Es scheint, als wäre der Zwinglifilm ohne Hilfe aus dem südlichen Aargau nicht zustande gekommen. Nicht nur die Presse und der Schriftsatz für Zwinglis Druckerzeugnisse gelangten dank hiesigen Fachmännern in den Film.

Auch für den Ohrenschmaus ist ein Aargauer verantwortlich. In Zürich brach 1519 eine Pestwelle aus, der schwarze Tod, der um ein Haar auch den Reformator dahingerafft hätte. Doch er überlebte und schrieb über diese prägende Erfahrung einen Song: das Pestlied.

Damit dieses Lied im Film realisiert werden konnte, brauchte es viel Arbeit vom Menziker Lautenisten Andreas Schlegel. Lange musste er suchen. War doch gemeinhin bekannt, dass vom Pestlied nur die Melodie überliefert war, ohne die anderen Stimmen.

Mit viel Recherchearbeit hat es Berufsmusiker Schlegel geschafft, die fehlenden Stimmen aus zeitgenössischen Lautenbüchern aufzutreiben. Danach musste er das Lied für die Szene adaptieren. «Ursprünglich war das Lied nur für Singstimmen geschrieben», sagt Schlegel. Doch im Film sollte Zwingli sich auf der Laute selbst begleiten.

Und es kommt noch besser: Andreas Schlegel hat nicht nur die Kenntnisse, die es zum Auffinden und Umschreiben dieses Liedes brauchte. Er hat auch eine Laute aus den Anfängen des 16. Jahrhunderts. Für die Authentizität sei es sehr wichtig, dass das Musikinstrument aus der gleichen Zeit stamme wie das Lied. «Die Lauten wurden etwa alle 25 Jahre an die damalige Mode angepasst», sagt Schlegel. Der Musiker besitzt selber ungefähr 80 Zupfinstrumente, 25 davon sind Lauten. Auf seiner 500 Jahre alten Laute hat Schlegel das Pestlied eingespielt. Dieser Ton ist im Film zu hören, wenn Zwingli das Lied anstimmt.

Wie fühlt es sich an, wenn man ein solch kostbares Instrument aus der Hand geben muss? Andreas Schlegel ist zufrieden mit Schauspieler Max Simonischek. «Ich habe ihm eine moderne Kopie ausgeliehen, damit er die Handhabung üben konnte», sagt er. Schon mit dieser Laute sei Simonischek äusserst sorgfältig umgegangen.

Sorgen bereitete Schlegel eher die tiefe Raumtemperatur, die am Drehort im Kloster St. Georgen in Stein am Rhein herrschte. Die alten Instrumente mögen eine möglichst konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Und kann Simonischek nun Laute spielen? Schlegel lacht. «Er wurde von hinten gefilmt.»

«Zwingli» – der Trailer zum Film