Menziken
Diese jungen Frauen behaupten sich auf der Baustelle

Die Zwillinge Désirée und Jasmin Bühler (27) führen das Malergeschäft ihres Vaters weiter. Uns haben sie verraten, warum sie sich in der Männerdomäne wohl fühlen.

Peter Weingartner
Merken
Drucken
Teilen
Désirée und Jasmin Bühler (v. l.) sind die Chefs im Malergeschäft – Vater Roland ist jetzt Angestellter.

Désirée und Jasmin Bühler (v. l.) sind die Chefs im Malergeschäft – Vater Roland ist jetzt Angestellter.

Peter Weingartner

Roland Bühler (64) ist zufrieden und stolz auf seine beiden Zwillingstöchter Désirée und Jasmin. Vor bald zwei Jahren haben sie sein Maler-Unternehmen übernommen. Damit hat Maler-Bühler die Nachfolge geregelt – nicht selbstverständlich heutzutage bei Gewerbebetrieben.

Aber da ist noch mehr. «Ich erhalte, auch per Mail, Komplimente, die früher, als wir ein reiner Männerbetrieb waren, nie in dieser Zahl geäussert worden sind», sagt er. Was ist es denn? Frauenbonus? «Sauberkeit und Genauigkeit, das schätzt man an Desi und Jasi», sagt Roland Bühler.

«Ich habe mich immer für praktische Arbeiten am Bau interessiert», sagt Désirée, «habe dem Vater gerne geholfen, habe das Schlafzimmer gestrichen.» Der Vater bestätigt dies und erinnert sich an den «Vatertag» in der Schule, als Schülerinnen ihren Vater einen Tag lang begleiten durften. Konsequenterweise machte sie nach der Schule eine Malerlehre, in Gränichen.

Übergabe gelungen

Für Zwillingsschwester Jasmin – sie trägt Brille und mehr Piercings im Gesicht – hingegen führte der Weg zur Malerei über den Erstberuf Bäcker. Doch nach der Lehre in Reinach tauschte sie Spritzsack gegen Pinsel und Roller ein und liess sich vom Vater ins Malerhandwerk einführen. «Learning by Doing.» Dazu Weiterbildungskurse.

Der Vater ist jetzt Angestellter seiner Töchter. «Ich habe nie erwartet, dass sie da einsteigen und das gleiche machen wie ich», sagt Vater Roland. Die Kinder, auch die beiden Brüder der Zwillinge, konnten selber entscheiden. «Aber ich bin froh, dass eine frühzeitige Übergabe gelungen ist.» So kann er im Hintergrund und dort, wo Not am Mann ist, beispielsweise beim Erstellen von Offerten oder auf der Baustelle, noch seine Erfahrung einbringen.

Ein Geschäft führen ist mehr als malen, verputzen und Tapeten kleben. Die beiden Zwillingsschwestern verfügen über ein Bürofachdiplom. Die Rechnung muss aufgehen, denn die «Desi und Jasi Bühler GmbH» hat neben dem Vater noch vier Angestellte. Die Büroarbeiten liegen Jasmin näher, aber alle drei Bühlers sind auf den Baustellen anzutreffen, wo sie neben Maler- auch Gipserarbeiten machen.

Flirtsprüche und Tattoos

Von wegen Baustelle: Gibts keine dummen Sprüche, wenn da junge Frauen auftauchen? Sie winken ab, fühlen sich gut akzeptiert. «Flirtsprüche», sagt Désirée. Sie könnte nie nur im Büro sitzen, sagt sie und schätzt wie Jasmin die abwechslungsreiche Arbeit. «Es wird nie langweilig», sagt Jasmin. Malen innen und aussen, gipsen, spachteln, Aussendämmungen anbringen, spezielle Kundenwünsche erfüllen. «Stucco Veneziano», nennt Désirée ein Beispiel.

Désirée und Jasmin spüren das Vertrauen des Vaters, der ihnen zutraut, sein Lebenswerk weiterzuführen. «Das ist ein schönes Gefühl», sagt Jasmin. Familie? Kinder? «Kein Thema», sagen beide und lachen, und wenns denn so wäre, würden wohl kaum beide gleichzeitig schwanger. Die Zwillinge teilen sich vieles, die Wohnung, den Freundeskreis. Nicht aber den Freund. Ihre Arme und Hände sind voller Tattoos. «Sie müssens selber wissen», sagt Roland Bühler dazu nur. Dass sie diese Tattoos gleichzeitig haben machen lassen: Wen wunderts? Das erste Sujet: Auf Jasmins Arm steht «Désirée», auf Désirées Arm «Jasmin».