Der Gemeindeverband Bevölkerungsschutz Region Suhrental-Uerkental will eigenständig bleiben. Er hält nichts von einer Fusion mit seinem westlichen Nachbarn – jedenfalls nicht so, wie die Geschichte bis jetzt aufgegleist wurde. Das sagt Verbandspräsident Daniel Zünd, Gemeindeammann von Safenwil. Für ihn ist klar: «Als Verbandsgemeinden sind wir für die Sicherheit der Bevölkerung verantwortlich. Und wenn wir Verantwortung tragen, wollen wir auch entscheiden können.» Eigenständigkeit zu behalten, sei zentrales Anliegen, ein Zusammengehen auf Vertragsbasis, wie bis jetzt angedacht, keine Option.

Damit stellen sich die Suhren- und Uerkentaler Bevölkerungsschützer gegen die Vorgaben des Kantons, der bis zum Jahr 2019 die bisher 21 Zivilschutzorganisationen auf 11 reduzieren und die drei bisherigen Organisationen Zofingen, Wartburg (Aarburg/Oftringen) und Suhrental-Uerkental zusammenschliessen will.

Wird Fusion erzwungen?

Bahnt sich zwischen dem Suhren- und dem Wiggertal ein jahrelanger Streit an? Oder wird der Kanton die Regionen zur Fusion zwingen müssen? Guido Beljean, Leiter der Sektion Koordination Zivilschutz, winkt ab. «Ich bin überzeugt, dass wir diesen Knoten lösen, ohne dass sich der Regierungsrat einschalten muss.» Sein Optimismus kommt nicht von ungefähr. Seit bald 30 Jahren begleitet er in der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz des Kantons Aargau Fusionen. Von Anfang an ist er an der Umsetzung der Konzeption Zivilschutz Aargau 2013 beteiligt – und das durchaus erfolgreich. Sechs Regionen haben schon einen gelungenen Fusionsprozess hinter sich, zwei weitere sind «auf gutem Weg», wie Guido Beljean sagt (vgl. Box links).

Für den kantonalen Zivilschutz-Koordinator steht fest: Er wird auch die Suhren- und Uerkentaler von den Vorteilen einer Fusion überzeugen können, nicht nur von den finanziellen. «Die Leistungsaufträge werden nicht kleiner und müssen auch in Zukunft erfüllt werden.» Der Gemeindeverband Bevölkerungsschutz Region Suhrental-Uerkental habe bereits jetzt Mühe, genügend Personal zu rekrutieren, und das werde in Zukunft bestimmt nicht einfacher. Im Jahr 2016 beispielsweise betrug der Istbestand nur 88 Prozent des Sollbestandes «Nicht dramatisch», wie Beljean sagt, «aber eine Herausforderung.» Eine Fusion würde hier Entspannung bringen. Vorerst bringt die geplante Fusion jedoch mehr Anspannung denn Entspannung. «Die Gemeinden haben Angst, alles zu verlieren», sagt Beljean. «Das ist nicht so.» Bis jetzt habe der Kanton erst mit den drei Präsidenten der Regionen das Gespräch gesucht, «den Puls gefühlt, gewissermassen.» Seine Aufgabe werde es sein, so Beljean, in einem nächsten Schritt die Gesamtvorstände zu informieren, Vorteile aufzuzeigen sowie Ängste und Vorurteile abzubauen. Denn strukturell seien für die Region Aargau West, so der Arbeitstitel des neuen Verbandes, zwei Kompanien mit eigenen Kommandanten vorgesehen – eine zuständig fürs Suhrental-Uerkental und eine fürs Wiggertal. Ein Bataillons-Kommandant würde die Gesamtverantwortung der neuen Organisation übernehmen. Eine gewisse Eigenständigkeit könnte also gewahrt werden.

Eine Seite muss nachgeben

Weiterer Knackpunkt wird die juristische Form des Zusammengehens sein: Sucht man eine Verbands- oder eine Vertragslösung? Daran scheiden sich die Geister. «Die Regionen tun sich schwer, ihr Erbe aufzugeben», so Beljean. Zofingen und Aarburg-Oftringen hätten aktuell eine Vertragslösung, die Region Suhren- und Uerkental eine Verbandslösung. Für Guido Beljean eine reine Philosophie-Frage. «Man kann alles mit beidem regeln. Aber eine Seite wird nachgeben müssen.»

Trotz negativer Vorzeichen ist der kantonale Koordinator überzeugt, «dass wir auch diese Fusion auf die Schienen bringen. Wir brauchen vielleicht ein bisschen mehr Vorlauf.» Zeit sei noch genug. In der Regel brauche ein solches Projekt rund zwei Jahre bis zur Abstimmungsreife. «Wenn wir uns dieses Jahr finden, reicht es noch für die Sommergmeinden 2019.»