sturm. «Die Eltern haben ihre Kinder bewusst für diese Schulungsform angemeldet. Denn sie müssen auch bereit sein, ihr Kind für den Wald auszurüsten.», sagt Jakob.

Im Wald angelangt, zeigen zwei Kinder den Kameraden, wie Schnecken über ihre Hände kriechen. Die Kindergärtnerin deutet auf einen Baumstrunk und sagt: «Die Schnecken können hier warten.» Die Kinder deponieren die Tiere und schauen ihnen noch einen Moment zu. Dann schwärmen auch sie aus und suchen Farn und Zapfen.

Im Kreis sitzend, rollen die Kinder Lehm zwischen ihren Händen zu einer Kugel. Mit einem Ästchen bohren sie ein Loch hinein. «Frau Jakob, ich habe einen Schleckstängel», und «Ich habe einen Pilz.», sagen sie und halten ihre aufgespiesste Kugel hoch. Die Kugeln werden immer mehr, auch die Lehmspuren auf den Regenjacken nehmen zu. Nebenan hat das Geburtstagskind mit Bossard ein Feuer entfacht. «Nehmt fünf Kugeln in die Hand und werft sie ins Feuer», sagt Jakob. Einigen gelingt es bald, die Kugeln aufzunehmen, andere brauchen dafür etwas Zeit. «Ist meine Schnecke noch dort?», fragt der Junge mit Lockenschopf und schaut beim Baumstrunk nach. Lernen und spielen geht im Wald genau so gut wie im Kindergarten. Und was es an Material braucht, hat in der Kiste mit den Rädern Platz.