«Grüezi metenand, de Salat», sagt Landwirt Max Lüthi. Winzige Regentropfen und Dreck kleben auf dem Eichbergsalat. Max Lüthi hat ihn vor wenigen Minuten in Schlossrued frisch geschnitten. Nicht nur der Salat, der heute Mittag auf den Tisch kommt, ist ein Lokalmatador. Auch der gespickte Rindsbraten, die Nudeln, der Kohlrabi, die Glace fürs Dessert, die eingemachten Kirschen und das Bier stammen aus dem Ruedertal.

«Erdbeeren aus Spanien gibt es bei uns nicht»: Für Annemarie Lüthi ist das Kochen mit lokalen Produkten eine Lebenseinstellung.

«Erdbeeren aus Spanien gibt es bei uns nicht»: Für Annemarie Lüthi ist das Kochen mit lokalen Produkten eine Lebenseinstellung.

Im Ruedertal ist die Landwirtschaft für viele ein wichtiges Standbein - das war sie schon immer. Im Gegensatz zur Bandweberei blieb die Landwirtschaft erhalten und die fruchtbaren Böden liefern den Talbewohnern noch heute wichtige Grundnahrungsmittel, die im Tal gekauft werden können. Im Ruedertal ist bereits Standard, was die «Initiative für Ernährungssicherheit» will: eine stärkere Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln aus vielfältiger und nachhaltiger einheimischer Produktion. Die Initiative des Bauernverbandes ist umstritten, der Bundesrat empfiehlt sie zur Ablehnung, der Nationalrat entschied vor wenigen Wochen, sie trotzdem anzunehmen. 

Einheimisches auf dem Tisch

Diese Diskussion wird nichts daran ändern, dass die Ruedertaler auf Einheimisches setzen. «Hier wissen wir, von wem die Produkte kommen. Diese haben nicht x-Flug- oder Autobahnkilometer hinter sich», sagt Annemarie Lüthi. Zusammen mit ihrem Mann Max führt sie seit 17 Jahren den Hof auf der Hochrüti in Schmiedrued-Walde. «Kartoffeln aus Israel zu kaufen ist für mich widersinnig. Was es hier nicht gibt, kommt hier halt auch nicht auf den Teller», sagt Annemarie Lüthi. Ihre Einstellung ist klar, Kompromisse macht sie kaum. 

Die Lüthis betreiben Milchwirtschaft, haben 27 Kühe und 20 Jungtiere. Meist kommt deshalb nur Rind- und Kalbfleisch auf den Tisch. «Wir probieren alles Mögliche zu tun, um uns selbst zu versorgen», sagt Annemarie Lüthi. Natürlich habe sie auch einen Notvorrat im Keller. Aber auch dort findet sich viel Eingemachtes aus eigenen Früchten, Eingekochtes oder Gefrorenes. «Klar ist es nicht einfach, immer auf die Herkunft zu schauen. Wir können ja hier im Tal nicht leben wie auf einer Insel», sagt Max Lüthi. Trotzdem wolle er wissen, was auf seinem Teller ist, von wo, und von wem es kommt. Und wenn die Lebensmittel mal nicht aus dem Ruedertal stammen – dort reifen Früchte und Gemüse später als in den tieferen Lagen – kommen sie maximal aus dem Suhrental. 

«Es ist wichtig, dass wir unsere Produzenten berüchsichtigen»

«Es ist wichtig, dass wir unsere Produzenten berüchsichtigen»

Marliese Loosli, Gemeindeammann Schmiedrued-Walde, sagt, wieso es wichtig ist, dass im Ruedertal lokale Produkte erhältlich sind.

Der gespickte Rindsbraten, der in der Schale parat liegt, ist ein altes Lieblingsrezept von Annemarie Lüthi. Auf Papier existiert es nicht mehr, sie hat alles im Kopf. Den Rindsbraten hat sie in der Metzgerei Sandmeier geholt. Der Grund: «Die wissen dort genau, welches Stück Fleisch von welchem Bauern kommt». Der Braten ist mit Fettstreifen durchzogen, so wird er nicht trocken. Das Fleisch hat sie bereits am Tag zuvor gebraten, jetzt köchelt die Sauce in der Pfanne. Aus Schlossrued kommen Kohlrabi und Salat. Annemarie Lüthis Tochter Sandra wäscht die letzten Dreckreste von den Salatblättern, zerkleinert sie und richtet sie in der Schüssel an. Im Steamer dampft der Kohlrabi.

Die Nudeln kaufen die Lüthis bei Hanna Hunziker vom Karrenhof, «bei Karre-Hanni», aus Walde, selbst gemacht, in verschiedenen Variationen. Sie liegen im kochenden Wasser. Den Braten schiebt Annemarie Lüthi mit der Sauce in den Ofen. Zur Nachspeise gibt es Schlossrueder Hofglace mit eingemachten Kirschen vom letzten Sommer, Nidletäfeli aus eigenem Rahm und Läckerli aus Schmiedrueder Honig.

Garten für alle in Schlossrued

Einen Garten hat Annemarie Lüthi nicht mehr, zu wenig Zeit hat sie dafür. An frischem Gemüse mangelt es im Tal aber nicht: Eingangs Schlossrued gibt es ein grosses Feld, auf dem die Familie Götschmann Gemüse anpflanzt. Gegen Bezahlung kann jeder holen, was er will. Manchmal, wenns im Tal nichts gibt, geht sie nach Kirchleerau oder Staffelbach, oder ihr Sohn bringt ihr frische Kartoffeln und Erdbeeren aus Muhen.

Das Ruedertaler Menü ist fertig. Annemarie Lüthi richtet Braten, Nudeln und Kohlrabi an. Nur bei den Staffelbacher Rüebli und Zwiebeln, die in der Sauce schwimmen, muss sie ein Auge zudrücken. Dieser Blick über den Tellerrand sei erlaubt, sagt sie und lacht. Man mag von der Initiative für Ernährungssicherheit halten, was man will. Das Menü aus dem Ruedertal zeigt: Lokales Einkaufen macht Sinn, und schmeckt richtig gut.

Hier finden Sie Lebensmittel aus dem Ruedertal

Hier finden Sie Lebensmittel aus dem Ruedertal