Gontenschwil

Die vielen Gesichter von Kunstmaler Kurt Hediger

Kurt Hediger vor einem Porträt von Historiker Urs Bitterli, Gränichen. Peter Siegrist

Kurt Hediger vor einem Porträt von Historiker Urs Bitterli, Gränichen. Peter Siegrist

Heute Dienstag, an seinem 80. Geburtstag, feiert der Kunstmaler Kurt Hediger Vernissage. Der Reinacher Kunstmaler hat in seinem langen Malerleben schon viele Männer und Frauen porträtiert.

«Ob Regierungsrat, oder Bauernknecht, ob Gastgeberin im Restaurant oder Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt, das macht keinen Unterschied», sagt Kurt Hediger. «Es geht immer um das Erfassen des Menschen als Person mit vielen seiner Facetten.»

Heute, Dienstag, 6. November, feiert Kurt Hediger seinen 80. Geburtstag. Er feiert diesen Tag mit der Vernissage in der Galerie Schlössli, Gontenschwil, mit der Fortsetzung des Zyklus «Stationen eines Malerlebens». Nach Stadtansichten von Paris, Wien und Prag, «Griechischem Blau», südamerikanischen Impressionen und Winterlandschaften steht Hediger heute in der Galerie, umgeben von vielen Gesichtern, die er alle auf die Leinwand gebracht hat.

Regierungsratsporträts im Zentrum

Kurt Hediger pflegt als Maler ein weites Feld im künstlerischen Gestalten. Nebst Landschaften, berühmt sind seine Winterbilder, hat der Maler immer auch Stillleben, Figuren und Porträts gemalt.

Im Zentrum der neuen Ausstellung stehen die drei Porträts von Aargauer Regierungsräten, die Hediger im Auftrag des Kantons gemalt hat. Die Porträts von Louis Lang, Jörg Ursprung und Peter Wertli sind als Leihgabe während der Ausstellung in Gontenschwil zu sehen.

Im Gegensatz zum fotografischen Porträt, welches letztlich immer einen Augenblick darstellt, beschäftigt sich der Maler viel länger mit seinem Modell als der Fotograf. «10 bis 14 Sitzungen, jede zwei bis drei Stunden lang, sind nötig für ein Porträt», sagt Hediger. Ob aktiver Regierungsrat wie Peter Wertli, oder nach der Amtszeit wie Jörg Ursprung und Louis Lang, alle drei mussten diese Zeit aufbringen und sich hinsetzen.

Wäre es da nicht viel einfacher, eine Fotografie des Porträtierten abzumalen? «Nein, das geht nicht», lehnt Hediger vehement ab. Der Fotograf sehe mit einem Auge (Linse) hin und setze das Motiv anders ins Zweidimensionale um als der Maler. «Ich sehe um die Figur herum», erklärt Hediger, «sehe gewissermassen hinter die Ohren.» Das gemalte Porträt sei deshalb immer eine Synthese von vielen einzelnen Eindrücken und Bildern. «Die Porträtierten müssen sich hinsetzen, sich vom Alltagsgeschäft lösen und ganz sich selber sein», sagt der Maler, «fast am Einschlafen, nichts mehr darstellen wollen.»

Zum Porträt gehören Requisiten

Zwei äussere Umstände seien wichtig für ein gelungenes Porträt, erklärt der Maler. Vordringlich sei einmal das Licht. Hediger malt mit dem bestehenden Licht – «es muss hell sein, damit ich die Farben differenziert erkenne.» Er malt mit dem Licht, das ins Gesicht, ins Kleid sanfte Schatten zeichnet und modelliert.

Wichtig sei die unmittelbare Umgebung. Von den Regierungsräten erzählt Hediger, wie die Porträtierten selber den Ort und das Dekor gewählt hätten. «Louis Lang wollte mit dem ‹Badener Tagblatt›, dem Kloster Engelberg (Bild im Hintergrund) seinem Schulort, den Lägern und dem Blumenstrauss, den er seiner Frau zum Geburtstag geschenkt hatte, gemalt werden.

Jörg Ursprung habe sich in sein Privatbüro zurückgezogen, vor das Bild seines Vaters. Ihm hat seine Frau ein paar Blumen aufs Pult gestellt. Und Peter Wertli liess sich beim Aktenstudium an seinem Gartentisch malen. Im Hintergrund Sträucher und Blumen. Auch ihm hat seine Frau jeweils für jede Sitzung einen Blumenstrauss auf den Tisch gestellt.

Es versteht sich, dass der Maler während der Sitzung mit seinem Modell ins Gespräch kommt, sich austauscht und sich so der Persönlichkeit nähert. Ein Porträt sollte plastisch wirken, aber nicht mit Hell und Dunkel, sondern mit der Farbe. «Letztlich ist das Porträt die Summe von verschiedenen Gesichtern, Gesichtsausdrücken, die gewissermassen in Schichten übereinanderliegen», sagt Hediger. Körperhaltung und Gesichtsausdruck, und «la sensation», die Empfindung, wie Cézanne sagte, seien entscheidend.

In der Galerie sitzt Kurt Hediger an einem kleinen Tisch, blättert mit seinen Händen in «Ayachucho», seinem Skizzenbuch von 1982. Hinter ihm das Porträt von Urs Bitterli, dem ehemaligen Geschichtsprofessor, den Hediger vor über zwei Jahrzehnten gemalt hat. Malen sei seine Passion, ja ein Muss, hat Hediger vor wenigen Jahren gesagt, «malen so lange, bis mir der Pinsel aus den Händen fällt».

Ausstellung: 6. Nov. bis 9. Dez. Vernissage am Dienstag, 6. Nov., 15 bis 18 Uhr.

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