Oberes Suhrental
Die Zukunft der Kreisschule im oberen Suhrental ist offen

Die Klassen an der Oberstufe sind zu klein – damit entspricht die Schule nicht den kantonalen Vorgaben.

Christine Wullschleger
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Ob der Oberstufenstandort in Reitnau künftig als Schulraum genutzt wird, ist noch offen.

Ob der Oberstufenstandort in Reitnau künftig als Schulraum genutzt wird, ist noch offen.

Martin Zürcher

Sechs Gemeinden deckt die Kreisschule Oberstufe Oberes Suhrental (KOOS) ab. Die Jugendlichen aus Attelwil, Kirchleerau, Moosleerau, Reitnau, Staffelbach und Wiliberg gehen hier zur Schule. In Staffelbach drücken die Realschüler die Schulbank, in Reitnau die Sekschüler. Die Bezirksschule wird schon seit längerem in Schöftland geführt.

Seit rund zehn Jahren gibt es die KOOS im Oberen Suhrental. Und jetzt muss der Kreisschulrat neue Lösungen für deren Zukunft suchen. Denn das Schulgesetz schreibt vor, dass ein Oberstufenzentrum mindestens sechs Real- und Sekundarabteilungen umfassen muss. Eine einzelne Schulanlage mindestens drei Oberstufenabteilungen. Zudem hat der Grosse Rat beschlossen, die Mindestschülerzahlen an der Realschule von 11 auf 13 und an der Sekundarschule von 13 auf 15 zu erhöhen. Standorte, die diese Vorgaben nicht erreichen, konnten bis jetzt von Ausnahmebewilligungen profitieren.

Auch die KOOS kann mit einer Ausnahmebewilligung ins nächste Schuljahr starten, denn nur teilweise sind die Klassen so gross, wie es gefordert wäre. «Die aktuellen Schülerzahl-Prognosen zeigen auf, dass die Mindestklassengrössen auch in den kommenden Jahren nicht erreicht werden», sagt Schulleiter Thomas Graber.

Anfang Jahr wurde im Grossen Rat ein Postulat eingereicht. Dieses wollte erreichen, dass bis zum Schuljahr 2020/21 keine weiteren Schulstandorte von Sekundar- und Realschulen geschlossen werden. Die Regierung lehnte dieses ab, auch der Grosse Rat sagte Nein dazu. In der Begründung schreibt die Regierung unter anderem: Seit das neue Schulsystem 6/3 eingeführt wurde, würden die gesetzlichen Rahmenbedingungen vom Kanton wieder strikt verfolgt. «Daraus folgend mussten sieben Oberstufenschulen mitgeteilt werden, dass ihnen spätestens ab dem Schuljahr 2017/18 keine weiteren längerfristigen Ausnahmebewilligungen mehr erteilt werden können.» Auch die KOOS erhielt im letzten Jahr einen Brief.

Neubeurteilung der Lage war nötig

«Wir haben aber schon vorher gewusst, dass wir etwas ändern müssen. Der Plan war, alle Stufen an einen Standort zu bringen», sagt Thomas Graber. «Dies hätte auch geklappt, wäre nicht noch die Vorgabe mit der Mindestklassengrösse dazu gekommen.» Die Pläne für eine Zusammenlegung verschwanden in der Schublade, denn auch wenn die KOOS nur noch an einem Standort gewesen wäre, wären die Klassen zu klein gewesen.

Die Lage musste neu beurteilt werden. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus allen Gemeinden des oberen Suhrentals und Schöftland sowie Experten der Fachhochschule Nordwestschweiz wurde gegründet. Momentan werden Ideen für eine möglichst langfristige und nachhaltige Zukunftslösung gesucht. «Die Zusammenarbeit mit Schöftland macht am meisten Sinn. Die anderen Schulen liegen in weiter entfernten Tälern oder im Kanton Luzern», sagt Graber. «Es werden alle möglichen – auch noch so fantastischen – Ideen geprüft.»
Ob alle Schüler künftig nach Schöftland müssen oder es allenfalls einen Aussenstandort im Oberen Suhrental gibt, werde sich zeigen. Ebenfalls offen ist, wie es mit den Schulhäusern in Reitnau und Staffelbach weitergeht. Erst vor rund zwei Jahren wurde das Schulhaus in Reitnau aufwendig umgebaut. «Die leer werdenden Räume müssten umgenutzt werden und auch der finanzielle Aspekt ist wichtig.

Denn die Fixkosten bleiben gleich, auch wenn die Räume nicht genutzt werden», sagt Thomas Graber. «Wir wollen nicht Schulhäuser aufgeben und in Schöftland neu bauen. Wir wollen wirtschaftlich denken und hohe Investitionen vermeiden», sagt Barbara Stalder, Staffelbacher Gemeinderätin und Präsidentin des Kreisschulrats. «Wir wollen die Oberstufenstandorte nicht sang- und klanglos aufgeben.»

«Ich persönlich finde es sehr schade, dass Schulen wie unsere, die sehr gut funktioniert, geschlossen werden sollen», sagt Thomas Graber. Die Ausnahmebewilligung gelte nur so lange, bis eine neue Lösung gefunden wird. «Wenn wir nichts unternehmen, wird am Schluss der Kanton entscheiden, wie es weitergeht. Das wollen wir nicht», sagt Barbara Stalder.