Biodiversität. Für Roland Wismer und seine Frau Priska nicht nur ein Schlagwort. Für die Bauernfamilie auf der Rickenbacher Seite des Stierenbergs bedeutet biologische Vielfalt auf ihrem Betrieb aktuell 14 unterschiedliche Heuschreckenarten, 26 Tagfalterarten, 25 Vogelarten und 185 Pflanzenarten.

Auch ein paar selten gewordene Arten sind dabei: beispielsweise der Gartenrotschwanz oder die Echte Schlüsselblume. Das ist nachgewiesen. Familie Wismer hat nämlich an einem Pilotprojekt zur Biodiversitätsförderung auf Landwirtschaftsbetrieben mitgemacht.

Während acht Jahren wurden bei ihnen verschiedene Massnahmen zur Schaffung und Aufwertung von Lebensräumen umgesetzt und deren Wirkung von Biologen kontrolliert – zum Beispiel das Anlegen von Hecken, Blumenwiesen, die Schaffung strukturreicher Waldränder oder offener Wasserstellen. Lanciert haben das Projekt die Schweizerische Vogelwarte Sempach und das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick. Entstanden ist ein Handbuch, eine Wegleitung für Bauern, die jetzt erschienen ist.

Schmetterling statt Milchkuh, Blumenwiese statt Brotweizen? «Nein.» Roland Wismer lässt keine Zweifel aufkommen, dass er meint, was er sagt: «Eben gerade nicht. Es geht darum, den Bauern aufzuzeigen, dass sich die Produktion von Nahrungsmitteln und die Förderung von Lebensräumen für Pflanzen und Tiere vereinen lässt und auch finanziell bezahlt macht.»

Er selber habe genau deshalb am Projekt mitgemacht. Er habe wissen wollen, «obs funktioniert und obs etwas bringt». Ausserdem sei er immer interessiert an Neuem, wolle gerne mehr wissen, mehr verstehen, sich selber und andere sensibilisieren. «Mit dem Wissen steigt das Interesse – es schaukelt sich hoch.» Das nimmt man dem innovativen Landwirt gerne ab: Auf seinen Scheunendächern sind 600 Quadratmeter Solarpanels montiert, seine Melkanlage kann Wärme zurückgewinnen, auf der Anhöhe hinter dem Hof steht ein Windmast, der im Laufe dieses Jahres misst, ob sich der Standort für den Bau eines Windrads eignet.

Es geht nebeneinander

Familie Wismer bewirtschaftet einen 26 Hektar grossen IP-Suisse-Betrieb mit Acker- und Grünland, 25 Milchkühen, Rindern und 30 Muttersauen. Der Betrieb liegt auf rund 800 Metern über Meer und hat sowohl ebene wie auch sehr steile Flächen.

Da bietet sich ein Management an, das sich danach richtet, wie einfach und rentabel sich eine Fläche bewirtschaften lässt, wie Priska Wismer sagt: «Auf dem gut nutzbaren Land produzieren wir intensiv Nahrungsmittel, auf den steilen Flächen pflegen wir die Artenvielfalt.» Diese Kombination sei wirtschaftlich interessant, entspreche aber auch ihrer Ideologie von Landwirtschaft in der heutigen Schweiz.

«Wenn man den ökologischen Gedanken lebt, will man auch, dass in der Schweiz noch produziert wird», so Priska Wismer, die als Mutter von fünf Kindern nicht nur auf dem Betrieb mitarbeitet, sondern auch als Lehrerin tätig ist und als Luzerner Kantonsrätin amtet. «Wenn es um den Verteilkampf der Gelder geht, läuft es oft darauf hinaus, dass Ökologie und Produktion gegeneinander ausgespielt werden. Dabei hat beides nebeneinander Platz.»

Das Buch – und deshalb hätten sie gerne mitgearbeitet – sei ein Instrument, um aufzuzeigen, dass das eine das andere nicht ausschliesse. «Wir wollen nicht nur Landschaftspfleger sein.»

Literatur: Der Leitfaden für Landwirte und andere Interessierte kann beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick bezogen werden.