Mit Fackeln zeigten rund 500 Müheler vor drei Wochen, dass sie mit den Plänen des Kantons nicht einverstanden sind. Dieser will im Gasthof Waldeck eine Asylunterkunft für rund 60 Personen einrichten – so die ersten Zahlen. Rund 1500 Unterschriften gegen eine Asylunterkunft in der «Waldeck» hat die Interessengemeinschaft «IG pro Muhen» bereits gesammelt. Es scheint, als würde sich das ganze Dorf gegen dieses Vorhaben wehren.

«Doch es gibt auch Müheler, die mit dieser Entwicklung nicht einverstanden sind», sagt Dieter Zaugg. Ihn ärgert, dass alle in denselben Topf geworfen werden und der Eindruck entsteht, dass ganz Muhen gleicher Meinung ist und Widerstand übt. «Mich stört die grundsätzlich ablehnende Haltung gegen dieses Projekt», ergänzt er. «Diese Haltung ist menschenverachtend.» Auch wenn vordergründig der Standort kritisiert werde, mache es ihn betroffen, wie eine Gruppe von Menschen unter Generalverdacht gestellt werde.

Petitio: Muhen Pro Asylunterkunft

Deshalb hat er auf petitio.ch eine Petition unter dem Namen «Pro Asylunterkunft ‹Waldeck› Muhen» aufgeschaltet. Damit will er der Dynamik, die gegen das Projekt aufgekommen ist, einen Gegenpol setzen. Doch SP-Mitglied Zaugg steckt nicht als einzelne Person hinter der Petition. Rund 10 bis 15 Müheler hätten zusammen beschlossen, die Petition zu starten, parteiübergreifend. Das Ziel ist laut Dieter Zaugg klar: «Der Müheler Gemeinderat hat immer versucht, pragmatische Lösungen zu suchen. Das soll er auch jetzt tun.»

"Gemeinsam eine konstruktive Lösung finden"

Dieter Zaugg ist in Muhen aufgewachsen und wohnt heute mit seiner Familie im Dorf. Schon lange ist er in der Müheler Finanzkommission tätig, momentan präsidiert er sie. Er kennt das Dorf und kann deshalb verstehen, dass viele Müheler Angst haben davor, dass mitten im Dorf eine Asylunterkunft eingerichtet werden soll. Am meisten kritisiert wird von den Gegnern der Standort der geplanten Asylunterkunft: Die «Waldeck» liegt mitten im Dorfzentrum, nahe von Kirche, Schule und Einkaufsmöglichkeiten. «Es gäbe sicher bessere Standorte», gibt Dieter Zaugg zu. Oft sei jedoch eine Asylunterkunft, wie andere Beispiele im Kanton Aargau zeigen würden, in Wahrheit halb so schlimm, wie zuerst gedacht.

«Genau deshalb ist es wichtig, dass sich der Gemeinderat engagiert und auf den Kanton zugeht, um gemeinsam eine konstruktive Lösung zu finden», sagt er. Statt «Nein» zu sagen, sei es zielführender, über die Anzahl der Personen zu diskutieren oder zu erreichen, dass auch Familien mit Kindern in der «Waldeck» ein Quartier finden würden. Der Gemeinderat solle den Kanton auffordern, die Gemeinde Muhen aktiv bei der Integration und Beschäftigung der Asylsuchenden zu unterstützen und allfällige Pilotprojekte zu prüfen. Und Zaugg ist sich sicher: «Dies würde der Gemeinde im ganzen Kanton Sympathien und positivere Schlagzeilen einbringen.»

Zudem wisse er, dass es viele Leute gäbe, die bereit seien, für die Asylsuchenden freiwillig Hilfe zu leisten. Sie beispielsweise beim Einkaufen zu begleiten oder ihnen Deutsch zu unterrichten. «Sollte es zu einer positiven, menschengerechten Müheler Lösung kommen, werden wir Initianten uns auch engagieren», sagt er.

Mit seiner Meinung ist er nicht alleine: Kaum hat er die Petition am vergangenen Freitag freigeschaltet, wurde sie immer wieder angeklickt. Nach vier Tagen Laufzeit fand sie schon über 150 Unterstützer. Selbst Nationalrat Cédric Wermuth (SP) hat via Twitter auf das Begehren aufmerksam gemacht. «Ich hoffe, dass der Gemeinderat die Petition ernst nimmt», sagt Dieter Zaugg.