Uerkheim

Die Uerke darf das Wiesland überfluten

Diese Brücke erfüllt laut Silas Menberg (r.) die Anforderungen des Hochwasserschutzes.

Diese Brücke erfüllt laut Silas Menberg (r.) die Anforderungen des Hochwasserschutzes.

Knackpunkt Brücken: Das zweite Hochwasserschutzprojekt berücksichtigt das ganze Dorf.

Die Überschwemmung im Oktober 2012 ist vielen Uerknern noch sehr präsent, der Hochwasserschutz deshalb ein brennendes Thema. Nachdem der Souverän im November 2013 ein erstes Konzept abgelehnt hatte (siehe Box rechts), arbeitete das Ingenieurbüro Kost und Partner ein neues Projekt aus. Am Samstagmorgen stellte Umweltingenieur Silas Menberg die geplanten Schutzmassnahmen vor. Rund 40 Einwohner nahmen an der dreistündigen Begehung teil.

Die Massnahmen befinden sich zurzeit auf Stufe Vorprojekt. Dieses ist beim Kanton in der Vernehmlassung, welche bald abgeschlossen sein dürfte. An der Sommergmeind soll über den Baukredit abgestimmt werden. Die reinen Baukosten werden auf 4 Millionen Franken geschätzt, Bund und Kanton werden sich beteiligen, für die Gemeinde bleibt ein Anteil von
26 Prozent. Die Sanierung soll das Dorf vor einem sogenannt hundertjährlichen Hochwasser schützten. Die erwartete Wassermenge für ein solches Ereignis beträgt im Oberlauf der Uerke 14 Kubikmeter pro Sekunde, nach der Einmündung des Hinterwilerbachs 17 Kubikmeter.

Die Brücken und Stege stellen in Uerkheim ein grosses Problem dar. «Viele sind sanierungsbedürftig und müssten so oder so in nächster Zeit ersetzt werden», erklärte Martin Hürzeler, Präsident der Hochwasserschutzkommission, welche das Projekt begleitete. «Rund 50 Prozent der Baukosten fallen bei den Brücken an.» Eine Sanierung im Rahmen des Hochwasserschutzprojektes wäre für die Gemeindefinanzen daher vorteilhaft.

Schlüsselstellen seien die Brücken an der Kanalstrasse, bei der Metzgergasse und beim Gemeindehaus, sagte Ingenieur Silas Menberg. Je nach Situation sehen die geplanten Massnahmen unterschiedlich aus: An der Kanalstrasse kann die Uerke nur begrenzt verbreitert werden. Hier sollen harte Uferverbauungen durch Steinblöcke einen schnellen Wasserablauf fördern. An der Metzgergasse kann das Haus, unter welchem die Uerke hindurchfliesst, mit einem sogenannten Stauschild, einer Einfassung des Baches durch Mauern, geschützt werden. Beim Gemeindehaus ist auf der Höhe des Restaurants Eintracht eine Erweiterung des Bachbetts vorgesehen, die bis unter die Hauptstrasse reichen wird. Alle drei Brücken sollen ausserdem erhöht werden.

Wo die Uerke durch Landwirtschaftsland fliesst, darf sie bei Hochwasser jedoch auch überschwemmen. Dafür sind einige landschaftliche Anpassungen zur Führung des Wasserstroms oder Dämme als Schutz für Liegenschaften vorgesehen. Vorgaben von Bund und Kanton erfordern an gewissen Stellen ökologische Massnahmen, so sollen beispielsweise die Überdeckungen des Gewässers möglichst gering gehalten werden.

«Die vielen Verbauungen rechts und links des Baches sowie die Brücken sind hier, wie in den meisten anderen von Hochwasser betroffenen Dörfern, die grösste Herausforderung», sagte Ingenieur Silas Menberg. Hinzu komme, dass das Bachbett nicht vertieft werden könne, da es verschiedene Querungen gäbe, beispielsweise durch das Kanalisationssystem. «Im Unterdorf kann man die Abwasserrohre sogar sehen.» Dadurch könne dem Bach weder durch eine Ausbaggerung mehr Volumen gegeben noch sein Gefälle erhöht werden.

Die Teilnehmer der Begehung waren sehr interessiert, hinterfragten jedoch immer wieder die Kosten. Gemeinderätin Kirsten Hauri gibt dem Projekt trotzdem eine gute Chance an der Sommergmeind. «Im Dorf sind viele Häuser vom Hochwasser betroffen», sagte sie und hofft auf eine Solidarität unter den Einwohnern.

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