Die prächtigen Villen sind geblieben. Das Sagen im Dorf, das haben die Burgers von der Zigarrenfabrik Burger & Söhne hingegen schon lange nicht mehr. Die Industriellenfamilie brachte Burg Steuergelder, Arbeitsplätze und die Wasserversorgung und prägte dafür die Geschicke des Dorfes. Heute, viele Jahre, seit in Burg die letzte Zigarre gerollt wurde, liegt die Zukunft der kleinen Gemeinde einmal mehr in den Händen der Familie Burger.

Denn die Gemeinde will ihre Nutzungsplanung revidieren. 10 Hektaren unbebautes Bauland sind vorhanden. Davon gehören acht der Burger Immobilien AG. Darauf stehen Villen in verwunschenen Gärten und zwei grosse Stallungen. Teils unbewohnt, in einer lebt ein Nachkommen der Familie. Will Burg weiterkommen, dann müssten Burgers ihr Bauland freigeben. Und weiterzukommen, das hat das 1000-Seelendorf, das am Hang des Stierenbergs und hoch über Menziken liegt, bitter nötig.

Kein dynamischer Zug in Sicht

Die Bevölkerung konnte sich über erste Zukunftsvisionen für die Gemeinde an einer Informationsveranstaltung informieren. Es war eine gemütliche Sache – mit Erdnüssli und Chips auf den Tischen. Und auch das Glas Weisswein geniesst man auf der Burg sowohl vor, wie auch nach dem formellen Teil.

Zum Glück, denn was an diesem Abend auf die Burger einprasselte, war schwer verdaulich. Lukas Zwahlen von der Zürcher Firma für Nutzungsentwicklung «Intosens urban Solutions AG», sagte den Burgern, dass es in vielen Bereichen ein bisschen hapere. Was bedeute, dass sich die Bevölkerungszahl in den letzten 15 Jahren nicht verändert hat. Während der Kanton in der gleichen Zeit um 30 Prozent gewachsen ist. Und auch die Zukunft verheisst wenig Gutes. Während der Kanton nochmals zulegen wird, ist dem Wynental eine Stagnation prophezeit. «Da gibt es keinen dynamischen Zug, auf den Burg aufspringen kann», sagt Zwahlen. Burg müsse sich darum als Wohnort mit besonders schöner Lage positionieren. Dazu braucht es die brachliegenden Areale von Burger&Söhne, nur damit könne sich Burg positionieren.

Die anwesenden Burger hörten aufmerksam zu, knabberten zwischendurch eine paar Nüsschen.

Und dann kam der schöne Teil – die Visionen, das Fabulieren. Das übernahm Maria Luise Hilber, ebenfalls von der Zürcher Firma für Nutzungsentwicklung. Hilbert schwärmte von den Villen, von den Pärken überhaupt von diesem riesigen Potenzial, das diese brachliegenden Areale bergen. Sie präsentierte vier Szenarien. Erstens das Parkwohnen: Man belebt die Villen neu und baut im Areal punktuell neue Ein- und Mehrfamilienhäuser. Zweite Variante: die Schaffung eines Tabaklehrpfads, der an die Burger Geschichte erinnert und mit einem Café im Park zum Verweilen einlädt. «Es wäre hier auch ein wunderschöner Platz für ein Internat», bemerkte Hilber. Die letzte präsentierte Variante war die Idee eines Eventortes, wo in einer der Villen ein edles Restaurant wäre und jährliche Festivals stattfänden.

Burgers sind offen für Gespräche

Draussen windete es und drinnen nahmen die Burger einen grossen Schluck aus ihrem Weinglas. Eine Verschnaufpause gab es nicht. Als nächster redete der Raumplaner Thomas Meier. Raumplanerisch gebe es wenig Rahmenbedingungen, die einschränken würden. Die Auswertung der Umfrage zu den unüberbauten Grundstücken habe gezeigt, dass es sehr wohl Grundstücke am Markt gebe. Wenn etwas passieren solle in Burg, dann müsse aber eine Firma mitmachen: die Burger Immobilien AG. «Die Burgers haben zugesichert, dass sie mithelfen eine mögliche Entwicklung der beiden Areale zu prüfen», sagte Meier. Gespräche seien im Gang. Und er sagte klar, dass die Familie Burger etwas tun müssen, wenn sie ihre Areale weiterhin in der
Wohnzone haben wollen. «Sonst wird das Land ausgezont.» Zusammengefasst: Die Areale sind ein Riesenpotenzial. «Ich hoffe, dass sie die Chance packen, schloss Meier, während von draussen leise der Gesang des Männerchors in den Gemeindesaal drang. Die Sänger liessen sich übrigens entschuldigen – sie mussten für den anstehenden Burgerabend proben.

Verrückte Ideen

Nach dem Raumplaner ergriff der ehemalige Gemeinderat Philipp Siegrist das Wort. Das sei ja schön und gut, was da präsentiert würde, meinte er. Aber heute müsse man nach vorne schauen und energieeffizient bauen.«Behalten wir diese alten Hütten, müssen wir dafür viel zu viel Geld in die Hand nehmen.» Wer das bezahlen würde, das wisse er nicht. «Wir müssen loslassen», riet Siegrist den Anwesenden. Andrea Mutzner seinerseits bedankte sich bei den Planern für ihre «verrückten Ideen» und schob nach: «Ich finde diese Ideen überhaupt nicht verrückt.»

Nicht die Köpfe einschlagen

Gemeinderätin Susanne Schneider erinnerte die Anwesenden zum Schluss nochmals daran, sich einzubringen und Ideen und Wünsche mitzuteilen. «Jetzt haben wir es in der Hand etwas zu verändern.» Wie es nun weitergehe, wollte jemand noch wissen. Als Nächstes wird ein Leitbild erstellt. Darin sieht man, wie die Bau- und Nutzungsplanung angepasst werden muss. Es folgt ein öffentliches Mitwirkungsverfahren. Anschliessend werden die Pläne aufgelegt, die für die Grundeigentümer verbindlich sind. Damit soll auch die Areal-Entwicklung angestossen werden. Gemeindeschreiber Viktor Würgler mahnte, dass man einander später nicht mit Einsprachen die Köpfe einschlagen wolle «Darum müssten alle mitmachen.»

Dann war Schluss. Der Gemeindesaal sei aber den ganzen Abend reserviert, sagte Schneider. Man könne also ruhig noch ein bisschen sitzen bleiben.