Daniela und Michael Heiniger könnten berühmt sein. Durch die Schweiz touren, das Ausland erobern, massenhaft CDs verkaufen. Doch sie wollen nicht. «Man hat uns schon mehrmals gesagt, dass wir als Schlagerduo viel Erfolg haben könnten», sagt Daniela Heiniger. Das zu glauben, fällt nicht schwer.

Die Geschwister müssten nicht einmal singen, um das Publikum zu bezirzen: Sie zierlich, mit langen blonden Haaren, der ältere Bruder mit dem spitzbübischen Lächeln. Doch die Heinigers wollen nicht. «Schlager ist nicht unsere Musik», sagt Michael Heiniger. Die Musik der Geschwister ist Pop, sie singen gefühlvolle zweistimmige Lieder. «Ich finde es schade, wenn Songs so konzipiert sind, dass man beim ersten Mal hören schon mitsingen kann», sagt Daniela. Die Überraschung gehe so verloren.

Musik liegt in den Genen

Die Geschwister haben zum Gespräch in ihr Elternhaus in Menziken eingeladen. In Jeans und T-Shirt sitzen sie am Tisch, umgeben von viel Holz. Michael trinkt Kaffee. Daniela würde gern, aber sie mag ihn nicht. Michael ist heute 32, die sieben Jahre jüngere Schwester hat ihn nie genervt. «Die Mädchen fanden sie immer herzig», sagt er und lacht. Die Familie Heiniger ist sehr musikalisch, auf dem Fensterbrett reihen sich Instrumentenkoffer aneinander.

Ebenfalls neu: Den Song «Living Peace» stellten Silver Blue im Februar 2016 vor.

Ebenfalls neu: Den Song «Living Peace» stellten Silver Blue im Februar 2016 vor.

Als die Kinder noch zu Hause wohnten, haben sie mit dem Vater regelmässig gesungen und musiziert. Auch in der Kirche. «Es gab keine Konfirmation, an der die Heinigers nicht gesungen haben», sagt Daniela, verdreht die Augen und lacht.

Michael spielte jahrelang Geige, Daniela Klavier. Talent hatten beide, doch sie waren nur halbherzig dabei. «Schins hani nie güebt», konstatiert Michael Heiniger. Als Michael die Gitarre und Daniela ihre Stimme entdeckte, verfielen sie der Musik so richtig. Mit 25 hat sich Michael entschieden, auf die Musik zu setzen. Er richtete zu Hause ein Studio ein, irgendwann kam die Idee einer Band, die Geschwister gründeten SilverBlue. Woher kommt der Name? «Das wollen immer alle wissen», seufzt Daniela. Die Geschwister winden sich ein bisschen. «Blau ist meine absolute Lieblingsfarbe», sagt Michael. Und Silber sei eben auch eine Farbe und zusammen passe das gut.

Daniela Heiniger schreibt die Texte, Michael liefert das Arrangement. Zusammen feilen sie, bis ihnen der Song gefällt. «Ich mag dieses Einfache», sagt Daniela. Zwei Stimmen und eine Gitarre. Ihr Bruder mag es auch etwas komplizierter. «Man muss nicht überall noch einen zusätzlichen Akkord einbauen», sagt Daniela und verpasst ihrem Bruder einen geschwisterlichen Box an die Schulter.

Nächtliche Autofahrten

Die Geschwister sind sich sehr nah, trotzdem bleibt manchmal neben der Musik wenig Zeit für Privates. Wenn ein neuer Song entsteht, wird alles andere unwichtig. Neue Kreationen aus Michaels Studio hören sich die Geschwister am liebsten bei einer Autofahrt an. «Egal zu welcher Tageszeit», sagt Daniela. Da müssen die Partner warten. Die Band nimmt viel Zeit in Anspruch, lässt sich aber noch mit dem Berufsleben vereinbaren. Daniela Heiniger ist selbstständige Naturheilpraktikerin, Michael singt bei der erfolgreichen Acapella-Gruppe «a-live».

SilverBlue CD-Cover

SilverBlue CD-Cover

Im Mai haben SilverBlue ihre erste CD herausgegeben, sie heisst «My Room». Finanzielle Unterstützung vom Aargauer Kuratorium hat es möglich gemacht. Anfangs standen 25 Lieder zur Auswahl, das Geld liess fünf Songs zu. Die Auswahl war schwierig, die Geschmäcker nicht immer gleich.

«Die CD brauchte einen roten Faden», verteidigt Daniela ihre Position und schaut ihren Bruder vorwurfsvoll an. Dieser lehnt sich zurück und lächelt. Man merkt ihm den älteren Bruder an. «Jetzt sind halt doch alle Lieder ein bisschen anders. Die CD hat einen blauen Faden.» Natürlich würden sie gern von der Musik leben können, würden gern durch die Schweiz touren, das Ausland erobern und massenhaft CDs verkaufen. «Aber nur, wenn wir uns selbst treu bleiben können.»