Reinach
Die Zwiebeltürme von «Au Louvre» werden neu eingedeckt

Das Dach, die Fassaden und die Türme des ehemaligen Reinacher Kaufhauses «Au Louvre» werden saniert.

Peter Siegrist (Text und Fotos)
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In Reinach wird das ehemalige Kaufhaus saniert
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Das Werkzeug des Spenglers
Mit Anschlag und Hammer entsteht ein Falz
Hafte zum Befestigen der Kupferbahn
Die ersten Bahnen liegen auf der Unterlage
Die erste Kupferbahn wird angeheftet
Der erste Turm ist fertig gedeckt

In Reinach wird das ehemalige Kaufhaus saniert

Peter Siegrist

Kevin Widmer aus Reinach hat zwei Berufe. Er ist Dachdecker wie sein Vater Oskar Widmer, und er hat zusätzlich Spengler gelernt. Gegenwärtig klettert er beim ehemaligen Kaufhaus «Au Louvre» in Reinach auf dem Gerüst herum. Die Dachdecker haben das Dach des markanten Gebäudes bereits mit Biberschwanzziegeln neu eingedeckt.

Und jetzt hat die Stunde von Kevin Widmer geschlagen. Er hat den Auftrag erhalten, die beiden Zwiebeltürme des Baus neu mit Kupfer einzudecken.

«Das ist eine klassische Spenglerarbeit und eine ganz wunderbare Herausforderung», sagt Widmer. Werden herkömmliche Blechdächer heute mit teils vorgefertigten Bahnen eingedeckt, ist das bei diesen Türmen nicht möglich.

Handarbeit von A bis Z

«Das Besondere ist, dass die Zwiebeltürme von ihrer Form her Wölbungen nach innen und nach aussen haben», sagt Widmer. Die parallel laufenden Kupferblechbahnen werden mit einem aufstehenden Falz miteinander verbunden. Löten oder gar nieten kommt hier gar nicht infrage.

Der Unterbau des Dachs ist aus Holz gefertigt. Darüber hat Widmer eine semitransparente Dachfolie gespannt, und auf diesen Untergrund werden die Blechbahnen gelegt. Die beiden Aussenkanten der Bahn biegt der Spengler um rund drei Zentimer rechtwinklig nach oben ab. Mit eigens angefertigten Kupferhaften werden die Bahnen auf dem Untergrund befestigt. Während das Blech in der Mitte in der vollen Breite gerade nach oben verläuft, muss der Spengler die Aussenbahnen genau zuschneiden, der Turm läuft ja nach oben konisch zu.

Liegen die Bahnen nebeneinander, schlägt Widmer über eine Lehre mit einem Holzhammer den verbindenden Falz. «Das ist Präzisionsarbeit. Wölbt sich die Fläche nach aussen, muss der Spengler das Blech aussen «länger machen» – austreiben, sagt der Fachmann. Bei Wölbungen nach innen gilt das Gegenteil, da muss er das Blech mit dem Hammer einkürzen.

Eine Arbeit fürs Leben

Vier Fälze laufen genau über die Eckkanten, dort wo zwei Flächen rechtwinklig aufeinanderstossen.

«Eine solche Arbeit werde ich wohl während meiner ganzen Berufszeit keine mehr ausführen können», sagt Widmer. Ganz besonders freut ihn, dass er hier viel von Hand, mit Hammer und Anschlag, ohne Maschinen arbeiten kann. Das geniesse er in vollen Zügen. Spielt das Wetter mit, schliesst Widmer nach acht Wochen ab.

Das ehemalige Kaufhaus mit dem markanten Vorbau aus den 1930er-Jahren bringt ein Stück urbane Architektur ins obere Wynental.