Elisabeth Zuberbühler stammt aus Reinach. Sie ist elf Jahre alt, als ihre Familie – der Vater ist Lehrer und Organist –, auseinanderbricht. «Vielleicht ist es dieser Bruch, der mich motiviert, Menschen, die auch Brüche erlebt haben, malen zu lassen», sagt sie. Sie leistet Freiwilligenarbeit mit Flüchtlingen, aber auch mit Schülerinnen und Schülern der Integrationsberufsfindungsklasse in Aarau. «Statt Geld zu spenden, mach ich lieber etwas Direktes, Konkretes», sagt die 75-Jährige. Am Mittwochnachmittag können die Schüler von Bruno Schlatter in der Freizeit bei ihr malen gehen. «Das gibt mir viel», sagt sie; wenn sie erlebt, wie Menschen sich im Malen verwirklichen, etwas ausleben können. In ihrem Atelier an der Asylstrasse 22 bietet sie auch Ausdrucksmalen an. «Ich stelle das Material zur Verfügung und räume nachher wieder auf.»

Retrospektive in Noseland

Zuberbühler ist in Aarau aufgewachsen, hat als Kindergärtnerin in Brugg gearbeitet und lebt heute mit ihrem Mann in Aarau. Bruno Schlatter, Lehrer und «König von Noseland» in Schöftland, hat Elisabeth Zuberbühler zu einer Retrospektive eingeladen. Und zwar zeigt die Galerie Noseland Beispiele ihrer Webkunst. «Ich habe 1994 aufgehört zu weben, es war ausgewebt, doch die Anfrage von Bruno hat mich gefreut», sagt die Künstlerin. Sie hatte die Bilder und Teppiche in verschiedenen Formaten seinerzeit an Ausstellungen im Aargau und im Kanton Zürich zeigen können. Und dabei gut verkauft.

300 Naturfarben

Mehr als 300 verschiedene Farben hat sie damals aus Pflanzen hergestellt. «Das habe ich gelernt, sonst habe ich mir autodidaktisch das Wissen und Können erarbeitet», sagt Elisabeth Zuberbühler. Farben aus Pflanzen, das sei mehr als die «Zibelehültsche», die bald wieder zum Färben der Ostereier verwendet werden «Apfelbaumrinde gibt ein strahlendes Gelb, Krappwurzel ein kräftiges Rot», sagt sie. Auch die Verarbeitung der Schafswolle hat sie selber übernommen: waschen, trocknen, beizen, karden, spinnen, weben. Vom Schaf zum Teppich.

Vernissage am 20. März

«Ich habe immer ohne Entwurf gewoben», sagt die Künstlerin. Intuitiv, nach einem Bild im Kopf oder einer Vorstellung, die sich während des Webens entwickelte. Oft sei das Ergebnis überraschend gewesen, da man am Webstuhl jeweils nur etwa 30 Zentimeter des Bildes sehe: «Ich war entweder glücklich oder enttäuscht.» Die Motive? Seelenlandschaften nennt sie die Bilder. Oft sind Landschaften zu erkennen, teils mit Siedlungen. Sie zeigt auch eine Serie abstrakter Kompositionen, die an Landschaften erinnern.

An ihrem 75. Geburtstag, dem 20. März um 17 Uhr, ist in der Galerie Noseland Vernissage. Die Ausstellung ist zudem offen am 24. März, 1., 7., 14. und 28. April, jeweils von 14 bis 16 Uhr. Die Anreise mit öV wird empfohlen, da es nur wenige Parkplätze gibt.